Der Diebstahl des US-Offiziers

Wichtige Tipps führen Korte über Texas nach Quedlinburg

Der Schatzjäger Willi Korte sucht im Fall Quedlinburg neue Verbündete und findet sie bei der New York Times, einer der angesehensten Tageszeitung weltweit. Korte bearbeitet den Redakteur William Honan so lange, bis der endlich eine eigene Quedlinburg-Story plant.

Meador stiehlt Domschatz aus der Altenburg-Höhle (Spielszene) Quelle: ZDF

New York Times-Redakteur Honan bezeichnet Korte in dem Artikel als "Agent of the German Government". Und so wird durch die Veröffentlichung in der New York Times aus dem Ermittler ohne Auftrag ein Vertreter der Bundesregierung - plötzlich öffnen sich Türen, die sonst verschlossen geblieben wären.

Spürbar unter Druck

Schon früh hatte Korte den Verdacht, das Antiquariat Hans P. Kraus in New York sei in den Deal um das Samuhel-Evangeliar verwickelt. Mehrfach sucht Korte den deutschstämmigen Kraus-Mitarbeiter Dr. Robert Folter auf. Auch beim dritten Besuch erweist sich Folter als schweigsam - aber spürbar unter Druck. Folter wird nicht über seine Auftraggeber sprechen - Berufsehre. Aber er findet einen Weg zu reden, ohne ein Wort zu verlieren. Er legt den Bleistift auf eine Karte, die Spitze zeigt auf den Ort Whitewright in Texas. Folter legt nach und zeigt Korte einen Brief in einem Aktenordner. In dem Brief wendet sich ein gewisser John Farley an die Kunstexperten. Es gehe um ein "estate settlement", also um die Regelung eines Nachlasses. John Farley ist der Direktor der First National Bank in Whitewright, Texas.

Gesucht: Offizier mit Kunstverstand

Karte Whitewright Quelle: ZDF

Die Spur führt nach Texas. Der diskrete Hinweis des Antiquars macht vor den Augen von Willi Korte das Profil des Schatzräubers immer konkreter. Gesucht wird: ein amerikanischer Veteran, vermutlich ein Offizier mit Kunstverstand, der die unschätzbar wertvollen Stücke an seine Familie vererbt. Und die, weniger an Kunst denn an Barem interessiert, will das Diebesgut schnell zu Geld machen. Mit Hilfe einer kleinen Bank in Whitewright, Texas. Dort versucht es der angebliche Regierungsvertreter Korte mit der Überfalltaktik. Korte spricht den Bankdirektor direkt auf den Fall an.

Der Banker allerdings läßt sich zunächst nicht verunsichern, derweil seine anonymen Kunden versuchen, auf Zeit zu spielen. Doch der nächste Trumpf im komplizierten Spiel um Dollars, Diebe und Diskretion sticht! Kortes Verbündeter William Honan von der New York Times spielt ihn aus: In einem Artikel enthüllt er den Namen eines Verdächtigen. Eines Kriegsveterans aus Whitewright, der nur eins mehr liebte als Orchideen: Kunst. Sein Name: Joe Tom Meador, ehemaliger Kunststudent. Während des Krieges diente er als Oberleutnant in Quedlinburg. Wegen des Diebstahls von Silberbestecks erhält er im Herbst 45 einen schweren Verweis durch ein Militärgericht. Aber hat sich dieser notorische Kleinganove den bedeutendsten Kirchenschatz des Mittelalters unter den Nagel gerissen?

Ganz besonders wertvoll

Meador in der Times Quelle: ZDF

Die Höhle vor Quedlinburg wird mit einer Zwei-Mann-Wache besetzt. Ein Offizier wie Joe Tom Meador hätte es sicher geschafft, sich mit ein paar Tricks Zutritt zur Höhle zu verschaffen. Einmal in der Höhle, wird sich der Kunstliebhaber gründlich umgesehen haben. Den notorischen Dieb treibt so viel kriminelle Energie an, dass er die Kisten wahrscheinlich aufbricht. Ganz sicher erkennt der Kunststudent, dass er plötzlich etwas ganz besonders Wertvolles in Händen hält. Aber hätte er den Quedlinburger Domschatz einfach so mitnehmen können?

Doch für Meadors Tat gibt es einen Zeugen. Dieser Zeuge wird in die Geschichte verwickelt, als die US-Truppen systematisch jedes Wohnhaus in Quedlinburg durchsuchen - nach deutschen Soldaten, die sich verstecken, um der Gefangenschaft zu entgehen. Auf dem Weg in die Schule sieht der junge Carl-Heinz Dömken wie amerikanische Soldaten Entlassungsscheine ausstellen. Auch Meadow unterschreibt die Papiere, die Dömkens Schwager retten könnten. Um an den Freibrief für den Schwager zu kommen, hat der begeisterte Zeichner eine abenteuerliche Idee: Er fragt den Offizier, ob er ein Porträt von ihm anfertigen darf - und Meadow stimmt zu. Während des Zeichnens gelingt es Dömken, einen Entlassungsschein zu entwenden.

Ausflüge zur Altenburg-Höhle

Carl-Heinz Dömken und Meador (Spielszene) Quelle: ZDF

Meadow bekommt von dem Diebstahl nichts mit, stattdessen ist der Kunstkenner vom Talent des jungen Künstlers sehr angetan. Aus der Begegnung entwickelt sich eine Art transatlantische Freundschaft. Mehrfach unternimmt Meador mit dem Jungen Ausflüge in eine Waldgegend bei Quedlinburg. Es geht Richtung Altenburg-Höhle. Wie er die Wachen überwindet, bleibt offen. Fest steht: Er kehrt von seinen Ausflügen nicht mit leeren Händen zurück.

Meador fühlt sich so sicher, dass er seiner Mutter in Briefen aus Deutschland alles gesteht: "Liebe Mutter, wenn dieses Paket ankommen sollte, geht vorsichtig damit um. Ich meine, der Buchdeckel ist reines Gold... Fragt mich nicht, woher ich das habe - aber es könnte sehr, sehr wertvoll sein. In Liebe Joe."

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