Der Durchbruch des Telefons

Bells Erfindung revolutioniert die Kommunikation

Am 10. März 1876 gelingt Watson und Bell das erste Telefonat der Weltgeschichte. Bells Techniker Watson setzt sich an den Empfänger. Bell selbst spricht im benachbarten Raum in den Sender: "Mr. Watson - kommen Sie her - Ich möchte Sie sehen". Zunächst geschieht nichts. Doch nach dem zweiten Versuch kommt Watson herein. Der entscheidende Durchbruch ist gelungen. Nun muss sein Telefon noch der Weltöffentlichkeit präsentiert werden.

Arm der Freiheitsstatue
Arm der Freiheitsstatue Quelle: ZDF

1876 feiern die USA in Philadelphia ihr 100-jähriges Bestehen mit einer gigantischen Weltausstellung. Die ideale Bühne für Bell, um seine Erfindung der Öffentlichkeit zu präsentieren. Neun Millionen Zuschauer aus allen Ländern werden erwartet. Eine der größten Attraktionen ist ein Arm der Freiheitsstatue, die gerade in New York errichtet wird. Aber Bell will nicht teilnehmen. Er fürchtet, dass sein Telefon neben all den gigantischen Objekten lächerlich wirkt. Seine Verlobte Mabel berichtet, eine Jury werde die nützlichste Erfindung mit einer Medaille ehren. Bell weigert sich zunächst hartnäckig, lässt sich aber von Mabels Beharrlichkeit überzeugen.
Als die Jury den Gewinner der begehrten Medaille auswählen will, ist die Ausstellung für die Öffentlichkeit geschlossen. Favorit ist Bells ewiger Rivale Elisha Gray. Als er dem brasilianischen Kaiser vorgestellt wird, ist er schon siegessicher. Bell hatte den Kaiser kürzlich kennen gelernt. Aber der hat jetzt wie seine Kollegen nur Augen für Grays beeindruckende Vorführung. Sein "musical telegraph" kann Musikstücke elektrisch über weite Entfernungen übertragen.

Als die Jury bereits die Halle verlassen will, ohne einen Blick auf sein Telefon zu werfen, scheint alles verloren. Doch da erkennt der Kaiser auf einmal Bell. Der hatte ihn vor kurzem beim Besuch einer Taubstummenschule sehr beeindruckt. Der brasilianische Kaiser lässt sich Bells Sprachapparat vorführen und steckt mit seiner Begeisterung auch die anderen Juroren an. Das Urteil der Jury ist einstimmig. Niemand anderer als Bell darf die Medaille erhalten.

Bell stellt seine Erfindung vor
Bell stellt seine Erfindung vor Quelle: ZDF

Aus dem unbeachteten Taubstummenlehrer wird eine weltweit beachtete Persönlichkeit. Die Presse feiert Bells Erfindung frenetisch. Aber plötzlich tauchen auch kritische Artikel auf. Die Western Union lanciert Gerüchte, das Telefon würde krank machen und vor allem: es sei ein Spion, der alles Gesprochene an Dritte weiterleite. Für Bell ein absurder Vorwurf. Er bricht zu einer Werbekampagne durchs ganze Land auf, hält Vorträge und führt seine Erfindung vor. Wo er auch auftritt, die Zuschauer sind fasziniert. Und jedes Mal erntet Bell tosenden Applaus. Nach der Fachwelt ist nun auch der Mann von der Straße begeistert.

Endlich darf Bell seine geliebte Mabel heiraten. Obwohl er sein Telegrafieprojekt nie vollendet hat, willigt Hubbard angesichts seines Erfolgs ein. Die Nachfrage nach seinen Telefonen ist gigantisch. Aber kaufen kann man die Geräte nicht. Nur mieten. So behält die von Bell und Hubbard gegründete Firma die Kontrolle über das Telefongeschäft, und es sprudeln regelmäßige Einkünfte in ihre Kasse. Die einst übervollen Telegraphenbüros spüren die neue Konkurrenz. Viele Telegraphisten fürchten arbeitslos zu werden. Die Western Union muss unbedingt handeln. Jetzt geht es um ihre Existenz.

Bell und Mabel (Spielszene)
Bell und Mabel (Spielszene) Quelle: ZDF

Elisha Gray hat die Niederlage auf der Jahrhundertausstellung noch lange nicht verwunden. Gemeinsam mit der Western Union sucht er nach einem Weg, das lukrative Telefongeschäft an sich zu reißen. Sie entwickeln einen hinterlistigen Plan. Kurzerhand gründen sie eine eigene Telefongesellschaft. Bereits wenige Tage später werden die ersten Geräte der Western Union landesweit verkauft. Dass Bell das Telefon-Patent besitzt, stört Gray nicht. Kaltblütig behaupten er und die Western Union, Bell habe das Wissen von Gray gestohlen.

Bell zieht vor Gericht. Aber er scheint den Prozess zu verlieren. Alles hängt jetzt davon ab, ob man seiner bevorstehenden Aussage glaubt. Die Anwälte der Western Union haben sich gut vorbereitet. Sie wissen, Bell hat außer seinem Wort keine Beweise für seine Geschichte.

Bell vor Gericht (Spielszene)
Bell vor Gericht (Spielszene) Quelle: ZDF

Dann beginnt das Verhör. Sieben Stunden lang muss Bell Rede und Antwort stehen, muss Schmähungen und den Vorwurf des Diebstahls über sich ergehen lassen. Der Anwalt der Western Union bezeichnet Bells Geschichte als ein schönes Märchen - fern jeder Realität. Doch Bell hat mit diesem Argument gerechnet. Er hat seine Tagebücher und Briefe an Freunde mitgebracht, in denen die Entwicklung seiner Erfindung akribisch dokumentiert ist. Die Beweislage ist über jeden Zweifel erhaben. Auch die Western Union muss erkennen, dass sie den Fall nicht mehr gewinnen kann. Im November 1879 einigen sich die Parteien außergerichtlich.

Bell als alter Mann
Bell als alter Mann Quelle: ZDF

Das amerikanische Repräsentantenhaus ehrt Antonio Meucci im Jahr 2002 für die Entwicklung eines Telefons. Unbestreitbar hat Bell jedoch dem Telefon zu seinem revolutionären Durchbruch verholfen. Nachdem die Western Union sich aus dem Telefongeschäft zurückziehen musste, ist es allein die Bell Company, die den Siegeszug des Telefons vorantreibt und kontrolliert. Das Telefon hebt den Raum auf, lässt die Menschen näher zusammenrücken. Es ist der Einstieg in unser Zeitalter der allumfassenden Globalisierung. Bell nimmt von dieser Entwicklung nur noch wenig Notiz. Er verliert das Interesse am Telefon. Schon 1879 scheidet er aus der Bell Company aus.

Bell zieht sich ins abgeschiedene Kanada an die Atlantikküste zurück und widmet sich neuen Projekten. Er versucht mit Lenkdrachen den Himmel zu erobern und wird zu einem vergessenen Pionier der Luftfahrt. Auch zu Wasser erprobt er neuartige Fahrzeuge, lässt erste Tragflächenboote bauen. Mit 110 Stundenkilometern rasen sie über den See vor seinem Haus, sind die schnellsten Wasserfahrzeuge der damaligen Zeit. Bis zu seinem Tod im Jahr 1922 lässt ihn die Erfinderleidenschaft nicht los. Bell empfand sie immer als ein Fenster zu einer besseren Zukunft. Doch gegen Ende bedauerte er es zutiefst, nie ein Gerät erfunden zu haben, das Taubstummen wirklich die Verständigung erleichtert.

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