Der "Erste Kaiser"

Qin Shi Huangdi - Herrscher über die Welt

China, der Mittelpunkt der Welt, nennt sich seit alters her Reich der Mitte. Geografisch gesehen liegt es nicht einmal in der Mitte des eurasischen Kontinents, sondern isoliert an seinem äußersten östlichen Rand.

Im Osten und Süden wird China durch den Pazifik begrenzt. Im Südwesten und Westen behindern riesige Bergketten den Zugang. Von Norden her schützen Wüsten das Reich.

Herz des alten China

Der Gelbe Fluss hat die chinesische Kultur zutiefst geprägt. Nur durch den Einsatz von riesigen Menschenmassen, unter der Führung mächtiger Despoten, konnten seine Fluten gebändigt werden. Das gelbe Wasser, die gelbe Erde, die gelbe Kultur: Am Gelben Fluss schlägt das Herz des alten China. Besonderes Kennzeichen: die uneingeschränkte Macht seiner Herrscher.


Fast drei Jahrhunderte lang kämpften unterschiedliche Dynastien um die Alleinherrschaft im Reich. Sieger des Einigungskrieges waren schließlich die Soldaten des Fürstentums Qin aus dem äußersten Westen. Die "Spartaner" oder die "Preußen" Chinas hat man sie später genannt. Sie waren als grobe Haudegen des fernen Ostens verschrien. Aber ihren Feldherrn haben sie zum Herrscher über ganz China gemacht. Im Jahre 221 vor Christus ernennt sich Qin Shi Huangdi zum "Ersten Kaiser". Als der mächtigste aller chinesischen Diktatoren wird er Vorbild für alle späteren Herrscher sein.

Noch heute gebräuchlich

Der Kaiser vereinheitlicht die Gewichte, die Maße, die Radspur der Wagen, das Münzwesen, die Verwaltung, die Gesetze und die Schrift. Letztere ist noch heute gebräuchlich. Von "Qin", dem Namen des Fürstentums, aus dem der erste Kaiser einst hervorging, leitet sich der Name "China" her.


Das Grab des Kaisers wird von den Kriegern der berühmten Terrakotta-Armee in Xi'an bewacht. Die Tonfiguren stehen dort seit 2200 Jahren - eine gigantische Formation stummer Wachposten. Sie zeigt, welche bedeutende Rolle der Armee im alten China zukam. Aber ein Rätsel bleibt: Warum blicken die 7000 Krieger nach Osten? So, als müssten sie ihren Herrscher vor den eigenen Untertanen beschützen? Möglichen Feinden, die von Norden und Westen kommen, kehren sie den Rücken zu. Hatte der chinesische Kaiser mehr Angst vor seinen Untertanen als vor ausländischen Feinden?

Herrscher über die ganze Welt



Schon der erste Kaiser versteht sich als Herrscher über die ganze Welt. In der Vorstellung der Chinesen kann es nur ein einziges Reich auf der Erde geben, in dem Ordnung, Zivilisation und Kultur herrschen - das Reich der Mitte. Außerhalb dieser Mitte gibt es nichts als Chaos und Barbarei. "Mitte" - heißt auf Chinesisch "Zhong". Das dazugehörige Schriftzeichen ist ein Quadrat, das durch einen Längsstrich geteilt wird. Ein einfaches Zeichen - aber das zentrale Symbol für das Selbstverständnis der chinesischen Kaiser.

Gewaltiger Anspruch

Mit diesem Zeichen hat es etwas ganz Besonderes auf sich. Es ist ein Symbol, das Stein geworden ist. Auf ihm gründet die Anlage einer ganzen Stadt. Seine Grenzen stimmen mit dem Umriss der Verbotenen Stadt überein - der Residenz des Kaisers. Sie umfasst 9999 Räume - einen weniger als der Himmel.


Der Thron des Kaisers steht in der Halle der höchsten Harmonie. Der Name beschwört den Anspruch der chinesischen Herrscher, über den Gleichklang von Kosmos und Menschenwelt zu wachen. Ein gewaltiger Anspruch mit einer Kehrseite: Der Kaiser von China ist der Gefangene seiner Rituale.

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