Der ewige Mythos

Rätsel um Todesursache gelöst

Am 5. Mai 1821 stirbt Napoleon Bonaparte. Der gestürzte Kaiser siecht in seinem Bett elend dahin. Das Bewusstsein hat er in den letzten Tagen nur selten wiedererlangt. Er, der alles eroberte und alles verlor, war am Ende nichts als seine eigene Legende.

Napoleon selbst hat den Tod mit dunklen Andeutungen vorhergesagt. "Öffnen Sie meinen Körper. Übersehen Sie nichts. Meinen schlimmsten Feinden wünsche ich nicht den Schrecken meiner letzten Stunden." Bis heute sind die Umstände von Napoleons Ende umstritten. War es doch Mord, wie der Sterbende ahnungsvoll verkündete?

Obduktionsbericht umstritten

Seit einem Vierteljahrhundert forscht der Pathologe Professor Thomas Hindmarsh aus Ottawa über die Todesursache Napoleons. Der offizielle Obduktionsbericht von St. Helena ist umstritten, danach starb Napoleon an Magenkrebs. Doch Hindmarsh kennt auch die Theorien von einer schleichenden Vergiftung mit Arsen. Doch wer konnte Täter sein? Seine englischen Bewacher, eine Bedienstete oder gar seine Ärzte? Auch die Schwächen des Obduktionsberichtes kennt Pathologe Hindmarsh genau. Den Ärzten damals erschien Napoleon noch im Tode gut genährt: unüblich für Magenkrebs.

Man braucht eine präzise Arsenuntersuchung mit Haarproben Napoleons. Das Problem aller Analysen war bislang, dass der Vergleich fehlte. In manchen dieser Proben wurden sehr unterschiedliche Arsenwerte festgestellt, obwohl die Haare am gleichen Tag abgeschnitten worden waren. Es bedarf einer Vergleichsuntersuchung mit Haaren Napoleons aus einer Zeit vor seinem Exil. Mit Hilfe des Kunsthistorikers Pierre-Jean Chalencon wollen Wissenschaftler im Forschungsreaktor der Technischen Universität München das Rätsel um Napoleons Tod endgültig lösen. Dank der Unterstützung Chalencons stehen nun erstmalig zwei Haarproben für eine Untersuchung bereit. Die Wissenschaftler präparieren ein Haar, das Napoleon unmittelbar nach seinem Tode entnommen wurde - und eine zweite Probe aus dem Jahr 1814. Eine systematische Vergiftung mit Arsen über einen längeren Zeitraum lässt sich so feststellen.

Deutliches Ergebnis

Im Reaktor des Berliner Hahn-Meitner-Instituts geben die Haare Napoleons unter radioaktiver Bestrahlung ihr Geheimnis preis. Ein deutliches Ergebnis. Zum Zeitpunkt des Todes zeigen die Werte eine harmlose Arsenkonzentration. Um ein vielfaches niedriger als im Jahr 1814 - als Napoleon nachweislich gesund war. Neben der Tatsache, dass die wissenschaftlichen Untersuchungen den Beweis für die Mordtheorie nicht liefern, gibt es auch keine brauchbaren Hinweise auf irgendein Motiv oder einen möglichen Täter. Die angebliche Ermordung ist der letzte große Mythos Napoleons.

Bis heute wiegt Napoleons Erbe schwer. Das Vermächtnis von St. Helena zeichnet Aufstieg und Fall eines Jahrtausend-Genies. Doch hinter der eigenen Verklärung erscheint die Maske eines machthungrigen Eroberers. Trotz seiner Kriege, trotz seiner Niederlage bleibt Napoleon heute die meist studierte und meist geliebte Persönlichkeit der Geschichte. Das ist sein endgültiger Triumph. Nach seinem Tod wird Napoleon Bonaparte in den Pariser Invalidendom überführt. Das Grab wird zur Pilgerstätte. So ehrt man einen Heiligen - und macht ihn unsterblich.

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