Der Fall Petronia Justa

Von der Sklavin zur Prostituierten

Nur wenige Sklaven wagen es, ihr Recht gegen ihre Herrschaft einzufordern. Wer den Mut aufbringt, macht sich auf den Weg zum Forum. Dort können sie dem Ältestenrat ihr Anliegen vortragen. Ein Fall ist umfassend dokumentiert: Die schöne Sklavin Petronia Justa hat ihren Besitzer vor Gericht bestellt.

Ihr ganzes Leben verbrachte sie als Dienstmädchen in der Villa der adligen Familie. Zu Unrecht, wie sie nun glaubt. Denn sie sei frei geboren und daher dürfe sie nicht länger festgehalten werden. Eine couragierte Behauptung, für die sie sogar Zeugen haben will. Ihre Mutter war eine Sklavin, der die Freiheit geschenkt wurde. Die Frage lautet nun: Wurde Petronia Justa vor der Freilassung ihrer Mutter geboren, ist sie eine echte Sklavin und gehört ihrem Herrn und seiner Frau. Wenn aber danach, dann ist sie eine Freie.

Gerichtsverfahren ist eine Farce

Petronia geht ein hohes Risiko ein. Doch die Hoffnung auf ein positives Urteil ist größer als ihre Angst. Noch ahnt sie nicht, dass ihr Schicksal bereits besiegelt ist. Die Angeklagten zeigen sich indigniert, haben sie das Mädchen doch wie ihre eigene Tochter behandelt. Das Verfahren ist eine Schande. Sklaven gehörten zum Besitz, waren Menschen zweiter Klasse, sollten Demut und Dankbarkeit üben. "Im Zweifel für die Freiheit" ist im römischen Reich eigentlich oberstes juristisches Prinzip. Die Realität aber sieht anders aus. Die Justiz steht stets auf der Seite der Bürger. Und Beamtenbestechung ist gängige Praxis. Der Fall wird abgewiesen, die Sitzung ist nicht mehr als eine Farce. Die Familie verkauft Petronia Justa weiter.

Die Gerichtsbarkeit liegt seit jeher fest in den Händen der Aristokraten. Auf dem Forum treffen die Mächtigen Tag für Tag zusammen. Dort machen sie Politik und schmieden Intrigen. Den Stadtrat führen zwei Vorsitzende an, sie regieren gleich berechtigt.

Nach dem Erdbeben braucht Pompeji für die Schlüsselpositionen die Reichsten der Reichen. Die umfassenden Aufbauarbeiten kosten ein Vermögen. Allein das Großprojekt "Forum" verschlingt Unsummen. Das Herzstück der Stadt mit seinen imposanten Häusern und Tempeln soll schnell wieder zum belebten Mittelpunkt des gesellschaftlichen und politischen Lebens werden.

Sklaven als Prostituierte

Im nahe gelegenen Vergnügungsviertel ist von den Sorgen der Verantwortlichen nichts zu spüren. In den mehr als 30 Bordellen floriert das Geschäft. Unzählige erotische Darstellungen machen deutlich: Käufliche Liebe gehört zum täglichen Leben. Die Prostituierten - männliche ebenso wie weibliche - waren ausnahmslos Sklaven. Nachschub ließen die Besitzer immer wieder aus den östlichen Provinzen heran schaffen. Und manchmal auch aus der unmittelbaren Nachbarschaft. So landet Petronia Justa im Rotlichtmilieu. Verkauft von ihrem rachsüchtigen Herrn nach dem Prozess. Deftige Wandbilder dienen den Kunden als eine Art Katalog sexueller Dienstleistungen. Pünktlich um vier Uhr am Nachmittag öffnen die Freudenhäuser. Doch auch schon vorher ist eine "Venus parabilis" - der schnelle Sex in den Gassen zu haben.

Die Abschaffung der Prostitution stand nie zur Debatte. Kaiser Caligula führte im Jahr 40 nach Christus sogar eine Hurensteuer ein. Eine Abgabe, die im Ostteil des Reiches bis ins 8. Jahrhundert entrichtet werden musste.

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