Der Fall Troia - Homers letztes Geheimnis

Troia - Schicksalsberg der Archäologie

Die Geschichte Troias oder Ilion, wie die Stadt in griechischer Zeit auch genannt wurde, beschäftigt Altertumswissenschaftler seit mehr als einem Jahrhundert. Seit den Entdeckungen Heinrich Schliemanns versuchen Generationen von Wissenschaftlern zu rekonstruieren, wie die mächtige Trutzburg aussah, die der Dichter Homer in seinen Werken Ilias und Odyssee beschreibt.

Montage: Heinrich Schliemann und Frank Calvert
Montage: Heinrich Schliemann und Frank Calvert Quelle: ZDF

Auftakt für den troianischen Krieg, dem gewaltigen Kampf zwischen Troianern und Griechen, ist der Raub der Helena. Paris, der Sohn des Troia-Königs Priamos, raubt die schöne Frau aus Sparta. Um die Schmach zu rächen, ziehen die Griechen unter der Führung von König Agamemnon mit einer riesigen Truppe gegen Troia. Trotz neunjähriger Belagerung gelingt es ihnen nicht, die stark befestigte Stadt zu erobern.

Kriegsflotte vor Troja
Kriegsflotte vor Troja Quelle: ZDF

Erst eine Kriegslist bringt im zehnten Jahr die Wende: Die Griechen bauen ein hölzernes Pferd, in dem sich ihre besten Krieger verstecken - dann täuschen sie den Rückzug vor. Die Troianer ziehen das vermeintliche Weihegeschenk der Griechen an ihre Götter als Kriegstrophäe in die Festung. In der Nacht klettern die Angreifer aus ihrem Versteck und öffnen die Stadttore. Troia wird bis auf die Grundmauern zerstört.

Mündliche Überlieferungen

Die Ereignisse des troianischen Krieges - falls es ihn überhaupt gegeben hat - sind der Bronzezeit zuzurechnen. Archäologische Spuren verweisen auf das 12. Jahrhundert vor Christus. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Sänger damals die Geschichte von Tod, Sieg und Niederlage ihrem Publikum erzählt haben. So wurde sie mündlich von einer Generation zur nächsten weitergetragen und je nach Erzählweise variiert.

Trojanisches Pferd
Trojanisches Pferd Quelle: ZDF

Als Homer 500 Jahre später die "Ilias" und die "Odyssee" niederschrieb, griff er also auf einen bekannten Stoff zurück. Trotzdem schuf er in seinen rund 30.000 Versen umfassenden Schriften ein individuelles literarisches Kunstwerk. Denn er löste aus den großen Zusammenhängen um den troianischen Krieg bestimmte Ereignisse heraus und stellte sie in den Mittelpunkt seiner Erzählungen.

Schliemann findet Schatz des Priamos

Bis heute hat der Mythos von Troia überlebt - nicht aber das Wissen um die Lage der berühmten Stadt. 1870 fiel der Startschuss zum archäologischen Großprojekt Troia. Der deutsche Kaufmann Heinrich Schliemann folgte einem Hinweis des Diplomaten Frank Calvert. Der Brite hatte auf einem Hügel namens Hisarlik, auch Hissarlik geschrieben (türkisch: Burghügel), im Nordwesten der Türkei Fundamente freigelegt.

Dort setzte Schliemann an. Er erklärte Siedlungsspuren auf einem Hügel namens Hisarlik, zum Troia Homers. Sein "Schatz von König Priamos", dem König von Troia, sorgte weltweit für Schlagzeilen.

Falsche Datierung

Schatz von König Priamos: Gefäße
Schatz von König Priamos: Gefäße Quelle: ZDF

Längst wissen Archäologen aber um den fatalen Irrtum des Pioniers: Schliemann datierte die Grabungsschichten falsch. Die Funde sind viel älter, als er annahm: Der Schmuck und die Gefäße aus Silber und Gold sind etwa 1300 Jahre älter als der troianische Krieg.

Inzwischen konnten Forscher zehn übereinander liegende Bauphasen des Ortes nachweisen. Sie sind überzeugt, dass es sich bei der siebten Grabungsschicht um das von Homer beschriebene Troia handelt. Mithilfe von Computerberechnungen versuchen sie zu rekonstruieren, wie die ehemalige Stätte aus der Zeit um 1200 vor Christus ausgesehen haben könnte.

Schrott beleuchtet neue Facette

Es gibt allerdings Forscher, die den Befund von Hisarlik als nicht ausreichend einstufen - wie Raoul Schrott. Nach Auswertung einer Fülle an Quellen vermutet der Literaturwissenschaftler, dass sich Homers Geschichte über Troia 800 Kilometer weiter entfernt als angenommen abgespielt hatte: auf der Festung Karatepe im südanatolischen Kilikien.
Der Film "Der Fall Troia - Homers letztes Geheimnis" geht den Hauptthesen von Raoul Schrott nach und stellt sie auf den Prüfstand. Dabei kommen nicht nur der österreichische Schriftsteller, sondern auch renommierte Gelehrte aus Deutschland und der Türkei zu Wort.

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