Der Fetischmeister

Die Stimme der Dämonen

In Masindi ist heute nichts mehr zu spüren von dem Grauen, das die Kleinstadt heimsuchte. Ebola hat sich wieder in den Busch zurückgezogen. Doch niemand weiß, für wie lange.

Das Krankenhaus ist gesichert und bewacht wie ein Gefängnis. Matthias Borchert besucht die ehemalige Isolierstation für Ebola-Kranke. 14 Menschen starben hier an der Seuche. Inzwischen ist der afrikanische Alltag zurückgekehrt: Hepatitis, Tuberkulose, Malaria.

Schützen, so gut es geht

Die Schwestern und Ärzte haben Borcherts Besuch voller Spannung erwartet. Er bringt die Ergebnisse eines Bluttests am Krankenhauspersonal. Zwei von ihnen starben an Ebola, einige haben sich angesteckt, die Krankheit aber überlebt. So wie Schwester Joy, sie ist schockiert, denn sie ahnte nichts. Doch sie erinnert sich, dass ein verwirrter Ebola-Patient zu fliehen versuchte, sie angriff und verletzte. Joy hatte großes Glück, sie überlebte die Attacke des aggressivsten Virus der Welt. Erneut untersucht Borchert ihr Blut. Wie lange halten sich die Antikörper? Die Antwort darauf ist wichtig für die Entwicklung eines Impfstoffs. Bis dieser gefunden ist, können Ärzte und Pflegepersonal nur eines tun: Sich schützen, so gut es geht.

Ein Ebola-Ausbruch ist mit nichts zu vergleichen. Es sind Maßnahmen erforderlich, die es bei keiner anderen Erkrankung gibt und die mit einer Perfektion durchgeführt werden müssen, wie man sie von Seuchen -Bekämpfungsmaßnahmen sonst nicht kennt. Dazu gehört Schutzkleidung, die aus mehreren Schichten besteht. Schon versehentliches Reiben der ungeschützten Augen kann den Tod bringen. Borchert hält seinen Vortrag vor Krankenhauspersonal, wo immer er kann. Doch er weiß: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

"Ich habe ihn geheilt"


Der Fetischmeister von Masindi hatte während der Epidemie großen Zulauf. Wie jeden Abend rufen er und seine Anhänger die Götter an. Matthias Borchert hat den Krankenpfleger Johnson mitgebracht. Der junge Mann hatte Ebola und flüchtete zu dem Zauberer. "Ich habe ihn geheilt", behauptet dieser.

Die Mittel sind zunächst die gleichen, die der Heiler auch gegen Würmer oder Malaria bereithält: Der Rauch von zehn verschiedenen Sorten Baumrinde soll den Patienten innerlich reinigen. Es erfolgt die Einstimmung auf das Herbeirufen der Dämonen. Denn nur die bösen Geister haben die Macht, das Virus wieder aus dem Körper zu vertreiben. Der Fetischmeister spricht mit der Stimme der Dämonen. Sie sind gekommen und nehmen das Virus mit in die Schattenwelt. Eine letzte Reinigungshandlung: Kopfwäsche mit den Blättern des "Heilenden Baums" Njamojona.

Vor der Heilkunst seines Kollegen hat Matthias Borchert Respekt, wie er sagt. Bei vielen Leiden wirke die Naturmedizin. Auch seelisch sei der Schamane eine Stütze für seine gläubigen Patienten. Gegen Ebola jedoch helfen weder Götter noch Geister, so der Deutsche.

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