Der Fluch des Aspergillus

Schimmelpilze in Grabkammern als tödliche Gefahr

1973 wurden die Gebeine des mittelalterlichen Jagellonenkönigs Kasimir aus einer Gruft des Wawelschloss geborgen und von einem 14-köpfigen Forscherteam untersucht. Ein Jahr später waren vier der Wissenschaftler tot, weitere acht starben in den nächsten Jahren. Der "Fluch des Kasimir"? Die Parallelen zwischen dem "Fluch des Kasimir" und dem "Fluch des Tutenchenamun" sollten erst Jahre später erkannt werden

Petrischalen mit Schimmelpilzen
Petrischalen mit Schimmelpilzen - Fluch des Pharao Quelle: ZDF

Einer der beiden Überlebenden des polnischen Forscherteams war Boleslaw Smyk, ein Mikrobiologe aus Krakau, der noch Jahre nach dem Besuch der Gruft unter Schlaf- und Gleichgewichtsstörungen litt. Seine Nachforschungen führten ihn viele Jahre später auf die Spur von Schimmelpilzen, die er in großer Zahl an den Gebeinen des exhumierten Königs fand. Bei der Untersuchung der Leichenreste hatten die Forscher ohne Handschuhe und Mundschutz gearbeitet und waren dadurch in intensiven Kontakt mit den krankmachenden Pilzen gelangt. Vor allem Aspergillus flavus ist hochverdächtig, den Tod der Wissenschaftler verursacht zu haben.

Gefährliche Konzentration von Schimmelpilzen
Auch wenn sie damals von den Untersuchungen in Polen nichts wusste, verfolgte eine junge französische Medizinerin Mitte der 1980er Jahre eine ähnliche Spur. Caroline Stenger-Philippe untersuchte im Rahmen ihrer Doktorarbeit durch Aspergillus ausgelöste Lungenkrankheiten und fand viele Indizien dafür, dass Schimmelpilze die eigentlichen Verursacher des "Fluch des Pharao" sein könnten. Die Mumie selbst, aber vor allem die Speiseopfer und andere organische Materialien, deren Reste man im Grab des Tutenchamun fand, sind ideale Nährböden für Aspergillus und andere Schimmelpilze. In der geschlossenen Grabkammer können sich die Pilzsporen in extrem großer Dichte ansammeln und selbst nach mehr als 2000 Jahren ihr allergisches Potenzial entfalten.

Lord Carnarvon Porträt
Starb kurz nach Entdeckung des Tutenchamun-Grabes: Mäzen Lord Carnarvon

Schimmelpilzsporen an sich sind im allgemeinen harmlos, doch für Menschen mit Vorerkrankungen und Allergien können die Sporen in sehr hohen Konzentrationen gefährlich werden. Von Lord Carnarvon ist bekannt, dass er jahrelang an einer Lungenerkrankung litt, seine am Ende tödliche Lungenentzündung könnte durch die Schimmelpilze befördert worden sein. Auch die Lungenstauungen, an denen einige weitere Opfer, wie George Gould, La Fleur und Georges Bénédite gestorben sein sollen, lassen sich mit der Hypothese Stenger-Philippes vereinbaren. Howard Carter selbst hat den Grabfund noch 17 Jahre überlebt, allerdings soll er bis zu seinem Lebensende noch an Schlaf- und Gleichgewichtsstörungen gelitten haben. Symptome, die auch der polnische Mikrobiologe Smyk zeigte.

Dass der "Fluch des Pharao" selbst das Fernsehteam der Terra-X-Dokumentation nicht verschont hatte, sollte erst Jahre nach der Ausstrahlung von 1986 ans Licht treten. Autor und Kameramann Eberhard Thiem, im Rahmen verschiedener Ägyptenfilme auch im Grab es Tutenchamun gedreht hatte, bekam plötzlich Probleme mit der Atmung. Nach vielen Untersuchungen stellte sich heraus, dass sich ein Pilz in seiner Lunge verkapselt hatte, weshalb ein Teil des Organs entfernt werden musste.

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