Der "Fürst der Ärzte"

Universalgenie Avicenna

Johannes Mayers Recherche beginnt in Europa, im Benediktinerkloster Admont in der Steiermark. Die Mönche hüten 200.000 Bücher, einen unermesslichen Schatz. Die ältesten stammen aus dem 8. Jahrhundert. Dort trifft er auch auf Spuren des Universalgelehrten Avicenna.

Für den Würzburger Gelehrten gibt es wohl kaum einen spannenderen Ort. Mayer ist ein Bücher-Jäger und Handschriften-Detektiv. Seit zwanzig Jahren fahndet er in Europas Bibliotheken nach Spuren vergessenen Heilwissens. Er ist davon überzeugt, dass die Kenntnisse der großen Ärzte aus alter Zeit uns noch heute helfen können.

Geheimnisvolle Buchrücken

Der Bibliothekar verrät nur wenigen Besuchern ein Geheimnis: Hinter manchem Buchrücken verbirgt sich auch ein versteckter Gang. Er führt zu besonders seltenen Schriften, unerreichbar für jeden Unbefugten. Kaum eines der Bücher ist jünger als 150 Jahre.

Brachliegendes Wissen

Johannes Mayer ist Mitglied der "Forschergruppe Klostermedizin", die mit einem klaren Auftrag gegründet wurde: verschütt gegangene Kenntnisse über die Heilkraft der Pflanzen wieder aufzuspüren, um neue Medikamente zu entwickeln. Wissen aus einer Zeit, in der die Menschen noch näher in und mit der Natur lebten. Die einzig wirksamen Arzneien waren pflanzlicher Herkunft.


Selbst ein König konnte noch so viele Berater um sich scharen - zuletzt hing seine Gesundheit von den Empfehlungen der Mönche ab, die auf Heilkunde spezialisiert waren. Erfahrungswissen, das heute brachliegt.

In einem Hochsicherheitsbereich, geschützt durch ein komplexes Alarmsystem, befindet sich der kostbarste Besitz des Klosters. Handschriften und Frühdrucke mit einem Versicherungswert von über 100 Millionen Euro. Ihr wahrer Wert ist nicht zu ermessen, zahlreiche Unikate sind darunter, wie das Werk Galéns, des berühmtesten Arztes der Antike.

"Kanon der Medizin"

Johannes Mayer interessiert sich am meisten für das Werk eines persischen Gelehrten: Avicenna, bekannt als "Fürst der Ärzte". Schon zu Lebzeiten, vor 1000 Jahren, galt er als einer der größten Philosophen. In seinem "Kanon der Medizin" beschreibt Avicenna lückenlos die Heilkunde der Alten Welt, das Wissen um die Heilkräfte der Natur.

Bis heute bewundert

Avicennas Kanon wurde früh ins Lateinische übersetzt. Für ein halbes Jahrtausend blieb es Standardwerk an allen Universitäten. Im Orient gelten viele seiner Lehren bis in die heutige Zeit. In welchem Mischungsverhältnis stehen die Kräuter eines Arzneitrunks? Welchen Nerv muss der Arzt zur Schmerzlinderung betäuben? Fragen wie diese beantwortete niemand so kenntnisreich wie der "Fürst der Ärzte".


"Das Studium der Medizin fiel mir leicht", schreibt Avicenna selbstbewusst. "Ich beendete es im Alter von 16 Jahren. Bald darauf suchten zahlreiche berühmte Ärzte mich auf, um meinen Rat zu hören". Avicenna brauchte nur wenig Schlaf. Die Nächte verbrachte er in den Bibliotheken der Kalifen und Könige, die seine Dienste als Leibarzt in Anspruch nahmen. Er las jedes verfügbare Buch - aus allen Wissensgebieten. Und schrieb nebenbei selbst dutzende Werke. Ein Universalgenie - im Orient bis heute bewundert.

Und doch stößt Johannes Mayer in Avciennas "Kanon" auf Widersprüche und Rätsel. So heißt es über den Weihrauch: "Er nützt dem Verstand und stärkt ihn". Diese Wirkung ist in Europa unbekannt. Viele der beschriebenen Pflanzen wachsen nur in Avicennas Heimat: Der so genannte "Teufelsdreck", Asa Foeditae, helfe bei Erkrankungen der Atemwege. Eine heute vergessene Arznei des Mittelalters? Ein ganzes Kapitel ist dem Rhabarber gewidmet. Entfaltet er Heilkräfte, die wir nicht mehr kennen? Oder wurde Avicenna falsch verstanden? Begriffe wie "Sene de Mecha" stammen nicht aus dem Lateinischen. Was ist gemeint? Es gibt nur einen Ort, an dem Johannes Mayer Antworten finden kann. In Persien, dem heutigen Iran.

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