Der furchtsame Kaiser

Verfolgungswahn und Todesangst des Despoten

Der Zorn des unterdrückten Volkes richtet sich gegen seinen Herrscher, den Erhabenen Kaiser von China. Hinter jeder Ecke, in jedem Winkel fürchtet der Despot den Tod. Angsterfüllt zieht er sich in seinen Palast zurück, doch selbst hier fühlt er sich nicht mehr sicher.

Niemand außer seinen engsten Beamten erfährt, wo er sich aufhält. In seinem Inneren kämpft die panische Angst zu sterben gegen den Anspruch göttlicher Macht. Einem Gott gleich beherrscht er "alles unter dem Himmel". Einem Gott gleich will er unsterblich sein.

Elixier ewigen Lebens

Alchemisten aus dem ganzen Reich versprechen ihm Unsterblichkeit. Es ist ein einträgliches Geschäft, denn der Kaiser verschleudert Unsummen an die brodelnden Alchemistenküchen. Da wirksame Resultate nicht zu erwarten sind, verlegen sich erfinderische Geschäftemacher auf die mystisch inszenierte Präsentation von Wundermitteln. Das größte Aufsehen erregt eine Flüssigkeit, aus der man angeblich Gold gewinnen kann - Quecksilber. Ob dem Kaiser der hochgiftige Stoff verabreicht wurde, ist nicht bekannt.


Erwähnt wird die Substanz aber in einem anderen Zusammenhang: Glaubt man der Chronik des Sima Qian, die etwa 100 Jahre nach dem Tod Qin Shi Huangdis entstand, ist das Grab des Kaisers eine Miniaturnachbildung seines Herrschaftsgebietes: "Alle Flüsse des Reiches waren in Quecksilber nachgebildet und flossen mechanisch angetrieben in einen Ozean." 2000 Jahre, nachdem diese Zeilen verfasst wurden, ergaben Bohrungen im Grabhügel, dass hier tatsächlich ungewöhnliche Konzentrationen an Quecksilber zu finden sind.

Die letzte Reise des Ersten Kaisers

Im Jahre 210 vor Christus bricht der inzwischen 50-jährige Qin zu einer Inspektionsreise auf. Trotz seiner Todesangst will er in den Unruheprovinzen seine Macht demonstrieren. Bis zu 60.000 Soldaten schützen das Leben des Kaisers, den jedoch kein Untertan zu Gesicht bekommt. Er verbirgt sich in seinem geschlossenen Reisewagen, von denen gleich mehrere auf unterschiedlichen Wegen mitgeführt werden. Niemand weiß, in welchem sich der Herrscher befindet. Der Wagen aus Bronze und Gold kann von außen nicht geöffnet werden, nur durch ein winziges Fenster dringt Frischluft hinein.



In einer Sommernacht herrscht reges Treiben um den Reisewagen des Kaisers. Mitten im Pulk befinden sich Chefeunuch Zhao Gao und Kanzler Li Si. Nachdem sie die Wachsoldaten vom Wagen entfernt haben, wissen sie und einige hohe Beamte, dass Qin Shi Huangdi, der Erste Kaiser von China tot ist. Aus Furcht um einen Machtkampf in der Hauptstadt halten sie das Ableben des Erhabenen geheim. Sie selbst wollen die Nachfolge bestimmen.

Eine faule Geschichte

Der Weg zurück in die Hauptstadt gerät zu einem absurden Schauspiel. Niemand soll erfahren, dass der Erhabene Herrscher nicht mehr unter den Lebenden weilt. Doch der Leichnam beginnt zu stinken. Um den Verwesungsgeruch zu überdecken, beordern die Verschwörer einen neuen Wagen ins Gefolge beladen mit verfaulendem Fisch - das unrühmliche Ende eines Kaisers, der Unsterblichkeit erlangen wollte und dessen Herrschaft zwei Millionen Menschen das Leben kostete.


210 vor Christus wird Chinas Erster Kaiser zu Grabe getragen. Auf Befehl des Thronerben müssen alle Konkubinen des Ersten Kaisers, die ihm keine Kinder geboren haben, dem Toten in die Gruft folgen. Sein Tod bedeutet das Ende einer Epoche, sein Werk aber überdauerte Jahrtausende. Noch heute bestimmt die Ideologie eines alles regelnden Beamtenstaates die Politik. Und erst langsam verändert sich eine Gesellschaft, in der Konformität und Gehorsam alles, das Individuum jedoch nichts bedeutet.

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