Der "goldene Apfel" fällt

Das christliche Konstantinopel wird islamisch

Auf dem heutigen Gebiet der Türkei lebt vor 700 Jahren ein Fürst mit Namen Osman. Seine Vorfahren sind Reiternomaden aus den Steppen Innerasiens. Sie haben den islamischen Glauben angenommen und beherrschen bald den kleinen Landstrich.

Osman, so erzählt die Legende, hat ein beunruhigendes Erlebnis. Der Todesvogel, ein Geier, kreist über seinem Kopf. Er sucht Rat, so erzählt die Legende weiter, bei einem islamischen Weisen. Der deutet das Omen als ein glückliches Zeichen, als Zeichen künftiger Größe. Denn die Schwingen des Geiers symbolisieren Asien und Europa - Erdteile über die Osmans Nachfahren einst herrschen werden.

Residenz christlicher Herrscher



An der Nahtstelle der Kontinente liegt Istanbul. Zu Zeiten Osmans heißt die Stadt noch Konstantinopel. Die Metropole am Bosporus ist die Residenz christlicher Herrscher. Gewaltige Mauern schützen die größte Stadt der Christenheit. Zeugnis der glanzvollen Epoche ist die Kirche Hagia Sophia - die Heilige Weisheit. Symbol für den Anspruch der Kaiser von Konstantinopel, Hüter des wahren Christentums zu sein. Bis zur Errichtung des Petersdoms über 1000 Jahre später ist diese Kirche der größte Kuppelbau der Welt.

Konstantinopel ist Jahrhunderte lang der kulturelle Gipfelpunkt Europas. Seit dem 6. Jahrhundert, bis zum Aufstieg von Paris und London, ist Konstantinopel die bedeutendste Stadt in Europa überhaupt - und bei weitem die reichste. Nur wenige Gegenstände aus den Schatzkammern der Kaiserpaläste und Kirchen haben die Zeiten überdauert. Belege für die Erlesenheit der Kultur Konstantinopels. Doch Mitte des 15. Jahrhunderts sind die Tage der Stadt gezählt.

Schwere Kanone als Trumpf

Die Nachfolger Osmans sind zu mächtigen Herrschern im Orient aufgestiegen. Vor allem Sultan Mehmet will den "goldenen Apfel", wie die Osmanen Konstantinopel nennen, pflücken. Mit einer Kriegsmaschinerie, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Der Trumpf des Sultans: eine acht Meter lange Kanone aus tonnenschwerem Bronzeguss. Was Mehmets Vorfahren schon mehrfach versucht haben, soll mit einem Schlag Wirklichkeit werden.


Der christliche Kaiser von Konstantinopel hat Hilfsgesuche an die Mächte Europas geschickt. Er braucht Soldaten und Schiffe, aber sein Gesandter kehrt mit schlechten Nachrichten zurück. Die Christen von Konstantinopel können jetzt nur noch auf sich selbst und auf die mächtigen Mauern der Stadt vertrauen. Im Computer lässt sich rekonstruieren, wie die Mauer Mitte des 15. Jahrhunderts aussah: Über einem breiten Wassergraben erheben sich nicht weniger als drei hintereinander gestaffelte Wälle. Ein massiver Mauerring, der auf 20 Kilometer die Stadt umschließt. Ein Bollwerk, das Konstantinopel bislang verlässlich vor allen Angreifern geschützt hat.

Modernste Militärtechnik

Doch im April 1453 ist alles anders. Das osmanische Heer verfügt über die modernste Militärtechnik der Zeit. Ein militärisches Ungleichgewicht, das nicht ohne Folgen bleibt: Dem gigantischen Geschütz des Sultans ist auch die mächtige Mauer auf Dauer nicht gewachsen.




Doch noch ist Konstantinopel nicht wehrlos. Hinter dem vorderen Bollwerk liegen weitere Verteidigungswälle, gegen die das Heer des Sultans vergeblich anrennt. Doch ein Zufall kommt den Angreifern zu Hilfe. Ein osmanischer Soldatentrupp entdeckt eine vergessene Pforte im Festungswerk. Plötzlich tauchen die Feinde im Rücken der Verteidiger auf, es entsteht Panik. Viele Verteidiger verlassen ihre Posten auf den Mauern und werfen sich dem kleinen Stoßtrupp entgegen. Ein tödlicher Fehler: Konstantinopel fällt.

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