Der große Bluff

Wie Gunther durch einen Trick Brünhilds Hand erringt

Kurz nachdem Siegfried und Kriemhild in Liebe entbrannt sind, verfällt auch Gunther einer königlichen Frau. Doch sie zu gewinnen, ist keine leichte Aufgabe. Denn die Rede ist von Brünhild aus dem fernen Island. Aus heutiger Sicht ein Weib vom Typ Amazone, das jeden Bewerber tötet, der ihr in einer dreiteiligen Eignungsprüfung unterliegt. Dem schwachen Gunther gelingt dies nur mit Hilfe eines Betrugs.

Nach sechs Wochen Vorbereitung machen sich Gunther, Siegfried, Hagen und sein Neffe Dankwart über den Rhein auf den Weg nach Burg Isenstein im fernen Norden. Der Königssohn aus Xanten will dem Herr der Burgunden helfen, die schöne Wilde zu freien. Offensichtlich kennt er Brünhild aus vergangenen Tagen und weiß von ihrer sagenhaften Stärke. Dafür erhält Siegfried das Versprechen, Kriemhild heiraten zu dürfen.

Mit Tarnkappe und Siegfrieds Kraft

Brünhild begrüßt den blonden Hünen zuerst. Sie glaubt und hofft vielleicht sogar, er wolle um ihre Hand anhalten. Der Angesprochene aber gibt ihr gleich zu verstehen, er sei nur ein Vasall von Gunther. Mit der legendären Tarnkappen-List gelingt es dem verliebten Herrscher vom Rhein, die hochmütige Fürstentochter im Speerwerfen, Steinschleudern und Springen zu bezwingen. Einer Hochzeit steht nichts mehr im Wege. Doch die Isländerin zögert die Reise nach Worms hinaus.

Wieder tritt Siegfried in Aktion. Er eilt heimlich ins Land der Nibelungen, das er zuvor schon besiegt hatte. Er kämpft am Berg, in dem der Nibelungenschatz verborgen liegt, gegen einen Riesen und zwingt den grimmigen Zwerg Alberich, ihm die 1000 besten Recken mitzugeben. So gerüstet kehrt der Held nach Island zurück. Die Drohgebärde verfehlt nicht ihre Wirkung. Obwohl in den Versen immer wieder das Unheil durchklingt, das die Verbindung zwischen Brünhild und Gunther hervorrufen wird, erfüllt die Besiegte ihr Versprechen.

Fiasko in der Hochzeitsnacht

Die zehnte Aventüre gehört zweifellos zu den erotischsten Geschichten im Epos: Darin erfährt Brünhild während des Hochzeitsmahls, dass Siegfried selbst ein König ist und kein "Eigenhold" von Gunther. Die Isländerin kann die Tränen der Verzweiflung und des Hasses nicht zurückhalten. Spätestens jetzt ist klar: Brünhild liebt Siegfried und tobt innerlich vor Eifersucht. Folgerichtig wird die "Minnenacht" für Gunther zum Fiasko. Das "Teufelsweib" will sich so lange nicht verführen lassen, bis er ihr die ganze Wahrheit über Siegfried erzählt. Doch der Burgundenkönig schweigt. Als er hartnäckig ihre Unschuld begehrt, bindet Brünhild ihrem Angetrauten kurzerhand Hände und Füße zusammen, packt ihn brutal und hängt ihn an einem Haken an die Wand.

Gunther am Haken Quelle: ZDF

Die sehnsüchtigen Körper von Siegfried und Kriemhild hingegen finden in zärtlicher Liebkosung zueinander. Ihr Glück scheint perfekt. Als Gunther seinen Freunden Hagen und Siegfried am nächsten Morgen von seiner Schmach berichtet, verspricht ihm der "Degen aus Xanten" erneut, die Sache für ihn zu regeln. Die Tarnkappe muss erneut herhalten, um Gunthers Gemahlin zu bezwingen. Das Frauenzimmer wehrt sich mit aller Gewalt, er zerreißt ihr das Hemd, sie schmettert ihn gegen die Wand. Voller Zorn wirft sich Siegfried auf sie, bis die Kemenate wackelt. Als er ihr nach stundenlangem Ringen die Jungfernschaft genommen hat, versiegen Brünhilds zaubergleiche Kräfte für immer. Übermütig nimmt Siegfried ihren goldenen Ring und den Gürtel an sich. Doch die Trophäen sollten ihm kein Glück bringen.

Zurück nach Xanten

Schon bald darauf verlassen Siegfried und Kriemhild den Hof zu Burgund in Worms. Zuvor schwören sich Gunther, Gernot, Giselher und Siegfried ewige Treue - ein Bündnis fürs Leben. Kriemhild bekommt ihren Erbteil an Ländereien und Personal. Als der frisch gebackene Ehemann und Kriemhild in Xanten eintreffen, werden sie herzlich und unter großem Jubel empfangen. Neben dem privaten Glück stellt sich auch Erfolg ein: Siegfried erhält die Königswürde, sein Vater tritt ihm zuliebe ab.

Kriemhild gebärt einen Sohn, den das Paar Gunther tauft, und auch Brünhild in Burgund kommt mit einem Thronfolger nieder. Sie nennt ihn Siegfried. Scheinbar eine Idylle, wäre da nicht der plötzliche Tod seiner Mutter Königin Siegelind sowie die kritische Bemerkung des Autors, dass sich Siegfried zum hochmütigen und gefürchteten Regenten entwickelt habe. (Aventüren 5-11)

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