Der große Naturaustausch

Das Jahr 1492 markiert einen weltökologischen Wendepunkt

Nachdem die iberischen Eroberer riesige Vize-Königreiche vor allem in Mittel- und Südamerika und im Südwesten Nordamerikas in Besitz genommen hatten, verfolgten andere europäische Nationen wie Frankreich, die Niederlande und England Gründungen neuer Besitztümer an der Ostküste Nordamerikas. Beide Einwanderungswellen wurden begleitet von einem Austausch von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen, wie er in der Geschichte einmalig ist.

Ankunft der Siedler in Nordamerika
Ankunft der Siedler in Nordamerika

Nach mehreren vergeblichen Versuchen, an der Ostküste sesshaft zu werden, gelingt es im April 1607 den Besatzungen von drei englischen Schiffen, in die Chesapeake Bay einzulaufen. Bereits am 14. Mai gründen die Kolonisten am James River ihre erste Siedlung: Jamestown. Der Ort liegt im Landesinneren. So vermeiden die Neuankömmlinge zunächst Konflikte mit den Spaniern an der Küste. Dafür geraten sie bald mit den ansässigen Indianern vom Stamm der Pasapegh, die zu der mächtigen Powhatan-Konföderation gehören, in Auseinandersetzungen. Sie müssen ein Fort errichten und können sich nur dank der Nachschublieferungen per Schiff behaupten.

Columbian Exchange

Weder Gold noch Silber hat das Land, das heute zum US-Bundesstaat Virginia gehört, zu bieten. Dafür eignet es sich hervorragend für die Landwirtschaft und den Fischfang. Von Anfang an ist klar: Die Siedler wollen bleiben. Sie wollen das neue Land nutzen, aber nach gewohnten europäischen Methoden. Jedes Schiff bringt neue Kolonisten, auch Frauen. Immer dabei: Geräte, Haustiere und Saatgut aus der Heimat. Damit beginnt auch im Norden, was Jahrzehnte zuvor bereits im Süden begann: eine gigantische ökologische Revolution. Ausgebüchste Haustiere und mitgeschleppte "Schädlinge" verwildern. Pflanzensamen von Löwenzahn und anderen Kräutern gelangen unbeabsichtigt mit der Aussaat ins Freie.

Die einheimische Fauna und Flora gerät in Bedrängnis, wenngleich es kaum zu vollständiger Ausrottung durch die fremden Arten kommt. Umgekehrt werden in Amerika heimische Nutzsorten nach Europa verfrachtet und dort angebaut wie etwa die Kartoffel aus Südamerika oder Mais. Auf diesem Weg gelangen wiederum unerwünschte Begleiter wie der Kartoffelkäfer in die Alte Welt - ein bis dahin nie dagewesener biologischer Austausch, den die Welt Christoph Kolumbus zu verdanken hat und der daher "Columbian Exchange" genannt wird. Das hat auf beiden Seiten des Atlantiks zu tiefgreifenden ökologischen Veränderungen geführt.

Bedenkenloser Kahlschlag

Keinesfalls hat die ökologische Revolution in Amerika ein vom Menschen unberührtes Paradies getroffen. Diesen Zustand hatten bereits die ersten Einwanderer nach der letzten Eiszeit "behoben". Die meisten Großsäuger mit Ausnahme von Bison, Wapiti und Elch waren durch Bejagung oder klimatische Veränderungen bereits verschwunden - mit allen Folgen für andere Tierarten und die Flora. Auch die Indianer hatten Brandrodung betrieben und große landwirtschaftliche Nutzflächen angelegt. Allerdings haben sie im Wesentlichen nur für den eigenen Bedarf angebaut, gejagt und gesammelt. Überschussproduktion für Handel und Export betrieben die Indianer nur sehr begrenzt.
Ganz anders die Europäer. Ihre Methoden der Ressourcenausbeutung zeigt sich besonders am Umgang mit dem Wald und seinem Holz. Holz ist in der Alten Welt heiß begehrt, weil dort bereits im unerschütterlichen Glauben an die Unerschöpflichkeit der Natur riesige Waldflächen weggeschlagen worden sind und die Nutzung der Restbestände vielerorts strengem Reglement unterworfen ist. Das lässt die Kolonisten jedoch nicht zögern, in der Neuen Welt die alten Fehler zu begehen. Sie schlagen ungeheure Holzmengen ein - für den eigenen Gebrauch als Bau- und Heizmaterial, aber auch als gewinnbringenden Exportartikel. Auf Überschussproduktion und Wachstum beruht das Wirtschaftssystem der westlichen Welt bis zum heutigen Tag.

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