Der heilige Bezirk von Cahokia

Erste Metropole Nordamerikas wächst heran

Zeitgleich mit dem Entstehen der Effigy Mounds verbreitet sich an den Ufern des Mississippi ein Architekturstil, der die Phantasie der Menschen weitaus weniger beflügelt. Auf der Höhe der heutigen Stadt St. Louis gründet ein Indianerstamm um 700 nach Christus Cahokia.

Das Zentrum liegt südlich des Zusammenflusses von Missouri und Mississippi. Für die Halbnomaden eine paradiesische Landschaft - mit reichem Wildbestand, ausgedehnten Feuchtgebieten und fruchtbaren Böden für den Ackerbau.

Eine Stadt wächst heran

Zum Dank errichten die Bauleute einen Tempelhügel für die Schutzgeister. Rasch wächst rund um den heiligen Bezirk eine Stadt heran. Cahokia gilt als erste Metropole Nordamerikas. Im Zentrum die Plaza. Treffpunkt für rituelle und profane Veranstaltungen jeder Art. Unmittelbar an den Hauptplatz grenzt das größte von insgesamt 120 Erdwerken - eine pyramidenförmige Anlage, in Stufen hochgezogen. Eine Premiere in der indianischen Geschichte der Architektur - verblüffend ähnlich den berühmten Bauten der Maya und Azteken. Der Monks Mound ist die mächtigste Konstruktion ihrer Zeit in ganz Amerika. Die Grundfläche von 250 mal 300 Metern übertrifft sogar die der Cheopspyramide im fernen Ägypten.

Um 1050 nach Christus boomt Cahokia. Die Bevölkerung wächst an auf 20.000 Menschen. Das schachbrettartige Zentrum gleicht einer Tempelstadt in Mittelamerika, die um 750 nach Christus aufgegeben wurde. Die religiöse Metropole Teotihuacan, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Mexiko City, gilt unter Kennern als mögliches Vorbild. Wahrscheinlich drangen Nachrichten von der Hochkultur dort über Handelswege bis an den Mississippi.

Anziehungskraft ungewiss



Gesichert sind die Bauphasen der Pyramiden von Cahokia. In den unterschiedlichen Asche- und Trümmerschichten diagnostizierten die Archäologen bis zu 14 Abschnitte. Die Tempel- und Herrenhäuser wurden immer wieder verbrannt und im Anschluss mit Erde zugeschüttet. So bewirkten die Architekten eine Erhöhung der Pyramide, auf die sie neue Häuser und Tempel setzten. Experten vermuten darin einen rituellen Akt zum Beginn einer neuen Dynastie.


Bill Iseminger, Archäologe: "Bei unseren Grabungen am Monks Mound haben wir eine kleine Sandsteinplatte gefunden - circa zehn Zentimeter groß, die auf einer Seite eine Ritzzeichnung von einem Mann zeigt, der eine vogelartige Maske mit gebogenem Schnabel trägt und einen Flügel hochhält, wie bei einem Tanzschritt. Wenn man solche Fundstücke deutet, dann verkörpert der Vogel die überirdische Welt - das Reich der Götter. Der Mann verkörpert die irdische Welt. Und die Rückseite, die kreuzweise Kerbung, stellt Schlangenhaut dar, beziehungsweise die Kreaturen der Unterwelt."
Ob eine religiöse Idee oder ein charismatischer Führer Cahokia zur Mega-City anwachsen ließ, bleibt im Dunkel. Denkbar ist, dass der Schutz, den die Stadt bot, die Menschen aus der Wildnis wie ein Magnet anzog.

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