Der Held von Italien

Ein Mythos wird geboren

Napoleons schriftstellerisches Vermächtnis von St. Helena ist bis heute ein Geheimnis der Geschichte geblieben. Es beginnt mit der Erinnerung an die bescheidene Herkunft - als Sohn eines kleinen Landadligen von der Insel Korsika.

Erst mit neun Jahren verlässt der junge Napoleone Buonaparte seine Heimatinsel. Der Vater schickt ihn auf die Militärschule von Brienne. Dort wird er wegen seines korsischen Akzents gehänselt. Doch der Außenseiter setzt sich schnell durch. Unter den Kadetten fällt er nicht nur wegen einer ungewöhnlichen Begabung in Mathematik auf. Der junge Buonaparte kann sich nur schwer unterordnen. Seine Lehrer urteilen: "Korse von Geburt und Charakter, wird es dieser junge Mann weit bringen."

Mystische Verbindung


In der Militärschule Saint-Cyr in der Bretagne wirkt die geradezu mystische Verbindung zwischen Soldaten, Offizieren und ihrem Feldherrn Napoleon bis heute. Jedes Jahr erinnern die Kadetten an das Vorbild, dessen Geist hier lebendig ist. "Meine Devise hieß immer: vor allem anderen: Frankreich." Doch die Kadetten lernen auch, dass sich hinter dem Bild des charismatischen Führers ein genialer Stratege und Feldherr verbarg. Bis heute steht der erste Feldzug Napoleons auf dem Stundenplan. Ein Lehrbeispiel moderner Kriegsführung.

1796 übernimmt Bonaparte den Befehl über das kleine französische Heer. Nach jahrelangem Krieg fehlt es an Disziplin und Ausrüstung. In seinem Hauptquartier in Nizza entwickelt der neue Kommandant einen Plan, der die zerlumpten Einheiten zu einer schlagkräftigen Angriffsarmee formen soll. Sie tritt an zu einem Feldzug, mit dem Napoleon zum ersten Mal die Landkarte Europas verändert. An der Grenze Italiens sammelt er seine Truppe. Jenseits der Berge wartet der Feind - die Armeen Österreichs und seiner Verbündeten.

Revolutionäre Kriegsführung

Die Art und Weise, wie Napoleon diesen überlegenen Gegner angreift, hat die Kriegsführung revolutioniert. Nach seinem Vorbild haben 1940 die deutschen Streitkräfte Frankreich mit ihren Panzern und die Amerikaner im Golfkrieg von 1991 die irakische Armee besiegt. Er spaltet mit ungekanntem Tempo die schwerfällige Armee des Gegners. Wo er angreift, ist er in Überzahl. Und er greift mit aller Macht ständig an, gewinnt vier Schlachten in vier Tagen. Der Feldherr selbst steht mitten im Kugelhagel. So behauptet die Legende.

In den Ebenen Norditaliens wird der Mythos Napoleon geboren. Er selbst arbeitet nach Kräften daran. Er lässt sich malen, über sich in Armeezeitungen schreiben und in Gedichten preisen. Die Botschaft an die gebeutelte Nation: Hier ist nicht nur ein erfolgreicher General - hier ist ein Held, der erst am Anfang seiner Karriere steht.

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