Der Himmel über Bethlehem

Gab es einen Weihnachtsstern?

Zu Jesu Geburt, so heißt es in der Bibel, soll ein auffälliges Zeichen am Himmel erschienen sein. Ein hell strahlender Stern habe sich über dem Stall von Bethlehem gezeigt und den Weisen aus dem Morgenland den Weg zum neugeborenen Heiland gewiesen. Wie viel Wahrheit steckt in dieser Geschichte? Ist der geheimnisvolle Stern ein Mythos oder gab es ihn tatsächlich?

Der Himmel über Bethlehem (Animation)
Der Himmel über Bethlehem (Animation) Quelle: dpa

Auf vielen Gemälden erscheint der Stern von Bethlehem mit einem langen Schweif. Die Darstellung ähnelt einem Kometen, einem Phänomen, das seit jeher Aufmerksamkeit erregt. Astronomen in aller Welt interpretierten Kometen über Jahrtausende als besondere Botschaften des Himmels und dokumentierten akribisch jede Spur. Kann die Ankündigung des Himmels ein solcher Schweifstern gewesen sein?

Halleys Entdeckung

Im Reich der Mitte hatte man zu allen Zeiten ein wachsames Auge auf den Sternenhimmel. Bis heute schätzen Wissenschaftler die zuverlässigen Himmelsbeobachtungen der chinesischen Hofastronomen. Ihre Chroniken zeigen: Auch zur Zeitenwende war ein Komet zur Erde unterwegs.

Im 17. Jahrhundert wurde der englische Astronom Edmond Halley auf einen besonders hellen Kometen aufmerksam. Fasziniert von der Erscheinung sammelte er alle verfügbaren Aufzeichnungen über die Schweifsterne. Als er nach Gemeinsamkeiten in ihrem Verhalten suchte, stieß er auf drei Kometen, deren Beschreibungen fast identisch waren. Sie erschienen in den Jahren 1531, 1607 und zu Halleys Lebzeiten, 1682, am Himmel. Alle drei Erscheinungen trennte ein Abstand von 76 Jahren. Halley wurde dadurch klar: Es war immer derselbe Komet und sein Erscheinen war vorhersagbar.

Wann wurde Jesus geboren?

Der nach ihm benannte Halley'sche Komet zog auch schon im Jahr 12 vor Christus in Erdennähe vorbei. Ist er der Stern von Bethlehem gewesen? Eine historische Tatsache spricht dagegen: Jesus wurde nicht genau im Jahre Null geboren. In der Bibel gibt es Hinweise auf sein Geburtsjahr: Maria und Joseph kommen kurz vor der Geburt zu einer Steuerschätzung nach Bethlehem. Eine solche Schätzung fand im Jahr 8 vor Christus statt.

Ein weiteres Indiz ist die Herrschaft des König Herodes. Alle vier Evangelien bezeugen, dass die Geburt Jesu in seine Herrschaftszeit fällt. Wie ein jüdischer Geschichtsschreiber verzeichnet, stirbt Herodes im Jahr 1 vor Christus. Zu Jesu Geburt war der Komet Halley also längst wieder vorbeigezogen. Warum die Künstler ab der Renaissance den Stall von Bethlehem dennoch meist mit einem geschweiften Stern darüber malten, liegt vermutlich an Giotto di Bondone, der diese Tradition mit dem Fresko "Anbetung der Könige" begründete. Er hatte den Halley'schen Kometen kurz zuvor, im Jahr 1301, mit eigenen Augen gesehen. Dieses Erlebnis könnte ihn sehr beeindruckt haben.

Göttliche Himmelskörper

Es gab also keinen Weihnachtsstern, der den weisen Männern aus dem Morgenland - so beschreibt sie die Bibel - hell wie ein Neonlicht den Weg angezeigt hätte. Forscher vermuten heute, dass die sagenumwobenen Weisen einer babylonischen Kaste von Priestern entstammten, die gleichzeitig Sterndeuter waren. Denn für die Babylonier waren die Sterne und Planeten Lichtwesen aus dem Reich der Götter. Um den Götterwillen zu entschlüsseln, studierten sie den nächtlichen Himmel mit verblüffender Genauigkeit.

Planeten mit Sternbildern (Animation)
Planeten mit Sternbildern Quelle: ZDF

Die Babylonier teilten das Firmament in zwölf Sektoren ein. In jedem der Himmelsstreifen fassten sie besonders helle Sterne zu Sternbildern zusammen. Im Wechselspiel von Sternzeichen und Planeten lasen die Priester Nachrichten aus der Götterwelt. Aber welche Himmelsbotschaft könnte die gelehrten Männer bewogen haben, nach Bethlehem aufzubrechen und dem Jesuskind zu huldigen? Was erzählte ihnen der Himmel vor 2000 Jahren?

Außergewöhnliche Konstellation

Mithilfe der bekannten Planetenbahnen können Astronomen den Himmel von damals genau rekonstruieren. Tatsächlich findet sich im Jahr 7 vor Christus eine sehr seltene Himmelskonstellation, die nur alle 250 Jahre zustande kommt. Die höchste Gottheit der Babylonier nimmt dabei eine wichtige Schlüsselrolle ein: der Planet Jupiter, den sie als Stadtgott Marduk verehrten. Aus irdischer Sicht ein heller Stern, kündete der König der Planeten die Geburt neuer Herrscher an.

Gaben aus dem Morgenland

Ein anderer Himmelskörper, den die Babylonier mit der Welt um sie herum verknüpften, war der Planet Saturn. Er symbolisierte den König der Juden. Das Sternbild Fische schließlich stand für das Land am Meer: Palästina. Und genau diese Konstellation trat 6 v. Chr. in Erscheinung. Gleich dreimal innerhalb des Jahres trafen sich Jupiter und Saturn im Sternbild Fische.
Für die weisen Männer war das ein eindeutiges Startsignal, dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Nach über 1200 Kilometern erreichten die Sterndeuter den Stall in Bethlehem. Dem Jesuskind, so heißt es in der Bibel, überreichten sie die drei kostbarsten Gaben ihrer Zeit: Gold für strahlende Könige und Herrscher, Myrrhe als wirksames Heilmittel und Weihrauch als Zeichen für den neu geborenen Hohepriester.

Der Weihrauch war eines der begehrtesten Güter der Antike. Er stammt von weit her, aus einem fernen, von Mythen umwobenen Land - jenseits von 3000 Kilometern Wüste. Dort, im Süden Arabiens, auf dem Gebiet des heutigen Oman und Jemen, wachsen Weihrauchbäume. Um Weihrauch zu gewinnen, wird die Rinde an mehreren Stellen verletzt. Harz tritt aus und trocknet etwa zwei Wochen lang, bevor es abgekratzt und weiterverarbeitet wird. Das wohlriechende Harz ist eine Zutat für blutstillende Salben, Zahnpasten und Parfüms und als Räucherwerk dient es der Verehrung der Götter.

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