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Der Homo habilis

Hominiden der Eiszeit

Die nächste Episode der Menschheitsgeschichte ereignet sich vor weniger als drei Millionen Jahren. Und auch für diesen dramatischen Wendepunkt soll wiederum eine Klimaveränderung verantwortlich sein: die große Eiszeit.

An den Polen gefrieren Milliarden Tonnen Wasser zu Eis. Riesige Gletscher breiten sich aus. Der Meeresspiegel sinkt, die Temperaturen fallen und der Regen lässt nach. In dieser Zeit erscheint ein neues Mitglied der weitverzweigten Menschenfamilie auf der Bildfläche: Homo Habilis. In seiner sich ständig verändernden Umwelt überlebt Habilis vor allem, weil er ein größeres Gehirn hat. Er kann besser denken als alle seine Vorgänger.

Genaue Beobachtungsgabe

Für den Habilis sind Krokodile gefährlich, aber sein Fleisch könnte den Clan für Wochen ernähren. Habilis muss sein Glück versuchen - eine solche Chance kann er sich nicht entgehen lassen. Gemeinsam schafft die Gruppe ihre Beute zum Lager. Genaue Beobachtungsgabe ist allen Habilis eigen. Sie versuchen, ihre Umwelt zu verstehen und stellen Zusammenhänge zwischen Ereignissen her: Stein schneidet Stein! Ein scharfer Stein schneidet in die Hand. Wenn ein scharfer Stein in die Hand schneidet, kann er vielleicht auch andere Dinge zerschneiden.

Die junge Habilisfrau wird in ihren Gedanken von der Rückkehr der Männer unterbrochen. Der Clan ist nun im Besitz von mehreren hundert Pfund frischen Fleischs, aber die ledrige Haut gibt den Schatz nicht frei. Die junge Entdeckerin sieht den verzweifelten Versuchen des Chefs zu, schließlich stellt sie den Bezug zu ihrer Beobachtung her. Sie erinnert sich: Ein scharfer Stein schneidet die Hand! Ein scharfer Stein schneidet Haut und Fleisch! Der Anführer ist zunächst verblüfft. Sobald er sich jedoch gefangen hat, beansprucht er das Fleisch für sich - und seine Favoritin.

Der Anführer untersucht den scharfen Stein genau. Ohne es zu wissen, hält der alte Habilis etwas ganz Besonderes in Händen: das erste selbst produzierte Werkzeug. Wichtig ist nicht die Tatsache, dass Habilis überhaupt Werkzeuge einsetzte - auch Affen, ja sogar Vögel verwenden gelegentlich Steine oder Stöcke. Entscheidend ist vielmehr, dass Habilis bereits in der Lage war, Werkzeuge selbst herzustellen.

Der erste große Lernende

Um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, kann sich Habilis bereits eine abstrakte Lösung ausdenken, die er mit Hilfe eines Werkzeugs realisiert. Jede neue Erfindung muss natürlich getestet werden. Und nicht immer glauben die anderen sofort an den Vorteil einer Innovation. Gelegentlich ist Überzeugungsarbeit zu leisten. Aber Habilis ist der erste große Lernende. Erfolgreiche Werkzeuge oder Verhaltensstrategien können an andere weitergegeben werden. So wird Erfolg reproduzierbar. Eine Kettenreaktion ist in Gang gesetzt. Ein Erfindung zieht eine andere nach sich. Nichts scheint den technologischen Fortschritt mehr aufhalten zu können. Reicht die Kraft eines Einzelnen nicht aus, arbeiten alle zusammen.

Auch gemeinschaftliche Projekte sind zum ersten Mal bei Habilis nachgewiesen. Für sinnvolle Zusammenarbeit ist allerdings eine detaillierte Verständigung notwendig. Eine einfache Sprache erleichtert das Miteinander. Allerdings klappt die Verständigung nicht immer optimal. Auch Auseinandersetzungen können vielleicht schon rein "verbal" ausgetragen werden. Habilis und seine Sippe bauen bereits einfache Unterstände aus Ästen. Dienen die Konstruktionenen ganz profan als Sonnenschutz, oder wollen die ersten Architekten mit ihrer Arbeit die Geborgenheit der Baumwipfel auf den Erdboden bringen?

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