Der Jahrhundert-Fund

Schliemanns Erben - Das Gold von Tuva

Die meisten Hügel in Tuva weisen seltsame Trichter auf, denn seit über 2.000 Jahren machen Grabräuber Jagd auf ihren Inhalt. Sie haben es auf das sagenhafte Gold der Skythen abgesehen, über das schon Herodot schrieb. Mit den Grabbeigaben verschwand auch das Wissen über das Reitervolk der Skythen.

"Pyramiden der Steppe"

Der neue Präsident des Deutschen Archäologischen Instituts, Hermann Parzinger, ist den Rätseln der Kurgane schon lange auf der Spur.


Angesichts des riesigen Gräberfelds im "Tal der Könige von Tuva" wagt er gar den Vergleich mit Ägypten und bezeichnet die monumentalen Grabkurgane als die "Pyramiden der Steppe", denn sie sind nicht einfach aufgeschüttet, sondern regelrecht aufgebaut. Doch einen Grabschatz, wie den des Tut-Ench-Amun, haben die Archäologen bisher vergeblich gesucht. Hier verblasst der Vergleich mit der Goldpracht der Pharaonen.

Suche nach der Stecknadel

Die Grabhügel der Skythen sind wie mächtige Steinstelen. Seit 300 Jahren interessieren sich Altertumsforscher für diese versunkene Welt. Bei der Fahndung nach den Schätzen der skythischen Kultur setzten die Archäologen immer wieder den Spaten an. Es ist die Suche nach der Stecknadel in den Weiten des südlichen Sibiriens. Doch in Tuva geschah im Sommer 2001 während einer deutsch-russischen Gemeinschaftsgrabung an einem Steinkurgan das Unglaubliche: Unter den schweren Platten wurden Spuren einer Grube entdeckt. Amateuraufnahmen dokumentierten diese archäologische Sensation.

Versunkene Pracht

Die Holzkonstruktion entpuppte sich als eine kunstvoll gefertigte, ungestörte Doppelkammer. Es war das erste Grab hinter dem Ural, das intakt und nicht geplündert war. Durch die Ritzen schimmerte es golden, sogar Ornamente waren zu erkennen. Ein Videokamera offenbarte den ganzen Reichtum wie in einem Pharaonengrab: goldene Beigaben überall. In die erste Freude der Archäologen mischte sich Sorge, denn Gold weckt Begerlichkeiten. Im Schutz der Kalaschnikow gingen die Forscher an die Bestandsaufnahme des Sensationsfundes. Am Ende sollten sie über 9.300 Goldobjekte zählen, darunter Kunstwerke von unschätzbarem Wert. Zum ersten Mal seit 2.500 Jahren sahen Menschen wieder die versunkene Pracht eines skythischen Fürstengrabs.

Fürstliche Grabkammer

Im Tal der Könige liegen die Grabkurgane der Skythen wie an einer Perlenkette aufgereit. Der allerletzte im Tal sollte den Archäologen dieses unverschämte Glück bringen. Nicht im Zentrum der 80 Meter breiten Steinplattform, wie sonst üblich, sondern am Rand stießen sie auf die hölzerne Grabkammer des Fürsten. Die doppelwandige Bohlenkonstruktion war wie ein Blockhaus sorgfältigst bearbeitet und mit schwarzen und roten Tüchern ausgeschlagen. Das Fürstenpaar lag im vollem Ornat nebeneinander. Ihre Kleidung war übersäht mit tausenden goldener Tierapplikationen, dazu Waffen und Schmuck aus massivem Gold. Ein bisher nicht für möglich geglaubter Reichtum im Grab eines Nomaden. Doch ein Rätsel blieb: Was mochten die Steinplatten des zu 80 Prozent unausgegrabenen Kurgans noch verbergen?

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