Der Kirchenschatz von Lima

Geheimer Transport auf der "Mary Dear" zur Kokosinsel

Der Legende nach führte der alte Seeräuber William Thompson das Schiff, mit dem der Kirchenschatz von Lima verschwand. In seinen letzten Stunden pflegt ihn der Fischer John Keating. In der Habe des alten Kapitäns entdeckt er eine rätselhafte Karte, akkurat sind die Umrisse einer Insel eingezeichnet.

Die Szene erinnert an den Roman "Die Schatzinsel", als der junge Jim Hawkins die Karte in der Truhe des toten Piraten findet. Der Autor Robert Louis Stevenson erfuhr vermutlich 1880 von der Kokosinsel und von dem sagenhaften Schatz aus Lima.

Gegen die Vorherrschaft der Spanier

Doch die Geschichte beginnt im Jahr 1820. Anfang des 19. Jahrhunderts müssen die Spanier um ihre Schätze fürchten. Darunter eine goldene Madonna, so groß, wie die heilige Madonna der Evangelisation. Sie ziert heute die Kathedrale von Lima.
Bischof Bartolomeo de las Heras muss erkennen, dass General San Martin nach der Befreiung Chiles auch nach Peru streben würde, um den spanischen Vizekönig zu stürzen. Von Valparaiso aus setzt sich eine kleine Flotte von 14 Schiffen in Bewegung. Ihr Ziel ist Limas Hafen Callao. Die Legende berichtet davon, dass Spanier die Madonna von Lima und Kisten voller Gold, Silber und Edelsteinen im Schutz der Dunkelheit aus der Kathedrale fortschaffen.

Historischer Fakt ist die Blockade von Lima und ihres Hafens durch Schiffe des britischen Admirals Lord Thomas Cochrane. Die Engländer sind mit den Aufständischen verbündet, denn sie haben ein gemeinsames Interesse: Die Vorherrschaft der Spanier in diesem Teil der Welt zu beenden. Die Festung Real Felipe ist in den stürmischen Tagen des Jahres 1821 die letzte Bastion, der letzte Halt derjenigen Spanier, die etwas zu verlieren haben. Wochenlang verschanzen sie sich dort, leiden Hunger. Weder von See her, wo Cochranes Schiffe liegen, noch von Land aus, wo die Gefolgsleute San Martins die Kontrolle erlangt haben, können sie versorgt werden. San Martin und seine rund 4000 Männer sind auf der Siegerstraße.

Fremde Hilfe

Die einzige Chance, den Kirchenschatz aus Callao herauszubekommen, mag der letzte Vizekönig de la Serna darin gesehen haben, auf fremde Hilfe zu setzen. Ein englisches Schiff könnte die Blockade unbehelligt passieren, so sein Kalkül. Hier betritt Captain William Thompson die Bühne. Er soll - so die Legende - die kostbare Fracht an Bord genommen haben. Was bei der Nacht- und Nebel-Aktion heimlich auf das Handelsschiff geladen wird, bleibt der Mannschaft nicht verborgen.

Wie lautet der geheime Auftrag? Wohin hätte die "Mary Dear" segeln können? Richtung Süden, um Kap Hoorn, um von dort aus nach Spanien zu gelangen? Oder nahm sie Kurs nach Norden, wo Panama als wichtigster Umschlagplatz bis 1821 unter spanischer Flagge stand? Auch darüber verraten die Quellen wenig.
Laut Legende lautet das Ziel: Isla de Cocoa. Zu Zeiten, als es weniger navigatorische Hilfsmittel gab, war das kleine isolierte Stück Land gar nicht so einfach zu finden. Kurs Südsüdwest von Costa Rica. Nur 24 Quadratkilometer groß, aber einst in Reichweite der Routen spanischer Goldgaleonen. Eine Stelle, an der sich jeder Pirat ein Versteck wünscht.

Unter Piratenflagge

Kapitän Thompson wird nicht glücklich mit seiner kostbaren Fracht. Die Besatzung, so heißt es, habe die Gunst der Stunde genutzt. Unter Piratenflagge nimmt die Mary Dear Kurs auf die Kokosinsel. Thompson hat offenbar gegen die überzeugenden Argumente der Meuterer kein Gegenmittel. Er konvertiert zum Seeräuber, weil ihm sein Leben lieb ist, und weil die Verheißung des Goldes zu verlockend ist. So soll die Madonna schließlich auf der Kokosinsel gelandet sein.

Schon im 16. Jahrhundert war das Eiland ein beliebtes Piratenversteck. Ständige, intensive Niederschläge sorgten für Trinkwasser im Überfluss. Seefahrer setzten Wildschweine aus, und seither konnte man es auf Kokos wochenlang aushalten, ohne zu darben. Seeräuber wie Edward Davis oder William Dampier fühlten sich angeblich auf der Insel so sicher, dass sie ihre Beute im tropischen Urwald versteckten. Kokos liegt unweit der befahrenen Routen, war aber damals auf den meisten Karten nicht verzeichnet.

Die Flucht gelingt

Die Besatzung der "Mary Dear" wird bald von den Spaniern aufgegriffen, nur Kapitän Thompson und sein Maat überleben. Sie werden nach Kokos zurückgebracht, dort sollen sie laut Überlieferung das Versteck des Kirchenschatzes von Lima preisgeben. Doch Thompson und seinem Maat gelingt die Flucht. Ein Jahr lang verstecken sie sich im dichten Urwald, bevor sie ein Walfänger an Bord genommen haben soll.

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