Der königliche Palast

Grundriss und Ausmaß der Anlage sind größer als vermutet

Das Archäologenteam um Professor Peter Pfälzner legt weitere Fundamente des zentralen Bauwerks der Anlage frei. Dass es der Königspalast ist, wissen sie aus alten Plänen. Peter Pfälzner vergleicht die Teilresultate mit den Aufzeichnungen des ersten Ausgräbers von Qatna. Der Archäologe Robert Comte DuMesnil DuBuisson kam vor mehr als achtzig Jahren ins Land.

1924 nimmt ein Doppeldecker von Damaskus aus Kurs Richtung Norden. Ein vielversprechendes Grabungsziel im damaligen französischen Mandatsgebiet soll aus der Luft dokumentiert werden. Der Auftraggeber will wissen, welche Stelle des Geländes für den ersten Spatenstich geeignet scheint.

Archäologisches Abenteuer

Der Hobbyforscher heuert Sträflinge und Bauern aus der Umgebung für sein Unternehmen an. Fünf Jahre seines Lebens und eine hohe Geldsumme lässt sich der Adlige das archäologische Abenteuer kosten. Dass er den Sitz eines Herrschers freilegen lässt, daran zweifelt der Franzose keinen Augenblick. Und er findet eine Tontafel als Beweis: Der Text erwähnt die Schutzgöttin des Königspalastes und den Namen der Stadt gleich dazu: Qatna.


Schon der Franzose versuchte, Grundriss und Ausmaß der Anlage zu bestimmen. Als hilfreich erweisen sich seine Bezeichnungen für zwei zentrale Räume. Neben dem Thronsaal ordnete er einen "Salle du Grand Vase" an, den "Saal der großen Vase". Fotos belegen, dass zur Zeit DuMesnils einige Böden und Mauern des Palastes noch erhalten waren. Doch die Ruinen verfielen immer weiter. Viele der Lehmziegel endeten sogar als Baumaterial für das Dorf, das im 20. Jahrhundert entstand. Anfang der achtziger Jahre mussten die Bewohner wegen der bevorstehenden Großgrabung weichen.

Weiße Flecken auf dem Grundriss



Als Peter Pfälzner in Qatna anfing, gab es nichts als teils unentdeckte, teils zerstörte Fundamente und den alten Plan von DuMesnil. Den Archäologen interessierten vor allem die weißen Flecken auf dem Grundriss. An der nördlichen Begrenzung des Plateaus lagen noch die Schienen aus der Zeit des französischen Pioniers. Doch genau in jenem Areal entdeckte das deutsche Team den Korridor und die 73 Tontafeln.

Inzwischen haben die Forscher weite Teile der Fläche vermessen. Die tatsächliche Dimension des königlichen Gebäudes nimmt allmählich Gestalt an. Sowie die These, dass Teile der Fundamente über einem alten Friedhof hochgezogen wurden. Beschädigte Schädel und andere Knochen sind der Beweis. Das endlose Netz aus Grundmauern und die nahtlose Verfugung der Lehmziegel stützen die Annahme von Peter Pfälzner und seiner Mannschaft: Der gesamte Komplex wurde in einem einzigen großen Bauvorhaben errichtet. Und nicht - wie von DuMesnil angenommen - über die Jahrhunderte nach und nach vergrößert.

Präzise Arbeitsgrundlage

Die Archäologin Katja Sternitzke erstellt mit Pfälzner eine dreidimensionale Rekonstruktion am Computer. Im Vergleich zum Vorgängerplan eine präzisere Arbeitsgrundlage. Spätestens jetzt zeigt der Grundriss, dass der Komplex weitaus größer war als von dem Franzosen damals berechnet. Mit 18.000 Quadratmetern immerhin um mehr als ein Drittel.


Herzstück ist eine riesige Halle mit vier massiven Säulen. Die Löcher zur Verankerung reichen fünf Meter tief in den Boden. Geeignet, um zwölf Meter hohe Rundpfeiler aufrecht zu halten. DuMesnil glaubte, sie gehörten zu einem Tempel, der außerhalb des Palastes stand. Nach den neuen Berechnungen wissen die deutschen Ausgräber jetzt aber, dass der Raum mit der imposanten Säulenkonstruktion inmitten der Residenz lag. Vermutlich - so die Überzeugung der Wissenschaftler - trugen die vier Säulen das Dach einer gewaltigen Audienzhalle. Geschaffen, um dort Zeremonien durchzuführen. Dafür spricht die unmittelbare Nähe zum Thronsaal.

Verkohlte Holzstücke



Von den kolossalen Stützen selbst aber fehlt jede Spur. Die Archäologen zeigen sich ratlos. Erst ein Fund an ganz anderer Stelle auf dem Palastgelände liefert die entscheidende Anregung - verkohlte Holzstücke. An vielen Ecken des Areals, vor allem aber in dem langen Korridor, bringen Arbeiter verwitterte oder angesengte Reste von Zedernholz ans Tageslicht. Eine kleine Sensation, denn Holz übersteht nur selten die Jahrtausende. Und genau dieser Sachverhalt beantwortet Pfälzner die Frage nach dem Verschwinden der Mammut-Säulen: Sie sind einfach vermodert.

Zedernholz ist seit jeher ein begehrtes Luxusgut. Die mächtigen Stämme, ihre Härte und der Wohlgeruch machten die Zeder aus dem nahen Libanon-Gebirge zum Exportschlager.

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