Der lange Weg nach Britannien

Hat Joseph von Arimathäa den Heiligen Gral auf die britische Insel gebracht?

Über den Verbleib des sagenhaften Gefäßes ist viel gerätselt worden. Nach einer Hypothese liegen die Orte des Artusmythos weder in Spanien noch in Südfrankreich, sondern im Süden der britischen Insel. Die gewagte Vermutung stützt sich vor allem auf eine alte Königschronik.

Die Geschichte beginnt mit dem Letzten Abendmahl. Jesus füllt den Kelch mit Wein und spricht: Dies ist mein Blut. Wein und Kelch werden zum Symbol des ewigen Lebens. Joseph von Arimathäa, ein vornehmer Kaufmann und Verwandter Jesu, nimmt den Kelch später an sich. Als der römische Hauptmann Longinus dem Gekreuzigten die Lanze in die Seite sticht, fängt Joseph das herausquellende Blut mit eben jenem Abendmahlskelch auf, der so zum Heiligen Gral wird.

Vom Gefängnis ins Exil

Joseph bestattet den toten Christus in seiner privaten Grablege. Am dritten Tag ist der Leichnam aus der Familiengruft verschwunden. Als Jünger Jesu ohnehin verdächtig, wird Joseph verhaftet. Viele Jahre verbringt Joseph im Gefängnis. Endlich freigelassen, kehrt der Greis seiner Heimat den Rücken. Er schifft sich nach Rom ein und zieht nach Südfrankreich. Den Gral hat er dabei.

Einer der vielen unterschiedlichen Überlieferungen zufolge reist Joseph von Arimathäa nach Britannien. Bei der heutigen Stadt Glastonbury errichtet er die erste Kirche auf britannischem Boden. Dort, wo noch heute Ruinen einer alten Benediktinerabtei stehen, soll der Gral aufbewahrt worden sein.

Unruhige Zeiten

Die römische Besatzungsmacht ist längst abgezogen. Ende des fünften Jahrhunderts ist Britannien in Aufruhr. Einwandernde Angeln und Sachsen drängen die keltische Inselbevölkerung immer stärker nach Westen. Da tritt Artus auf den Plan. In zwölf Schlachten bleibt er siegreich und sichert so seinem Volk den Lebensraum - vorerst zumindest.

Etwa 650 Jahre später verfasst der Oxforder Gelehrte Geoffrey von Monmouth 1138 seine "Geschichte der Könige Britanniens". Die bunte Mischung aus Mythen, Legenden und historischen Fakten ist schon wegen des großen zeitlichen Abstandes zum vermutlichen Wirken von Artus nicht in allen Punkten zuverlässig.

Neue Religion, alte Tradition

Der Keltenkönig herrschte über die Bretagne und den Südteil der britischen Insel - beiderseits des Kanals. Auf einer Landzunge stand über den Klippen von Cornwall die Burg von Tintagel. Die heutigen Ruinen stammen aus späterer Zeit. Die Fundamente aber reichen bis in die Artusära zurück. Unterhalb der Burg liegt die Grotte Merlins, des sagenumwobenen Weisen und Lehrers von Artus.

Obwohl die Kelten zu jener Zeit das Christentum anerkannt hatten, blieben sie ihren heidnischen Bräuchen weitgehend treu. Artus lebte zwischen Tradition und Neubeginn. Im Mythos vom Heiligen Gral verschmolzen heidnisch-keltische mit christlichen Elementen. Ob die Burg von Tintagel das sagenhafte Camelot war, ist äußerst fraglich. Bis heute streiten Historiker, ob es das Schloss tatsächlich gegeben hat.

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