Der lebendige Dom

Mit Mitra und Meißel für Gott und die Menschen

Seit Willigis' Zeiten bauen Menschen am Mainzer Dom - im handwerklichen wie im übertragenen Sinn. Der Dom als ewige Baustelle ist Stein gewordenes Sinnbild der lebendigen Kirche nach der Vorgabe Jesu Christi. Nach biblischem Bericht hat Jesus den Petrus als lebendigen Grundstein für seine Kirche ausgewählt. Daher ist Kirche für Christen ein doppelsinniger Begriff, der sowohl den gemauerten Andachtsraum als auch die Gemeinschaft der Gläubigen meint.

Steinmetz in der Mainzer Dombauhütte Quelle: ZDF/Marc Riemer

"Man sagt nichts Wesentliches über den Dom aus, wenn man nur von den Steinen spricht." Antoine de Saint-Exupéry bezog diesen Satz nicht auf die Mainzer Kathedrale, doch seine Worte gelten für alle Gotteshäuser. Dabei müssen mächtige Mauern und himmelstrebende Türme nicht immer Ausdruck tiefen Glaubens sein. Allzu oft spiegeln sich Machtgier und Herrschsucht darin wider. Das war in Mainz nicht anders als in Rom, Aachen oder Speyer. Kriege und Katastrophen haben das Bauwerk, Intrigen und Fehden die Gemeinschaft mehr als einmal in Mitleidenschaft gezogen, aber immer waren Menschen zum Wiederaufbau bereit. Und es sind nicht nur Kardinäle und Kapitelherren, die im und am Dom arbeiten.

Verzwickte Verhältnisse

Der Dom als Immobilie gehört letztlich der Katholischen Kirche, aber genau genommen gehört er sich selbst. Seine Sachwalter sind die Domkapitulare, die das Domkapitel bilden. In Mainz sind das sieben Geistliche. Vorsitzender dieses Gremiums ist der Domdekan. Das Kapitel hat das Hausrecht inne, nicht der Bischof, der auch nicht Mitglied des Domkapitels ist. Der Oberhirte, unterstützt durch zwei Weihbischöfe, besitzt in seiner Bischofskirche lediglich im liturgischen Bereich "Richtlinienkompetenz". So sind Macht, Verantwortung und Zuständigkeiten auf mehrere Personen verteilt.

Das Domkapitel muss den Dom aus eigenen Mitteln in Stand halten. Die anfallenden Kosten bestreitet das Gremium zum großen Teil aus Mieteinnahmen der zum Dom gehörenden Liegenschaften. Außerdem halten die Domkapitulare Gottesdienste ab und arbeiten in der Bistumsverwaltung mit. Darüber hinaus - und das ist höchst bedeutsam - wählt das Domkapitel nach umfangreichem Vorschlags- und Auswahlverfahren den Bischof, der anschließend vom Papst offiziell ernannt wird. Der Bischof selbst ist zwar Chef des Bistums, aber im Dom ist sein Einfluss begrenzt.

Doppelter Dom


Nicht nur architektonisch ist der Mainzer Dom mit seinen zwei Chören eine Doppel-Kirche. Auch organisatorisch kommen ihm zwei Funktionen zu: Bischofskirche des Bistums Mainz und Pfarrkirche der Pfarrgemeinde St. Martin. Der Gemeindepfarrer heißt hier Dompfarrer und kümmert sich um etwa 800 Gemeindemitglieder, von denen sich nicht wenige ehrenamtlich in Gemeinde und Dom engagieren - als Ministranten, Lektoren, Kommunionhelfer oder in Gremien wie dem Pfarrgemeinderat - lebendige Domsteine eben.


Besonders viele Ehrenamtliche sind im kirchenmusikalischen Bereich tätig. In den drei Chören und im Domorchester singen und spielen mehrere hundert Aktive mit, geleitet und begleitet von den hauptamtlichen Dommusikern Domkapellmeister Prof. Mathias Breitschaft, Domkantor Carsten Storck und Domorganist Albert Schönberger. Auch außerhalb der Gottesdienste treten die Vertreter der verschiedenen Musiksparten immer wieder auf.

Herzen und Hände

Der Dom bietet und erfordert Betätigungsfelder, die offenkundig sind, und solche, an die man bei einer Kathedrale zunächst nicht denkt. Drei Küster, zwei Domschweizer, zehn Domaufsichten, Mitarbeiter im Dommuseum sowie drei Personen an der Dominformation, aber auch im WC-Bereich, bei Gebäudereinigung, Blumendienst und Haustechnik arbeiten Menschen im oder am Dom - die einen öffentlichkeitswirksam, andere eher abseits der Besucherblicke.

Auch die Mitarbeiter des Dombauamtes und ganz praktisch vor Ort die Steinmetze, Schreiner, Maurer und Maler der Dombauhütte halten das Bauwerk in Stand. Ebenso halten die Mitglieder des Dombau-Vereins und die Mainzer und Nicht-Mainzer, die sich ehrenamtlich bei der "Stiftung Hoher Dom zu Mainz" engagieren, den Dom am Leben - einige mehr mit ihren Händen, andere mehr mit dem Herzen.

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