Der letzte Flug des kleinen Prinzen

Beim Wrack der Lightning finden sich Teile einer Messerschmitt

Nach der Bergung der Wrackteile von Saint-Exupérys P-38 Lightning wird die Frage, warum der berühmte Schriftsteller am 31. Juli 1944 an dieser Stelle ins Meer gestürzt war, erneut öffentlich diskutiert. Gibt es weitere hilfreiche Fundstücke an der Absturzstelle? Die Suche auf dem Meeresgrund geht weiter - und die Crew um Luc Vanrell wird fündig.

Auf dem sandigen Boden stößt Luc Vanrell auf eine Gorgonie, eine Art Koralle. Doch Gorgonien wachsen nicht auf Sand, sondern nur auf hartem Grund: in diesem Fall ein Flugzeugmotor. Seine erste Vermutung, es müsste sich um einen der beiden Motoren aus Saint-Exupérys P-38 Lightning handeln, wird nach kurzer Zeit widerlegt: Auf der Suche nach der Seriennummer entdeckt er das Logo der Marke Skoda. Dieses Detail führt die Männer auf eine überraschende neue Spur, denn Skoda baute im Krieg Motoren für deutsche Jagdflugzeuge.

Bergung Wrackteil Quelle: ZDF

Ein zweites Wrack an gleicher Stelle

Es kann natürlich ein Zufall sein, dass in dem Gebiet noch ein weiteres Wrack liegt, doch die Bucht von Marseille ist groß und 200 Wracks verteilen sich auch hier so weiträumig, dass es in der Tat eine Besonderheit darstellt, wenn sich zwei Trümmerfelder überschneiden. Der Schluss liegt nahe, dass zwei Flugzeuge ineinander geprallt waren. Ein Rammstoß könnte vielleicht die letzte Heldentat von Saint-Exupéry gewesen sein. Um das zu beweisen, müssen die Taucher den Motor bergen. Aus 60 Metern Tiefe hieven sie den tonnenschweren Zwölfzylinder mit einem Spezial-Hebesack ans Tageslicht.

Doch das Rätsel des deutschen Motors ist für die französischen Forscher allein nicht zu entschlüsseln. Sie holen einen Experten aus München zu Hilfe, den Unterwasserarchäologen Lino von Gartzen. Er soll anhand des Motorwracks den Piloten ermitteln. Doch schon als der Motor am Hebesack hängt und alle zugänglichen Stellen sichtbar sind, ist die Enttäuschung sehr groß. Wichtige Details am Motorengehäuse sind nicht mehr vorhanden.

Der deutsche Motor wird zerlegt

Mit Kalk und Korallen bedecktes Wrackteil Quelle: ZDF

Die Forscher brauchen jetzt einen neuen Plan. Sie ermitteln parallel in zwei Richtungen. Luc Vanrell und Philippe Castellano verfolgen die letzten Spuren auf der Ile de Riou, Lino von Gartzen verfrachtet den geborgenen Motor zwecks genauer Analyse in die Flug-Werft des Deutschen Museums in München. Hier will er herausfinden, wer der tödliche Gegner von Saint-Exupéry gewesen sein könnte. Unter der Kruste von Kalk und Korallen hofft er auf Hinweise. Doch das Salzwasser hat in 60 Jahren vieles weg gefressen. Es scheint aussichtslos, diesem Motor eine Antwort zu entlocken. Lino von Gartzens Strategie ist, jedes einzelne Teil des Motors zu analysieren.

Das jüngste Bauteil muss vor dem Absturz eingebaut worden sein. Wenn man das jüngste Bauteil oder die jüngste Modifikation identifiziert hat, kennt man ein Minimaldatum des Absturzes. Auf Grund dieses Datums kann man weiter eingrenzen, um welchen Flugzeugtyp und um welchen Piloten, um welche vermisste Maschine es sich dabei handeln könnte.

Scheinbarer Rückschlag

Zündkerze vom Moter eines deutschen Flugzeuges Quelle: ZDF

Monatelang arbeitet Lino von Gartzen mit den Spezialisten der Flug-Werft an dieser Aufgabe. Nacheinander nimmt er sich alle Teile des Motors vor: Gehäuse, Zahnräder, Einspritzpumpe - jedes kleinste Detail kann ihn dem Namen des Piloten näher bringen. Am Ende setzt er die Fragmente zusammen. Es ist der Motor einer Me 109. An jedem der zwölf Zylinder stecken zwei Zündkerzen. Vier sind erhalten - und die bringen den Durchbruch. Dank eines eingravierten Codes gelingt es von Gartzen, das Produktionsdatum der Kerzen zu ermitteln. Demnach muss das Flugzeug vor dem Sommer 1944 ins Meer gestürzt sein. Und damit vor Saint-Exupérys Absturzdatum. Scheinbar ein Rückschlag. Doch Luc Vanrell hat in Frankreich eine weitere Spur aufgetan.

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