Der letzte Überlebende

Kaiserpinguine trotzen dem antarktischen Winter

Nirgendwo sonst auf dem Planeten treten die Unterschiede zwischen den Jahreszeiten dramatischer in Erscheinung als in den Polargebieten. Im Sommer geht die Sonne nicht unter, und die meisten Tiere sind damit beschäftigt, zu fressen und für Nachwuchs zu sorgen. Doch nur der Kaiserpinguin kann die Härte des Winters über dem Eis ertragen.

Kaiserpinguine
Kaiserpinguine Quelle: ZDF/BBC

Der Sommer ist wie ein einziger chaotischer Tag, der Winter wie eine einsame Nacht. Einige Tiere reisen ab, bevor es zu kalt wird; die meisten Vögel sind Sommertouristen. Wer bleibt, muss bestimmte Maßnahmen ergreifen. Manche überwintern unter dem Schnee, andere verschwinden im Meer, wo es nie kälter wird als minus 2 Grad Celsius. Aber einige wenige vertrauen auf ihre Winterkleidung. In der Antarktis lebt nur ein Tier, das die Härte des Winters über dem Eis ertragen kann, der Kaiserpinguin. Im Mai ist es Herbst in Antarktika. Das Weibchen übergibt sein einziges Ei dem Partner und kehrt ans Meer zurück. Das Männchen muss das Ei bei Sturm und Wetter allein ausbrüten und sitzt die ganze Zeit in totaler Finsternis.

Polarregion
Polarregion Quelle: ZDF/Fredi Devas

Beste Winterkleidung

Im Juli sinken die Temperaturen regelmäßig auf minus 60 Grad Celsius, doch der Kaiser ist mit der besten Winterkleidung ausgestattet, die es gibt. Unter vier Lagen von Federn liegt ein dicker Fettmantel - eine hervorragende Isolierung. Um die Wärmeeabstrahlung zusätzlich gering zu halten, sind die ungeschützten Füße und der Schnabel besonders klein. Auch die imposante Körpergröße - der Kaiser ist doppelt so schwer wie der Königspinguin - trägt dazu bei, Wärme zu speichern, weil die Oberfläche im Verhältnis zur Körpergröße gering ist. Der gute Kälteschutz hat jedoch den Nachteil, dass es den Kaiserpinguinen im Sommer sehr heiß wird. Trotzdem können sie sich im Winter nicht allein auf ihre Kleidung verlassen - sie müssen sich auch buchstäblich gegenseitig beistehen.

Weibliche Kaiserpinguine
Weibliche Kaiserpinguine Quelle: ZDF/Chadden Hunter


Kaiser sind die einzige Pinguinart, die ihre angeborene Aggressivität und territorialen Ansprüche unterdrücken und dichte Gruppen bilden, um sich vor der Kälte zu schützen. In großen Kolonien kommen bis zu 5000 Vögel zusammen und stellen sich mit dem Rücken zum Wind auf. Die Tiere, die am äußeren Rand stehen und am meisten unter der Kälte zu leiden haben, werden in regelmäßigen Abständen abgelöst. Auf diese Weise verringert sich der Wärmeverlust um die Hälfte. Die Pinguine können tagelang in der pechschwarzen Nacht stehen und Temperaturen aushalten, die Menschen selbst mit modernster Ausrüstung nicht ertragen würden. Gelegentlich flackert das Südlicht am antarktischen Himmel auf, aber nur als Kulisse: Wärme spendet es nicht.

Rückkehr der Weibchen

Wenn Mitte Juli die Küken schlüpfen, sind die männlichen Pinguine kurz vor dem Verhungern. Das dichte Federkleid des Vaters sorgt für gemütliche Wärme in der Bruttasche, aber das milchartige Sekret für die Ernährung des kleinen Pinguins reicht für nur ungefähr zehn Tage. Höchste Zeit, dass die Mutter kommt. Wenn sie nicht da ist, muss der Vater das Küken aussetzen und sich auf den Weg zum Meer machen. Das Weibchen muss 100 Kilometer und mehr zurücklegen, um über das Meereis zum Partner mit dem Küken zu gelangen.

Es ist eine gefährliche Reise durch die Nacht, vorbei an breiten Spalten und haushohen Eisbrocken. Wenn das Weibchen bei der Familie eintrifft und das Küken in Empfang nimmt, steht die Sonne wieder dicht über dem Horizont. Sein Bauch ist voll mit Fisch, aber das Männchen steht am Rand des Zusammenbruchs. Die Ankunft der Weibchen bei den Zurückgebliebenen ist eines der ergreifendsten Schauspiele der Natur. Was die Pinguine dabei empfinden, werden wir nie erfahren, aber es ist ganz bestimmt ein besonderer Tag.

Männchen der Kaiserpinguine
Männchen der Kaiserpinguine Quelle: ZDF/Jeff Wilson

Unerhörte Strapazen

Zunächst zögert der Vater, das Küken der Mutter zu übergeben, aber sie versteht es, ihn umzustimmen. Der Austausch muss schnell erfolgen. In der Eiseskälte im Freien würde das Küken keine zwei Minuten überleben. Pinguinweibchen, deren Küken nicht überlebt haben, entwickeln einen starken Mutterinstinkt und adoptieren verwaiste oder ausgesetzte Pinguinkinder. Aber wenn ein Weibchen nicht nur das Küken, sondern auch den Partner verloren hat, wird es seine Mutterpflichten gegenüber dem Adoptivkind nicht mehr los und muss es schließlich aussetzen, um nicht selbst zu verhungern.

In den folgenden sechs Wochen sind die Pinguine damit beschäftigt, sich um die heranwachsenden Küken zu kümmern. Danach brauchen die Jungtiere mehr Futter, als Vater oder Mutter herbeischaffen können. Während die Erwachsenen draußen auf dem Meerfischen, drängen sich die vorübergehend allein gelassenen Küken in Gruppen zusammen, um sich vor der Kälte zu schützen. Sobald die Jungtiere kräftig genug sind, um für sich selbst zu sorgen, ziehen die Eltern ans Meer und kommen nicht mehr zurück. Etwa eine Woche danach treibt der Hunger die Jungtiere dazu, ihnen zu folgen.

Nach unerhörten Strapazen während des härtesten Winters auf Erden stehen die Küken jetzt, fünf Monate nach dem Schlüpfen, am Rand des antarktischen Ozeans und unternehmen die ersten Schwimmversuche.

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