Der Mogulstaat und seine fremden Helfer

Christen und Araber treiben Jahrhunderte lang Handel mit Indien

Mit Waffengewalt erobern die Mogul benachbarte Reiche. Handel hilft den Wohlstand zu mehren und die Macht zu erhalten. Und der Fernhandel bringt Reichtum, fremde Kaufleute und neue Ideen ins Land. Auch davon zeugt der Taj Mahal. Doch der Austausch Indiens mit anderen Kulturen hat eine lange Tradition.

Europäische Gäste am Hof des Mogul Quelle: ZDF

Die ersten Christen erreichen Indien vermutlich bereits um das Jahr 300 nach Christus. Sie kommen nicht als Apostel um zu missionieren, sondern als Kaufleute aus Mesopotamien, die sich an der Süd-Westküste, in Kerala niederlassen um Handel zu treiben. Sie bringen ihre syrische Kirchensprache und Liturgie mit sich sowie eigene, syrische Priester. Zu ihnen kommen bald auch nestorianische Christen aus Persien. In ihrer Heimat wurden sie im vierten Jahrhundert unter den Sassaniden-Herrschern verfolgt. In den Hindu-Staaten Indiens passen sie sich rasch an die bestehenden sozialen Strukturen an und lebten als angesehene Bürger in den Handelszentren.

Im Namen des Islam

622 nach Christus: Im Jahr der Hedschra, dem Auszug des Propheten Mohammed ( 570- 632 ) von Mekka nach Medina, beginnt die islamische Zeitrechnung. Arabische Kaufleute in Indien bekennen sich bereits wenige Jahre später, um 640, zu dem neuen Glauben. Als Händler mit weitreichenden Handelsbeziehungen sind sie auch in den unterschiedlichen indischen Teilstaaten wichtig und angesehen. Erst Jahrhunderte später verändern Kriegsherren und Eroberer aus Afghanistan und dem Norden dauerhaft die politischen und religiösen Strukturen in Indien. Sie kämpfen und unterwerfen das Land im Namen des Islam. Und sie bleiben und stellten fortan in den von ihnen besiegten Fürstentümern die kriegerische Oberschicht.

Europäische Kaufleute entdecken neue Wege und umgehen die alten Handelsrouten der Seidenstraße. Calicut (heute: Cozhicode) im Süd-Westen des indischen Subkontinents ist im 15.Jahrhundert der bedeutendste Hafen des Südens, Stapelplatz für alle Waren des indischen Marktes. Edelsteine aus Ceylon, Gewürze, Perlen und Duftstoffe von den Inseln und Waren aus China werden hierher transportiert. Über die Seidenstraße und Ägypten gelangen die Waren nach Europa. Für den steigenden Bedarf der europäischen Staaten ein weiter und vor allem teurer Weg. Der Seeweg nach Indien ist das Traumziel, dem die großen Entdecker Könige und Handelshäuser Europas nachjagen.

Vasco da Gama

Seit Jahrhunderten steht der Seehandel von Calicut vollständig unter der Kontrolle arabischer Händler. Doch Ende Mai 1498 erwartet die Kaufleute von Calicut eine böse Überraschung: Portugiesische Segel tauchen von Westen her am Horizont auf. Bei ihrem ersten Landgang an der Küste stoßen die Portugiesen auf maurische Händler aus Tunis, die sie in spanischer und italienischer Sprache begrüßen. Das Bordbuch des portugiesischen Entdeckers Vasco da Gama vermerkt ihre Begrüßungsworte: Hol' dich der Teufel, wer hat dich hierher gebracht?" Auf die Frage, was er hier in Indien suche, antwortet der Kapitän:" "Christen und Gewürze."

Erstaunt stellt Vasco da Gama fest, dass man hier in Indien, so weit von Portugal entfernt, die Sprache seines Landes versteht. Beim Gegenbesuch an Bord der portugiesischen Schiffe haben sich die wendigen arabischen Kaufleute bereits auf die neuen Mitkonkurrenten eingestellt: "Willkommen, willkommen! Viele Rubine, viele Smaragde! Danket Gott auf den Knien, dass er euch in dieses Land gebracht hat, wo es so viel Reichtum gibt!"

Perser, Hunnen und Afghanen

Überlegene Waffentechnik: Türkische Kanonen in Indien Quelle: ZDF

Die Söldnerheere der ersten Mogul-Eroberer verdanken den Erfolg ihrer Kriegszüge vor allem ihrer überlegenen Waffentechnik. Sie führen schwere Geschütze mit sich. Der Gewalt dieser für Indien neuen Kriegsmaschinerie können die Mauern der indischen Städte und die Armeen ihrer Verteidiger nicht Stand halten.

Mit ihren Kanonen gewinnen die Moguln Schlacht um Schlacht. Sie errichten ein Reich, das erstmals seit 2000 Jahren einen weiten Teil des riesigen Landes vereinigt. Seine furchtbarste Waffe hatte das Heer der Eroberer von türkischen Kanonengießern übernommen. Die Invasoren bringen ihren Glauben mit, den Islam. Nach dem Hinduismus, der ältesten Religion in Indien, steigt er zum zweitgrößten Bekenntnis auf. Es ist ein ausgesprochen liberaler Islam, der religiöse Toleranz gelten lässt.

Pietra Dura - Arbeit
Pietra Dura (Aufmacher) Quelle: ZDF

Großmogul Akbar, der 1562 den Thron von Agra besteigt, sucht den Ausgleich der gegensätzlichen Bevölkerungsgruppen in seinem Reich. Er nimmt die Töchter besiegter Hindufürsten in seinen Harem auf und macht ihre fähigsten Krieger zu seinen Generälen. In der Religion lehrt er, Andersdenkende zu respektieren. Seine Nachfolger führen die Politik der Öffnung nach außen fort. Ausländer sind willkommene Gästen am Hof des Herrschers. So auch europäische Kaufleute aus den Küstenstädten. Sie zieht besonders die Aussicht auf kostbare Tuche, auf Baumwolle, Gewürze und Edelsteine an. In Gegenzug bezahlen sie mit Silber - und sie bringen neue Ideen ins Reich der Moguln.

Blumengarten aus Stein

Bis heute beherrschen indische Steinbildhauer alte Techniken, die ihre Vorfahren vor vielen Generationen beim Bau des Taj Mahals angewandt haben: Blumen aus Stein bedecken die filigranen Marmorgitter und den Innenraum des Grabmals. Die italienische Bezeichnung für diese alte Kunst ist Pietra Dura - Harter Stein. Sie gehört zu den schwierigsten Handwerkstechniken der Steinbildhauer im Mittelmeerraum. Auf geheimnisvollen Wegen gelangte sie über alte Handelsstraßen nach Indien an den Hof der Mogulfürsten.

Steinschneidewerkstatt in Indien
Steinschneidewerkstatt in Indien Quelle: ZDF

In indischen Steinschneide-Werkstätten fertigen auch heute noch Künstler Mosaike aus Marmor. Sie arbeiten verschiedenfarbige Steinplättchen in genau vorbereitete Marmoruntergründe ein. Oft benötigen sie Hunderte von passgenau zurecht geschliffenen Edelsteinen für ein einziges Motiv. Das "Malen in Stein" ist ein Juwel indischen Kunsthandwerks. - Die Namen der Künstler, die bei der prachtvollen Ausgestaltung des Taj Mahal halfen sind unbekannt.

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