Der Mythos der Assassinen

Die gefürchteten Männer des Alten vom Berg

Keine andere religiöse Splittergruppe der Muslime machte so von sich reden wie die Assassinen. Bis in den modernen Sprachgebrauch hat sich die Erinnerung an die legendenumwobene, mittelalterliche Sekte erhalten. Noch heute bezeichnet das Wort assassin im Englischen einen Attentäter oder Meuchelmörder.

Assassine
Assassine Quelle: ZDF

In Europa wurde der Mythos der "Mördersekte", die auf der Burg Alamud am kaspischen Meer gegründet wurde, vor allem durch den berühmten Reisebericht Marco Polos aus dem 13. Jahrhundert genährt.

Männer als willenlose Mordwerkzeuge

"Der Meister versetzt die Schüler mit einem berauschenden Trank in Schlaf. In einem exotischen Garten wachen sie wieder auf, um dort - umgeben von schönen Mädchen - das Leben für einige Tage in vollen Zügen zu genießen." Die mit Sex und Drogen gefügig gemachten jungen Männer schwärmen anschließend als willenlose Werkzeuge ihres Herrn in die Welt hinaus und begehen Morde - meist an den politischen und religiösen Widersacher ihres Anführers. Aber das eigentliche Markenzeichen der Assassinen ist eine frappierende Todesverachtung. Bei den Anschlägen nehmen sie nämlich ihren eigenen Tod gelassen in Kauf. Deshalb gelten sie auch als die Ahnherren heutiger Selbstmordattentäter.

Kreuzritter
Kreuzritter Quelle: ZDF

Vieles an den Berichten über die Assassinen ist Legende. Aber dass sie existierten, daran besteht für Historiker kein Zweifel. Den Hintergrund für die Entstehung der Assassinen bilden politisch-religiöse Auseinandersetzungen unter den schiitischen Muslimen. Um 770 kam es zu einem Streit um den rechtmäßigen Nachfolger des Propheten. Ein Teil der Schiiten betrachtete einen gewissen Ismail als legitimen Erben Mohammeds und nannte sich fortan Ismailiten. Deren radikalster Zweig wurden die Assassinen.

Ismailiten gibt es bis heute

Einige zogen nach Syrien. Dort in der Burg Masyaf residierte der legendäre "Alte vom Berg", der es in Europa sogar zu Berühmtheit brachte, weil er zeitweise mit den christlichen Kreuzfahrern gegen den arabischen Feldherrn Saladin paktierte. Allerdings ist der Mythos der Assassinen viel größer als ihre tatsächliche politische Bedeutung während der 200 Jahre ihres Wirkens.

Die Ismailiten dagegen existieren bis heute. Ihre Glaubensgemeinschaft zählt etwa 20 Millionen Anhänger, die als ihr geistliches Oberhaupt den Aga Khan verehren. Der prominente Weltbürger, der sich in vielen Entwicklungsprojekten engagiert, gilt als direkter Nachfolger des Propheten.

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