Der Neandertaler war nicht allein

Der Fund weiterer Neandertaler-Überreste könnte auf eine Begräbnisstätte hindeuten

Gelegentlich führten Wanderungen auch in fremde Gebiete. Treffen verschiedener Clans müssen in bestimmten Abständen stattgefunden haben. Nur so lassen sich größere Schlachtplätze sinnvoll erklären.

Für die jüngeren der Gruppe muss es ein außergewöhnliches Ereignis gewesen sein. Statt mit nur 15-20 Personen zusammenzuleben, müssen sie sich an 100 bis 150 Menschen gewöhnen.

Freundschaften und Partnersuche

Ein großes Treffen erfüllte mehrere Funktionen. Man konnte anlässlich der Herdenwanderungen gemeinsam jagen, um in der Gemeinschaft mehr Beute zu erlegen. Man konnte auf Partnersuche gehen. Bindungen zwischen Gruppen wurden gestärkt, alte Freundschaften erneuert. Neue Mitglieder der Gemeinschaft begrüßt. Und man konnte Erlerntes, Gehörtes und Erlebtes austauschen.

Das Zusammenleben so vieler Personen wird immer wieder zu Auseinandersetzungen geführt haben. Nur mithilfe einer ausgefeilten Sprache war die Organisation einer solchen Gesellschaft denkbar. Bleibt die Frage, wie sich die Neandertaler zeitlich und räumlich orientiert haben. Wie war es ihnen gelungen, zu einer Jagd oder einem Treffen pünktlich am verabredeten Ort zu sein. Möglicherweise orientierten sie sich am Sternenhimmel. Doch wie sah dieser vor etwa 45.000 Jahren aus?

Ob sich die Neandertaler an dem Doppelpolarstern orientierten oder nicht, der eiszeitliche Nachthimmel war außerordentlich klar und muss großen Eindruck auf die Betrachter gemacht haben.

Die Frau aus dem Neandertal

Dass der Neandertaler tatsächlich nicht allein blieb, soll ein weiterer Knochen beweisen, den Ralf Schmitz ebenfalls im Neandertal gefunden hat. Im Institut für Teilchenphysik in Zürich wird eine Probe für den Teilchenbeschleuniger vorbereitet. Das gigantische Gerät soll mittels der C14-Methode klären, ob das zweite Individuum zur selben Zeit im Neandertal lebte wie der Urneandertaler.




Für Ralf Schmitz ein vielversprechendes Ergebnis: In nächster Zukunft wird er auch noch den Milchbackenzahn eines Kindes, den er ebenfalls im Neandertaler entdeckt hatte, bestimmen zu lassen. Vielleicht handelte es sich bei der schon so lange zerstörten Grotte im Neandertal sogar um eine größere Begräbnisstätte. Der Mann aus dem Neandertal starb mit rund 40 Jahren, einem normalen Alter für die eiszeitlichen Jäger.

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