Der neue Weltherrscher

Mit Kleopatras Tod endet das 5000-jährige Reich

Der Friedensvertrag zwischen den Ägyptern und den Hethitern war für die Einheit des Landes mehr Wert als alle Streitwagen und alle militärische Aufrüstung. Auch Kleopatra will 1200 Jahre nach Ramses II. das Reich mit friedlichen Mitteln bewahren.

Ihre Umgarnungspolitik zähmt Antonius und rettet die Souveränität Ägyptens. Aber beide haben die Rechnung ohne Antonius' Konkurrenten Oktavian, den späteren ersten römischen Kaiser Augustus, gemacht.

Politischer Flächenbrand

Oktavian ist neuer Hoffnungsträger der Römer, die Antonius und seiner orientalischen Leidenschaft immer mehr misstrauen. Orient gegen Okzident - ein schwelender Konflikt, der sich zum politischen Flächenbrand ausweiten wird. Der Showdown findet am 2. September 31 vor Christus auf halbem Wege zwischen beiden Mächten statt: auf dem griechischen Meer vor Aktium.


Im Norden des Kriegsschauplatzes befindet sich das Lager Oktavians. Er sucht die rasche Entscheidung. Im Süden wartet die weit überlegene Truppe des Antonius. Aber dessen Lagerplatz ist taktisch schlecht gewählt. An einem sumpfigen Uferstreifen lässt Antonius seine 100.000 Legionäre rasten. Ein Brutplatz für Fiebermücken und Malaria. Mit 500 Schiffen - 60 davon unter dem persönlichen Kommando Kleopatras - wähnt sich Antonius in der Bucht von Aktium unbesiegbar. Ein verhängnisvoller Trugschluss, wie die Historiker heute wissen.

Liebesblinder Antonius

Antonius ist militärisch überlegen - aber die Sterne stehen nicht günstig für ihn. Nur gut 200 seiner Kriegsschiffe können auslaufen - die Hälfte seiner Seeleute ist erkrankt. Kleopatra hält sich mit ihren Schiffen zurück. Es gibt bis heute keine Erklärung dafür. Auch nicht für das, was dann geschieht: Kleopatra setzt sich kampflos ab. Antonius macht das Fiasko komplett: Er folgt liebesblind seiner ägyptischen Göttin.

Alexandria ist kein rettender Hafen mehr. Die Legionen Oktavians werden kommen und die Stadt besetzen. Sie werden in den Palast der Kleopatra eindringen. Sie werden die Königin finden - nicht aber Antonius, der sich zuvor in sein Schwert gestürzt hat. Kleopatra ist jetzt allein. Ihr Versuch, ein drittes Mal einen römischen Feldherrn zu verführen, scheitert hoffnungslos. Schließlich entscheidet sich Kleopatra für den Weg in das Reich der toten Pharaonen und begeht Selbstmord.

Neuer Weltherrscher

Kleopatras Tod besiegelt das Schicksal des ägyptischen Reiches. Der neue Weltherrscher heißt Oktavian und zu seinem Imperium gehört jetzt auch Ägypten. Den Reichtum des Landes schenkt der spätere römische Kaiser dem römischen Volk. Die Ära, die nun anbricht, haben die Römer das "Goldene Zeitalter" genannt.

Zum sichtbaren Zeichen für alle Welt, dass Ägypten Rom gehört, lässt Oktavian den Obelisken aus dem Sonnenheiligtum von Heliopolis herbeischaffen. Auf dem Marsfeld schmückt der Himmelszeiger nun die Hauptstadt als weit sichtbares Beutestück - und dient ganz praktisch als Sonnenuhr. Aber mehr noch: Die goldene Kugel, die einst die Strahlen der ägyptischen Sonne einfing, leuchtet jetzt unter einem anderen Himmel. Als wollten die alten Götter es gutheißen: Ägypten mit all seiner Pracht ist jetzt ein Kapitel der römischen Geschichte geworden.

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