Der Palast des Khans

Art der Nutzung noch ungeklärt

Mehr als 750 Jahre später steht Professor Hans-Georg Hüttel in der ehemaligen Mongolenhauptstadt an dem Ort des Palastes, den Rubruk in seinem Reisebericht beschrieben hat. Unter seiner Leitung hat ein deutsch-mongolisches Archäologenteam in dreijähriger Arbeit die ehemalige Palasthalle freigelegt.

Auf dem quadratischen Grundriss sind die 64 Fundamente der Säulen zu erkennen, die einst das gewaltige Palastdach trugen.

Erste Widersprüche

Bereits 1949 hatte der russische Archäologe Kiselev an dieser Stelle eine kleine Probegrabung unternommen und die Fläche als Standort der ehemaligen Palastanlage bestimmt. Würde man jetzt in den Fundamenten sogar auf Überreste des legendären Silberbaumes stoßen? Zentimeter für Zentimeter tragen die Arbeiter den Steppensand ab, der sich Jahrhunderte lang auf dem Areal abgelagert hatte. Dabei stoßen die Wissenschaftler bald aber auf die ersten Widersprüche zu Rubruks Bericht. Er hatte den Bau als ein dreischiffiges Gebäude beschrieben, wie eine christliche Kirche etwa. Der Grundriss der freigelegten Anlage ist jedoch quadratisch, Lage und Zahl der Säulenfundamente lassen auf ein fünfschiffiges Gebäude schließen.

Darüber hinaus stoßen die Archäologen auf tausende kleiner, kegelförmiger Objekte aus Ton. Es sind Zazas, buddhistische Opfergaben, wie man sie in den Fundamenten von Tempeln findet. Für das ungeübte Auge kaum auszumachen, kommt nach der Bergung der ersten Tonkegel, eine Boddhisatva-Figur zum Vorschein, die Darstellung eines buddhistischen Heiligen. Wurzeln halten die Statue fest mit dem Erdreich verbunden. Die Unzahl buddhistischer Kleinfunde stellt die Wissenschaftler vor ein Rätsel: Ist der vermeintliche Palast in Wirklichkeit ein buddhistischer Tempel? Oder wurde der Palast nach dem Niedergang des mongolischen Weltreiches im 15. Jahrhundert in einen Tempel umgewandelt? Einige Indizien sprechen dafür:

Genauer Beobachter

Welches Gebäude aber hatte Rubruk in seinem Reisebericht beschrieben? Er war ein genauer Beobachter. Warum sollte er ausgerechnet bei der Beschreibung des Palastes seiner Phantasie freien Lauf gelassen haben? Seine Beobachtungen im Stadtgebiet von Karakorum stimmen mit denen chinesischer und persischer Reisender überein.

Riesige Öfen

Hans-Georg Hüttel studiert noch einmal den Bericht des Franziskanermönchs, sucht nach Details, die zu einer neuen Spur führen könnten. Rubruk schreibt: "Außerhalb des Palastes befindet sich ein Vorratsraum, wo die Getränke für den Silberbaum aufbewahrt werden." Unter Einsatz modernster Technik fertigen die Archäologen eine Art Röntgenbild des Areals an. Die Aufnahme des Bodens zeigt deutlich vier kreisrunde Signale in der Nähe des Hügels. Ist dies die "Camera extra palatio", die "Kammer außerhalb des Palastes", von der Rubruk spricht?


Es dauert drei Wochen, bis die Erde abgetragen ist - und doch legen die Archäologen nur ein neues Rätsel frei: Statt der erhofften Silberbaum-Kammern finden sie riesige Öfen, in denen Ziegel gebrannt wurden. Dieser in der Steppe einmalige Fund wirft neue Fragen auf: Eine Ziegelmanufaktur in unmittelbarer Umgebung eines Palastes? Oder stammen die Öfen aus späterer Zeit und lieferten das Baumaterial, als der Palast in einen buddhistischen Tempel verwandelt wurde? Die Auswertung der Funde legt diese Vermutung nahe:

Noch lange nicht hat die einstige Hauptstadt des mongolischen Weltreiches alle ihre Geheimnisse preisgegeben. Erst weitere Untersuchungen in den nächsten Jahren werden vielleicht auch das Rätsel um den Standort des Khan-Palastes lösen.

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