Der Platz an der Sonne

Wachstum und Machtzugewinn durch Waffenproduktion

Während das Bürgertum die Monarchie feiert und die Waffenproduktion in die Höhe schnellt, zeigt sich in den Armenvierteln der Städte die Kehrseite von Wachstum und Industrialisierung: Die Verelendung der Arbeiterschaft.

Viele Familien sind erst vor wenigen Jahren vom Land in die Großstadt gezogen und kämpfen ums Überleben.

Die Rückseite der Medaille

In den Elendsquartieren leben zu viele Menschen auf engstem Raum. Und es gibt zu viele Münder, die gefüllt sein wollen. Um das Nötigste zu beschaffen und die Miete bezahlen zu können, werden die Betten im Schichtbetrieb vermietet. "Schlafburschen" nennt man die zahlenden Kostgänger.



Aber für den Kaiser geht es immer vorwärts - er lebt auf der Sonnenseite. Regelmäßig sticht er mit seiner Yacht "Hohenzollern" in See: Kurs Norwegen. An Bord gibt er sich als "Herrscher der sieben Meere" - oder als Salonlöwe. In Sektlaune entwickelt er entsprechende Pläne: Eine neue Steuer auf Schaumwein soll seinen teuersten Traum finanzieren helfen. Der Flottenbau ist Wilhelms große Passion. Flottenminister Tirpitz hat einen faszinierenden Plan zum Aufbau einer gewaltigen Kriegsmarine entworfen, der Wilhelm begeistert. Denn damit bietet er sogar den bisherigen Herrschern der Meere, den Briten Paroli.

Markige Reden

Riesige Finanzmittel fließen in den Bau immer größerer Schiffe - Kriegsschiffe. Deren Schnelligkeit, Panzerung und Feuerkraft wird ständig erhöht. "Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser!", propagiert der Kaiser bei jedem Stapellauf. Und davon gibt es viele. Dass die Zukunft durch solch markige Reden vielleicht eher Baden geht kommt ihm nicht in den Sinn.

Geschütze neuester Generation

"Wir wollen niemanden in den Schatten stellen, aber wir wollen auch einen Platz an der Sonne!", so meldet Wilhelm unüberhörbar Deutschlands Anspruch auf ein Stück des kolonialen Kuchens an. "An Deutschlands Wesen soll die Welt genesen." Ein Vertrag mit dem chinesischen Kaiserhof besiegelt den Erwerb der Kolonie Kiautschou. Das private Fotoalbum des ersten Gouverneurs belegt den Ehrgeiz, in China ein getreues Abbild Deutschlands zu errichten.


In der Villa Hügel der Familie Krupp in Essen ist der Kaiser oft gern gesehener Gast. Unter dem Einfluss des mächtigen Waffenproduzenten betreibt er unaufhaltsam die Aufrüstung der Armee. Alfred Krupp entwirft eine Generation ganz neuartiger Geschütze, die vor allem die Festungsbollwerke der Belgier und Franzosen brechen sollen. Diese Waffen werden sich völlig von den Kanonen vergangener Kriege unterscheiden, so verspricht der größte Rüstungsmagnat Europas.

Enthusiastisch begeistert sich Wilhelm an der stetig wachsenden Waffenproduktion der deutschen Wirtschaft. Jeder Fabrikbesuch kommt einem Triumphzug gleich. Dabei steht das Reich im Rüstungstaumel nicht allein. Keine Großmacht möchte im Wettlauf um die dicksten Kanonen und die schnellsten Schiffe zurückfallen. Doch Krupp ist die Nummer Eins der Waffenschmieden. In Krupps Hallen wird ein gewaltiges Zerstörungspotenzial zusammen gebastelt.

Wilhelms Superwaffe

Die Arsenale der Kaiserlichen Truppen verfügen bald über modernste Superkanonen mit ungeheurer Durchschlagskraft. Das Prachtexemplar: Die "Dicke Bertha" - wie sie der Volksmund nach der beleibten Tochter Alfred Krupps genannt hat. Der 42 Tonnen schwere Steilfeuermörser wird in Einzelteilen transportiert und ist innerhalb von vier Stunden feuerbereit. Er verschießt 800 Kilogramm schwere Granaten über eine Entfernung von neun Kilometern - Wilhelms Superwaffe.

Moderne Zeiten - Der Zeppelin als charakteristisches Symbol für die späte Kaiserzeit ist riesengroß, bewegt sich majestätisch - und fliegt hoch. Sehr hoch. Doch wer hoch fliegt, kann auch tief stürzen. Europa vor dem Ersten Weltkrieg: Das sind bis an die Zähne bewaffnete Nationen, die voller Stolz sind. Und Deutschland hat sie sich alle zu Feinden gemacht. Manchmal genügt da schon ein kleiner Anstoß, um eine fatale Kettenreaktion auszulösen.

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