Der Pod-Antrieb

Auch der modernste alle Antriebe geht auf Ressels Ideen zurück

War Ressels Schiffsschraube bereits verlacht worden, blieb seine Abhandlung über eine drehbare Schiffsschraube vollkommen unbeachtet - zu Unrecht. Denn mit dieser Idee und seinen Skizzen nahm er ein Prinzip vorweg, das heute unter der Bezeichnung "Pod-Antrieb" (Pod = Gondel) zu einer der bedeutendsten Antriebsarten in der Schifffahrt geworden ist.

Podantrieb
Podantrieb Quelle: ZDF,INDAV

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelten die deutschen Ingenieure Pleuger und Busmann eine um 360 Grad drehbare Propellergondel zur Befestigung am Schiffsrumpf. Die Idee, eine Propellergondel einzusetzen, hatte sich zuerst in der Luftfahrt durchgesetzt. Graf von Zeppelin ließ seine nach ihm benannten gigantischen Luftschiffe durch mehrere noch starre Propellergondeln vorwärtstreiben und zugleich steuern. Pleuger und Busmann übertrugen diese Konstruktion dann auf die Schifffahrt und konstruierten die Gondeln frei drehbar.

Nie da gewesene Wendigkeit

Die Vorteile sind erheblich. Die Propeller müssen nicht mehr am Heck, sondern können auch an strömungsgünstigeren Rumpfsegmenten angebracht werden. Die Treibstoffkosten sinken, das Schiff bekommt eine nie da gewesene Wendigkeit. Durch Drehen der Schiffsschraubengondeln kann es auf engem Raum unmittelbar in jede gewünschte Richtung manövriert werden. Der Einsatz von Schleppern in Häfen wird überflüssig und streicht diesen für den Reeder nicht gerade kleinen Kostenposten. Außerdem wird keine Ruderanlage mehr benötigt, was Gewicht erspart.

Kreuzfahrtschiff
Kreuzfahrtschiff Quelle: ZDF

Der Schraubenantrieb selbst wurde mit der Zeit weiter überarbeitet und besteht heute aus zwei voreinander geschalteten Schrauben, die Wirkungsgrad und Antriebskraft noch einmal steigern. Durch alle diese Vorteile amortisieren sich die deutlich höheren Konstruktions- und Herstellungskosten bereits innerhalb weniger Jahre. So wie mit Brunels Passagierschiff, der "Great Britain", 1843 die Schiffsschraube ihren Siegeszug antrat, so setzten die 2004 vom Stapel gelassene "Queen Mary 2" und die 2006 in Dienst gestellte "Freedom of the Seas" mit ihren Pod-Antrieben neue Maßstäbe für den heutigen Schiffsantrieb. Sicher und wendig befördern diese Ozeanriesen Tausende Passagiere und Crewmitglieder von einem Urlaubshafen zum nächsten.

Zukunft: Antrieb ohne Mechanik

In den Schubladen der Erfinder befindet sich aber bereits eine Entwicklung, die den Einsatz von Propellern zum Schiffsantrieb überflüssig machen könnte. Der so genannte Magnethydrodynamische Antrieb (magneto hydrodynamic drive, kurz MHD) verzichtet vollkommen auf eine mechanische Kraftübertragung und nutzt die elektrische Leitfähigkeit des Salzwassers. Das Wasser wird durch ein Magnetfeld beschleunigt und pumpt das Schiff vorwärts. Vom japanischen Mitsubishi Konzern wurde in den 90er-Jahren ein erstes Versuchsboot konstruiert. Die "Yamato 1" konnte sich mithilfe eines MHD vorwärtsbewegen, wenngleich die Geschwindigkeit nur fünfzehn Stundenkilometer betrug.

Die Vorteile liegen auf der Hand. Es entsteht keine Kavitation, daher gibt es auch keine Geräusche, was selbstverständlich die Militärs an dieser Technik fasziniert. Auch entsteht keinerlei Verschleiß an Antriebsteilen, weil sich nichts mechanisch bewegt. Die Schwierigkeit, genug Antriebsgeschwindigkeit zu erzeugen, lässt das Projekt aber noch Zukunftsmusik sein.

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