Der Raub der Mona Lisa

Geheimnisvolle Geschichte eines spektakulären Kunstraubs

Am 21. August 1911 geschieht im Herzen des Pariser Louvre das Unfassbare. Ein Unbekannter bringt Leonardo da Vincis Meisterwerk in seinen Besitz. Vorbei an den Ikonen der Kunstgeschichte verschwindet das "Bild der Bilder". Doch nach zwei langen Jahren, taucht die geheimnisvolle Dame wieder auf. Mit ihr der Dieb und seine rätselhafte Geschichte.

Zwischen zwei Gemälden prangert die Lücke der Mona Lisa.
Zwischen zwei Gemälden klafft die Lücke der Mona Lisa (Spielszene). Quelle: ZDF

1996 erhält der renommierte Kunsthistoriker und Journalist Jerôme Coignard den Auftrag, ein Buch über die wahre Geschichte des spektakulären Kunstdiebstahls zu schreiben. Der Raub war einer der ersten Pressesensationen der Geschichte. Im Pariser Pressearchiv liegen fast alle französischen Zeitungsausgaben der Jahrhundertwende vollständig archiviert. Zwei Tage nach dem Raub überschlagen sich die Nachrichten. Schnell ist von ersten Ermittlungserfolgen der Polizei die Rede.

Modernste Ermittlungsmethoden

Am 22. August 1911 finden Polizeibeamte im Personaltreppenhaus des Louvre den prächtigen Rahmen, der kurz zuvor noch die Mona Lisa schmückte. Auch die Glasplatte, die vor wenigen Wochen zum Schutz des Meisterwerkes angefertigt wurde, ist unversehrt. Die Polizei wendet die modernsten Ermittlungsmethoden der Zeit an. Da der Fingerabdruck beim Herausdrücken des Bildes aus dem Rahmen entstanden sein muss, kann die Polizei sicher sein, dass es sich um den Abdruck des Täters handelt.

Nach einer Woche öffnet das Museum wieder für Besucher. Die nackte Wand wird zum Wallfahrtsort. Spätestens jetzt ist die Mona Lisa weltberühmt. Doch ohne konkrete Hinweise der ratlosen Polizei stützen sich die Journalisten auf reine Vermutungen. Es dauert nicht lange, bis die Presse den "Erbfeind" Deutschland verdächtigt, im Fall Mona Lisa die Finger im Spiel zu haben. Zeugen wollen zudem Wochen vor dem Diebstahl einen Deutschen im Louvre beobachtet haben, der sich immer wieder in der Nähe der Mona Lisa aufhielt. Denn 1911 setzt Wilhelm II. Frankreich unter Druck: Deutsche Soldaten sollen in Marokko landen, weil Frankreich das Land besetzt und deutsche Interessen verletzt hat. Die französische Presse vermutet nun, Wilhelm II. habe persönlich den Diebstahl der Mona Lisa angeordnet, um ein Druckmittel zu haben.

Geplatzter Deal

Fünf Wochen nach der Tat erhält die Polizei ein Telegramm: Ein holländischer Privatdetektiv ist auf eine heiße Spur gestoßen. Die so genannte "Pinon-Bande" bietet die Mona Lisa an. Am 7. Oktober 1911 nehmen zwei französische Ermittler im belgischen Gent die Spur auf. Als reicher amerikanischer Kunstinteressierter mit Dolmetscher aus Amerika getarnt, wollen sie herausfinden, ob die Kunsträuber und Fälscher das verschollene Kunstwerk wirklich haben. Ein Mitglied der Bande bietet den Underover-Ermittlern die Mona Lisa für 120.000 Francs an. Doch dann geschieht eine fatale Panne. Eine Zeitung hat Wind von den Ermittlungen bekommen und veröffentlicht die Geschichte, der Deal ist geplatzt.

1912 stellt die Polizei die Ermittlungen ein. Die Mona Lisa gilt als unwiederbringlich verloren. Erst im Dezember 1913 bringt eine Nachricht aus Italien den Wendepunkt: der Dieb ist in Florenz gefasst, die Mona Lisa unversehrt wieder aufgetaucht. Ein einfacher italienischer Arbeiter namens Vincenzo Peruggia soll es gewesen sein. Polizisten stürmen die Wohnung des Verdächtigen in Paris. Die italienischen Behörden haben die Adresse weitergegeben. In der Wohnung findet sich ein Notizbuch: Es listet bekannte internationale Kunsthändler, Sammler und amerikanischer Millionäre auf.

Im Auftrag von Kunsthändlern?

In den USA boomt die Wirtschaft zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Neureiche Tycoons wie Rockefeller sehnen sich nach dem Glanz der alten Welt und kaufen Kunstwerke aus Europa "en masse". Der gierigste von allen ist Eisenbahnkönig J. P. Morgan. "Wäre mir die Mona Lisa angeboten worden", lässt er verlauten, hätte ich sie gekauft und an Frankreich zurückgegeben." Hat Peruggia im Auftrag dieser Millionäre den Raub der Mona Lisa begangen? Auf der Suche nach versteckten Hinweisen auf mögliche Auftraggeber entdeckt Jerôme Coignard im Florenzer Staatsarchiv einen Brief vom 29. November 1913 an den Florentiner Kunsthändler Alfredo Geri. Peruggia bietet darin vorsichtig die Mona Lisa an und unterzeichnet mit "Leonard". Geri zeigt sich interessiert und nimmt Kontakt mit Uffiziendirekter Poggi auf.

Am 9. Dezember 1913 schreibt Peruggia ein Telegramm an den Kunsthändler Geri: "Ankunft - Florenz - Morgen - Leonard". Nicht weit vom Dom entfernt bezieht der ominöse Leonard, alias Vincenzo Perrugia ein Zimmer im Hotel Tripoli. Am Vormittag des 12. Dezember 1913 führt er Kunsthändler Geri und Uffiziendirektor Poggi zu einer Holzkiste. Der Direktor der Uffizien rechnet damit, eine der schlechten Fälschungen vorgesetzt zu bekommen, die ihm seit dem Verschwinden der Mona Lisa vor mehr als zwei Jahren schon mehrfach angeboten worden sind. Peruggia verlangt 500.000 Lire, heute etwa 1,5 Millionen Euro. Doch Poggi besteht zunächst auf eine Expertise und darf das Gemälde mit in die Uffizien nehmen. Die Überprüfung bestätigt die Echtheit des Bildes.

Erstaunliches Geständnis

Während Poggi und Geri die Polizei verständigt haben, wartet Peruggia vertrauensselig in der Via Panzani im Hotel Tripoli auf seine 500.000 Lire. Doch statt wie erhofft Kunsthändler Geri samt Geldkoffer steht der Polizeichef von Florenz vor der Tür und verhaftet ihn. Der 32jährige Peruggia lässt alles gelassen über sich ergehen. Sein Fingerabdruck erweist sich schnell als identisch mit dem, den die französische Polizei zwei Jahre zuvor auf dem Glas des Rahmens im Louvre entdeckt hat. Beim Verhör in Florenz wird es zu einem erstaunlichen Geständnis kommen.

Peruggias patriotische Beteuerungen fallen auf fruchtbaren Boden. Ein italienisches Gericht verurteilt ihn zu nur sieben Monaten und neun Tagen Gefängnis. Später geht Peruggia sogar erneut nach Frankreich. Die Rückgabe der Mona Lisa wird den Franzosen per Telegramm mitgeteilt. Im Januar 1914 kehrt sie zurück, obwohl die Stimmung in der italienischen Bevölkerung dem entgegen steht. Doch hat Peruggia wirklich auf eigene Faust gehandelt?

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