Der rebellische Pharao

Ramses-Nachfolger als Vorbild für Moses

Wissenschaftler glauben heute, dass nomadisierende Stämme im Pharaonenreich das "Volk des Moses" gebildet haben könnten, von dem die Bibel erzählt. Und der Beweis dafür findet sich an Felswänden auf der Sinaihalbinsel. Auch ein Portrait eines rebellischen Pharao deutet auf Parallelen zur Bibelfigur Moses.

Es sind Vorformen hebräischer Schriftzeichen, völlig verschieden von den Hieroglyphen der Ägypter. Dokumente einer ganz anderen, eigenständigen Kultur, die sich über drei Jahrtausende im Fels erhalten haben. Einer Kultur, die unter der Knute der alten ägyptischen Macht stand, und doch ihre Identität bewahrte.

Zuckerbrot und Peitsche




Die Erinnerung an diese Kultur hat die Bibel festgehalten. Im Schatten der Pyramiden schuftet das Volk der Hebräer. Die Herstellung von Baumaterial verlangt Heere von Arbeitern. Der perfekt durchorganisierte Beamtenstaat regiert mit Zuckerbrot und Peitsche: Einerseits ermöglicht er den fremden Siedlern das Überleben, andererseits lässt er sie mit harter Hand spüren, wer Herr im ägyptischen Reich ist.

Die systematische Unterdrückung schürt Widerstand. Und ein kleiner Zwischenfall reicht aus, um das Feuer an die Lunte zu legen. Die Bibel berichtet in knappen Worten: "Als Moses groß geworden war, sah er einen Ägypter, der einen seiner Volksgenossen schlug." "Und Moses entbrannte vor Zorn und erschlug den Ägypter und vergrub ihn im Sand." Moses, der Rebell, muss fliehen. Im Nordwesten der Halbinsel Sinai, rund 400 Kilometer von Ägypten entfernt, erreicht er sicheren Boden: das biblische Land Midian. Eine Geschichte mit vorläufigem Happy-End: Moses nimmt ein einheimisches Mädchen zur Frau - und lebt mit ihr im Lande Kusch. Alles Legende - oder geschichtliche Wirklichkeit?

Verblüffende Parallelen




Amun-Masesa heißt der rebellische Pharao, von dem der Rest einer Statue erhalten ist. Masesa - Moses - die Namen scheinen verwandt zu sein. Hat die Bibel die uralte Erinnerung an den aufständischen Pharao in der Geschichte von Moses weiterverarbeitet? Die Parallelen zwischen Masesa und Moses sind verblüffend: Beide haben sich zehn Jahre lang im Lande Kusch aufgehalten, beide haben eine kuschitische Frau geheiratet - und beide kehren nach Ägypten zurück, um den Pharao zu bekämpfen. Wenn Masesa und Moses ein und dieselbe Person sind, dann ist die verwitterte Inschrift Masesas ein handfester Beweis für die Geschichte der Bibel.



Und der Tempel von Amada, am Ufer des Nasser-Sees in Oberägypten, würde eine wirkliche Sensation bergen: Das verwitterte Relief, das den rebellischen Pharao zeigt, wäre dann als ein Portrait von Moses anzusehen. Einige Wissenschaftler glauben, dass das Bild von der Tempelwand der Pharaonen das einzige archäologische Indiz für die Existenz von Moses ist. Ein über 3000 Jahre altes von Wind und Wüstensand abgeschliffenes Relief. Moderne Technik kann die uralte Steinmetzarbeit rekonstruieren. Moses könnte in Wirklichkeit wie ein ägyptischer Pharao ausgesehen haben. Wenn diese Theorie stimmt, dann ist dies das einzige Portrait des Mannes, auf den sich noch heute drei Milliarden Menschen berufen - Juden, Christen und Moslems.

Bewahrt und umgedichtet

Die Pharaonen haben alles getan, um die Erinnerung an den Rebellen auszulöschen. Doch die Bibel hat die Erinnerung bewahrt - und umgedichtet. Aus dem Ägypter wurde der Israelit, aus dem Aufrührer gegen den Pharao wurde der Freiheitskämpfer. Und Gott - so erzählt es die Bibel - hilft ihm dabei.

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