Der römische Limes

Bollwerk gegen Eindringlinge

Limes heißt im Lateinischen einfach Verbindungsweg für Grenzpatrouillen. Um freie Sicht auf den Feind zu haben, wurde der Wald großflächig abgeholzt. Diese Schneisen sind noch vielerorts zu finden.

Über sechzig Limeskastelle sicherten im Abstand von zehn Kilometern die Grenze, ein Beispiel dafür ist die rekonstruierte Saalburg bei Bad Homburg. Kohorten mit 500 Legionären und Reitern waren in ihnen stationiert, um die Beutezüge der Germanen in römisches Gebiet zu verhindern. "Als die Germanen nach ihrer Gewohnheit die Römer immer wieder überfielen und dabei einen sicheren Rückzug in die Tiefen des Waldes hatten, ließ der Kaiser Schneisen in den Wald schlagen."

Mauer gegen die Barbaren

Aber die Nordgrenze des Imperiums sollte auch mächtig und abschreckend erscheinen: "Wo die Germanen nicht durch Flüsse von uns geschieden sind, ließ Kaiser Hadrian mächtige Baumstämme in den Erdboden rammen. So errichtete er eine Mauer zwischen uns und den Barbaren." Die Grenzer kamen aus dem Mittelmeerraum. Man kann sich gut vorstellen, wie unbeliebt das regnerisch-kalte Land voll wilder Germanen war. Der Dienst war alles andere als ungefährlich: In einem Graben fanden Archäologen 93 abgeschlagene Römerhände.

Mehr als 900 Wachtürme standen am Limes. Dennoch: Ein nicht zu überwindendes Bollwerk war er nicht. Man hat ganz bewusst an vielen Stellen Durchgänge offengehalten, über die man dann den Grenzverkehr geleitet hat. Am ehesten muss man sich den Limes also als eine streng bewachte Demarkationslinie vorstellen. Es galt, illegalen Waffenschmuggel zu verhindern, Diebesgut zu konfiszieren und Zölle auf Wein, Öl und Tonwaren zu erheben. Besonders begehrt bei den Germanen waren römische Luxusgüter, wie kostbare Glaswaren aus Köln. Umgekehrt wurden vor allem Felle ins Römische Reich exportiert. An den Checkpoints wurde nicht nur Ein- und Ausfuhr kontrolliert, sondern auch der Zuzug von Wirtschaftsasylanten, die tagtägliche kleine Völkerwanderung ins Römische Reich.

Flavus, der Blonde

Zehntausende kamen über die Grenze. Als Legionäre erhielten sie die "Green Card". Viele wurden sogar römische Bürger, mit Anspruch auf Bäder, Brot und Spiele, auf Pension und auf ein Grabmal für die Ewigkeit - wie der germanische Reiter Bassus, den sie nur Flavus, den Blonden, nannten. Zu seinen Pflichten in römischen Diensten gehörte es auch, andere Germanen am illegalen Grenzübertritt zu hindern.

Als in vielen Teilen des Reiches der Druck der Barbaren auf die Grenzen zunahm, gelang es fränkischen und alemannischen Horden um 260 den Limes zu überrennen und tief ins Reich vorzudringen. Das Imperium hatte bereits begonnen, den Limes aufzugeben, Truppen abzuziehen und in andere Grenzgebiete zu verlegen.

Römische Sorgen

Denn in Rom hatte man andere Sorgen: Das Weltreich vom Nil bis an den Atlantik musste an vielen Fronten Krieg führen. Überall fehlte es an Truppen und Geld. So unterschätzte man in Rom, was sich jenseits von Rhein und Donau abspielte. Dort entstanden im 3. Jahrhundert aus vielen kleineren Völkern mächtige germanische Verbände.

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