Der Rote und das "grüne Land"

Erik, Herrscher über Grönland

Dass nicht alle in Island ihr Glück fanden, bezeugt die Sage von Erik, dem Roten. Er schien davon besessen, das "grüne Land" zu finden, eine Art ultimatives Wikingerparadies. Ganz nebenbei entzog er sich mit seiner Fahrt weiter gen Westen auch einem Mordprozess.

Nach wochenlanger, gefahrvoller Reise im Packeis, traf der Konvoi tatsächlich in Grönland ein. Die Expedition stand allerdings unter keinem guten Stern. Von den 25 Schiffen erreichten nur 14 ihr Ziel.

Die "neue Welt"

Tatsächlich zeigte sich Grönland zunächst als "grünes" Land", aber die Nähe der Gletscher war stets zu spüren. Nur ein schmaler Landstreifen entlang der Küste blieb ganzjährig eisfrei. Immerhin reichten die Parzellen aus, um die Leute zufrieden zu stellen, denen Erik eine "neue Welt" versprochen hatte.


In den folgenden Jahren wurde Erik einer der bedeutendsten Herrscher der Kolonie und verkaufte sein Konzept des "Grünlandes" an alle, die nachfolgten. Er führte damit einen Exodus aus Island herbei, das durch religiöse und politische Konflikte völlig zerrissen war. In kürzester Zeit lebten etwa 3000 Menschen an der Südwestküste Grönlands und gründeten Hunderte von neuen Bauernhöfen.

Geweihte Erde

Wahrscheinlich errichtete jeder Anführer in Grönland auf seinem Grund eine eigene Kirche. Innerhalb der Kirchhöfe war die Erde geweiht und konnte für Beerdigungen genutzt werden. Doch das Leben in Grönland war ganz und gar nicht so paradiesisch war wie in Eriks Phantasie:

Möglicherweise verlief die Aufteilung der Ländereien blutig. Denkbar ist aber auch, dass die Wikinger die Konflikte zwischen Heiden und Christen mit nach Grönland gebracht hatten. Schriftliche Berichte, die die Befunde erklären, gibt es nicht. Eher anekdotenhaft erzählt die Erik-Sage von dem sehr privaten Glaubenskrieg und der Bekehrung des Helden.

Der "richtige Glaube"

Erik der Rote war einer der Anführer, die in Grönland gegen das Christentum opponierten. Der Sage nach soll er jedoch mit einer sehr willensstarken Frau verheiratet gewesen sein. Sie verlangte von ihm, ihr eine Kirche zu bauen und den neuen Glauben anzunehmen.


Am Ende musste Erik sich fügen, denn die Dame verlieh ihren Forderungen Nachdruck mit einem Ehestreik. Und so wurde Grönland eine christliche Kolonie. Dem Handel diente die Zugehörigkeit zum "richtigen Glauben" allemal. Vor allem die Zähne von Narwalen und Walrössern fanden im mittelalterlichen Europa reißenden Absatz als vermeintliche Einhornhörner. Sogar der Papst soll zu den Empfängern der Zähne gehört haben.

Große Überraschung

Zur gleichen Zeit wie die Wikinger erreichten die Inuit Grönland. Sie kamen ursprünglich aus dem Norden Kanadas. Ihre ersten Treffen waren vermutlich eine große Überraschung für beide Seiten. Und obwohl in Geschichten gelegentlich von Feindseligkeiten die Rede ist, müssen diese Begegnungen in der Regel friedlich verlaufen sein.

Anders als die Nordmänner wussten die Inuit bereits, die arktischen Ressourcen optimal auszunutzen. Seile aus Seehundhaut, Elfenbein vom Walross und die Felle von Robben und Eisbären waren ihre Exportschlager. Die findigen Wikinger verkauften vor allem die unzerstörbaren Seile und das Elfenbein mit großem Gewinn weiter. Diese Handelgüter machten die grönländische Kolonie reich und sorgten dafür, dass die europäischen Händler eine regelmäßig befahrene Handelroute nach Grönland einrichteten. Obwohl die Passage gefährlich war, schien sich das Wagnis zu lohnen.

Die Expansion in den Osten erschloss den Wikingern Märkte bis nach Asien und Nordafrika. Durch ihre Nordatlantikkolonien verfügten sie über das erste weltweit operierende Handelsimperium der Geschichte.

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