Der sächsische "Stammvater"

Unglückliche Ehefrau, zielstrebige Mätressen und zahlreiche Kinder

Das Liebesleben des Kurfürsten inspirierte die Fantasie seiner Zeitgenossen über alle Maßen. 354 Kinder soll der sächsische Casanova mit seinen zahlreichen Mätressen und anderen Liebschaften gezeugt haben. Doch wie reich war der Kindersegen des sächsischen "Stammvaters" tatsächlich?

August im Kreis seiner Kinder (Spielszene)
August im Kreis seiner Kinder (Spielszene) Quelle: ZDF
Gemälde Aurora von Sachsen
Gemälde Aurora Gräfin von Königsmarck Quelle: ZDF

Das Gerücht, August habe 354 Kinder, stammt von Wilhelmine Friederike von Preußen, der Schwester Friedrichs des Großen. Sie wollte damit wohl nur zum Ausdruck bringen, dass August sich nicht mit nur einer Mätresse, geschweige denn mit seiner Ehefrau begnügte. Mätressen gehören zu seinem Image als "Sonnenkönig". Schon mit 16 verliebt er sich zum ersten Mal. Während Augusts Mutter die Hofdame vom Schloss weist, erlaubt sein Vater, der es selbst nicht so genau nahm mit der Treue, ihre Rückkehr. Schon kurz nach seiner Hochzeit mit Christiane Eberhardine verbringt er mehr Zeit mit anderen Frauen als mit seiner Gattin. So kommt es, dass die sittsame Gattin Augusts der Mätresse Maria Aurora von Königsmarck mit der Geburt des Kurprinzen 1696 nur um Haaresbreite zuvor kommt.

Freundschaftliches Verhältnis

Gemälde Moritz von Sachsen
Gemälde Moritz von Sachsen Quelle: ZDF

Während Augusts Beziehung zu seiner ersten Mätresse, Sophie von Kessel, zu starken Konflikten mit Christiane Eberhardine und seiner Mutter führen, verkehren die beiden mit der Mätresse Maria Aurora von Königsmarck beinahe freundschaftlich. Die Schwedin ist an den sächsischen Hof gekommen, um Hilfe bei der Suche nach ihrem Bruder zu erhalten, den August auf seiner Grand Tour kennengelernt hatte. Sie ist am Hof äußerst beliebt, auch weil sie August immer wieder ermahnt, sich seiner Frau gegenüber respektvoll und höflich zu verhalten. Elf Tage nach der Geburt des Kurprinzen erblickt ihr Sohn Moritz von Sachsen das Licht der Welt. Von all seinen Söhnen soll er August charakterlich und äußerlich am ähnlichsten gewesen sein. Aus ihm wird ein berühmter Feldherr werden.

Die Kurfürstin und Maria Aurora liegen noch im Wochenbett, als August sich schon mit der nächsten vergnügt: Maximiliane Hiserle von Chodau, Gräfin Esterle. Den gehörnten Ehemann der Gräfin Esterle besänftigt August mit einer Jahresrente von 20.000 Talern. Er verzichtet dafür vorübergehend auf seine ehelichen Rechte und sagt zu, eventuelle Kinder Augusts als seine eigenen anzusehen. Auch in dieser Situation verhält sich Maria Aurora geschickt. Anstatt sich über Untreue des Kurfürsten zu beschweren, begrüßt sie Augusts neue Mätresse höflich. Maria Aurora hat bereits ausgesorgt: Mit Augusts Hilfe wird sie zur Pröpstin des Damenstiftskapitel von Quedlinburg. Der Kurfürst und sie pflegen bis zu ihrem Tod 1728 ein freundschaftliches Verhältnis. Die gebürtige Schwedin vermittelt sogar zwischen ihm und Karl XII. während des Nordischen Krieges. Auch seine polnische Staatsmätresse Ursula Lubomirska beglückt ihn 1704 mit einem Buben: Johann Georg, den er zum Ritter macht.

Liebestoller König

Gemälde Henriette Renard
Gemälde Henriette Renard Quelle: ZDF

Bereits drei Jahre zuvor bändelt der "Sultan von Sachsen" mit einer exotischen Schönheit namens Fatima an, einer Türkin, die als Kriegsbeute nach Polen gekommen sein soll. August arrangiert ihre Heirat mit seinem Kammerdiener Spiegel. Mit Fatima zeugt August 1702 einen Sohn - noch ein Friedrich August - und 1706 eine Tochter, Katharina. Der liebestolle König lässt sich sogar auf ein Abenteuer mit einer polnischen Wirtshaustochter ein. Aus der "Besenkammer-Affäre" mit Henriette Renard geht Anna-Cathérina hervor. Seine illegitime Lieblingstochter adelt August zur Gräfin. Er soll sich so gut mit seiner angeblich hübschesten Tochter verstanden haben, dass den beiden sogar ein inzestuöses Verhältnis angedichtet wurde.

1704 lernt August Anna Constantia von Hoym kennen. Laut einer Legende wettet er mit seinen Ministern, wer die schönste Gespielin habe. Sein Finanzchef Hoym behauptet, er habe keine Mätresse, da seine Ehefrau "schön wie eine Göttin" sei. August wettet 1000 Taler, dass sie nicht an die Schönsten am Hof heranreicht. Doch als er Anna Constantia sieht, fängt er sofort Feuer. Ihre Ehe mit Ludwig Gebhardt von Hoym ist seit langem zerrüttet. Und vermutlich hat man sie dem König gezielt zugeführt, um den Einfluss seiner polnischen Mätresse einzudämmen. August braucht in Dresden eine loyale Frau zur Linken.

Gemälde Anna-Constantia
Gemälde Anna-Constantia Quelle: ZDF

Brisanter Ehevertrag

Doch bei der Grande Dame hat August kein leichtes Spiel. Sie ist eine Meisterin der Verführung - und denkt nicht daran, sich dem verliebten Monarchen bei erster Gelegenheit hinzugeben. Die kluge Gattin des Finanzministers weiß ganz genau, was sie will. August redet von Liebe und ewiger Treue. Anna Constantia aber geht es um Geld und Sicherheiten. Sie verlangt einen Ehevertrag. Er setzt ihre Scheidung durch, adelt sie zur Gräfin Cosel und unterschreibt den brisanten Ehevertrag. Die schöne Gräfin beherrscht die Kunst, den königlichen Don Juan an sich zu fesseln. Zwar verzichtet er nicht auf Seitensprünge, aber er kehrt immer wieder zu ihr zurück. Aus der Liaison des Königs mit seiner großen Liebe gehen drei Kinder hervor, die von August legitimiert und reich versorgt werden: Augusta Constantia, Friederike Alexandra - und der dritte Friedrich August.

Letzten Endes sind es ihr Ehrgeiz und ihre politischen Ambitionen, die sie scheitern lassen. Die Stimmung kippt, als die Gräfin den von August geplanten Glaubenswechsel des Thronnachfolgers zu verhindern sucht. Der Erstgeborene des Königs soll die polnische Krone erben und muss dazu erst katholisch werden. Als sie versucht, August mit dem Ehevertrag zu erpressen, lässt er sie 1716 gefangen nehmen. Fast 50 Jahre lebt sie eingesperrt in der Burg Stolpen - bis zu ihrem Tod. In das Leben des Königs treten noch drei Favoritinnen. Als "Playboy auf dem Sachsenthron" lebt er bis heute fort.

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