Der Stein der Herrscher

Die blauen Steine der Pharaonen

Kleopatra nutzte die Farbkraft des Lapislazuli für ihre Kosmetik, Alexander der Große dagegen seine finanzielle Kraft, durch die er Verbündete erkaufte. In der Antike war der Stein hochgeschätzt.

Vor Tausenden von Jahren war der Herrscher von Ur in Mesopotamien der Auftraggeber für ein Spielbrett, in dem Lapislazuli eingelegt war. Es wurde in den Königsgräbern von Ur gefunden, zusammen mit vielen anderen prächtigen Gegenständen aus Lapislazuli und Gold. Es wurde vermutlich in Afghanistan hergestellt. Schmuck aus Lapislazuli und Gold wird bereits in der ältesten sumerischen Quelle, dem Epos "Enmerkar und der Herr von Aratta", erwähnt. Der Dichter weiß auch vom Ursprung des Geschmeides zu berichten, einem "Gebirge von glänzendem Lapislazuli". Einer sumerischen Hymne zufolge wurde der "blaue Berg" in grauer Vorzeit dem Gott Martu übereignet. Zu den berühmtesten Werken aus Lapis gehört der "Widder im Dickicht".

Die Regenten der mesopotamischen Städte ließen Lapislazuli in großem Stil aus Afghanistan importieren. Iranische Völker fungierten mit großer Wahrscheinlichkeit als Zwischenhändler. Sumerische Quellen enthalten immer wieder Lehnwörter, die diesen Schluss nahe legen. Aber nicht nur durch friedliche Handelsbeziehungen verschaffte sich Mesopotamien die begehrten Schätze. Die "Standarte von Ur", ein Holzkasten mit Lapisverkleidung, zeigt einen Feldzug des Königs.

Der große Eroberer

Vor 2300 Jahren zog kein Geringerer als Alexander der Große über den Hindukusch. Der Schüler des Aristoteles vermutete in dieser Gegend den legendären Verbannungsort des Prometheus, den Göttervater Zeus bestrafte, weil er den Menschen das Feuer übergeben und sie in die Künste der Zivilisation eingewiesen hatte.

Der Abbau in der Antike

Erst einmal angekommen, rekrutierte Alexander als pragmatischer Kriegsherr neue Soldaten. Viele Afghanen schlossen sich ihm an. Alexanders Heerzug muss sich kilometerweit hingezogen haben. Angeblich brauchte er 16 Tage, um den Hindukusch zu überqueren. Antike Geschichtsschreiber berichten über hohe Verluste und am Boden festgefrorene Soldaten. Ob Alexander sich für die Lage der Lapisminen interessierte, ist fraglich. Fest steht allerdings, dass er von hier aus blaue Steine nach Indien brachte, mit denen er sich Verbündete erkaufte.
In der Antike hatte man eine gefährliche Methode, Lapislazuli abzubauen. Man heizte den Fels auf, dann kühlte man ihn mit einem Schwall kalten Wassers blitzartig ab. Der Temperaturunterschied sprengte den Stein ab. Damals müssen die Arbeitsbedingungen sehr unmenschlich gewesen sein. Das Feuer verschlang viel Sauerstoff, trotzdem musste der kalte Guss von einem Arbeiter aus direkter Nähe durchgeführt werden. Wie viele Männer an Kohlenmonoxidvergiftung starben oder von herumgeschleuderten Gesteinsbrocken getroffen wurden, kann niemand erahnen.

Endverbraucher Kleopatra

Der Hindukush war schon zur Zeit der Ägypter Umschlagplatz für Lasttiere und Waren. Vom antiken Afghanistan, das man damals "Ariana", Land der Arier, nannte, sollen iranische Händler solche Etappen in regelmäßigen Abständen über den Ostiran bis zu den Zielorten an Euphrat, Tigris und Nil eingerichtet haben. Die berühmteste Lapis-Konsumentin war vermutlich Kleopatra. In einem mühevollen Prozess stellten ihre Diener aus dem heiligen Stein ein tiefblaues Pulver her. Die Monarchin, die für ihren guten Geschmack und ihre betörende Schönheit berühmt war, soll das begehrte Mineral einem neuen Verwendungszweck zugeführt haben. Sie benutzte Lapisstaub in Öl, um ihr unvergleichbares Augenmake-up aufzutragen. Damit erfand sie vermutlich keine neue Mode, sondern folgte einer sehr alten Tradition. Zusammen mit Gold schmückte der tiefblaue Edelstein die Insignien vieler Pharaonen, denn Priester und Gelehrte sahen im Lapislazuli die göttliche Farbe des Himmels. Das bekannteste Beispiel dieser königlichen Kombination ist die Totenmaske des Tut-Ench-Amun. Auffällig ist auch bei ihm der Lidstrich aus Lapis.

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