Der Todesstreifen von Alesia

Ein nahezu perfektes System der Abschreckung

Die Niederlage bei Gergovia hat den Mythos von der Unbesiegbarkeit Caesars zerstört. Seine Truppen sind erschöpft. Aber Caesar gibt nicht auf. Er will die Entscheidung: Er entschließt sich zur Belagerung der Bergfestung Alesia. Dorthin hatte sich Vercingetorix mit seinen Truppen zurückgezogen. Wollte er Caesar in eine Falle locken?

In Eilmärschen rücken die Römer vor die Stadt. Dort eingetroffen, entwirft Caesar seine Belagerungsanlagen.

Zweifrontenkrieg

Ein innerer Ring soll die in Alesia Eingeschlossenen am Ausbruch hindern, ein äußerer Ring das Römerlager vor feindlichen Angriffen schützen. 50.000 Soldaten treffen ein. Die gesamten in Gallien stationierten Legionen werden vor Alesia zusammengezogen. Caesar richtet sich mit seinen Belagerungswerken auf einen Zweifrontenkrieg ein.



Ein Furcht erregender Anblick für die Verteidiger von Alesia: der Aufmarsch der schwer bewaffneten Legionäre. Die römischen Pioniereinheiten beginnen sofort mit der Errichtung der Befestigungsanlagen. Manche Historiker sagen, die Römer hätten viele Schlachten nicht durch das Schwert, sondern durch den Spaten gewonnen.

Raffinierte Konstruktion

Bevor die Kelten völlig eingekesselt sind, schickt Vercingetorix Boten zu den verbündeten gallischen Stämmen. Sie sollen den Belagerungsring der Römer von außen angreifen. Caesar weiß, seine Armee wird beim Eintreffen eines Entsatzheeres unterlegen sein. Umso raffinierter konstruiert er jetzt die Befestigungsanlagen. Was Caesar vor Alesia ins Werk setzt, hat es noch nie gegeben: Ein Todesstreifen entsteht: Fallgruben, Sperren, Stacheln, Wassergräben - ein nahezu perfektes System der Abschreckung.



Die Angreifer müssen zuerst durch ein Feld von Ochsenstacheln, danach über acht Reihen Fallgruben, in denen mit Feuer gehärtete Holzpfähle verborgen sind. Dann müssen sie Sperren aus schräg aufragenden Ästen überwinden sowie zwei mit Wasser gefüllte Gräben, bis schließlich vor ihnen der vier Meter hohe Verteidigungswall, bewehrt mit Holzpalisaden und Türmen, aufragt. Ein schier unüberwindbares Hindernis für die auf dem Berg Eingeschlossenen und ihre Bundesgenossen.

Merkwürdige Strukturen

Aber wo lag eigentlich Alesia? Woher wissen wir, wo die letzte Schlacht der Kelten stattfand? Der Fotograf René Goguey hat die Suche nach den Spuren des Gallischen Krieges zu seiner Lebensaufgabe gemacht. Betrachtet man den Hügel des historischen Alesia - oberhalb des heutigen Alise-St. Reine, einem kleinen Städtchen im Herzen Burgunds, fällt es auf den ersten Blick schwer, sich ein Bild der Anlagen aus der Zeit der Römer und Kelten zu machen.

Doch durch die Bearbeitung der Fotografien mit digitaler Technik werden plötzlich merkwürdige Strukturen sichtbar. Denn dort, wo einst hölzerne Befestigungsanlagen standen, hat sich die Vegetation anders entwickelt als in der Umgebung. Auch wenn man im Boden kaum noch etwas findet - aus der Luft sieht man die Spuren des Krieges genau.

Die Verzweiflung wächst

Das gewaltige Ausmaß der Sperranlagen zeigt, mit welchem Einsatz die römischen Soldaten vor Alesia gearbeitet haben: In nur sechs Wochen entstehen ein 16 Kilometer langer Belagerungsring und ein 21 Kilometer langer Verteidigungsring. In Alesia wächst die Verzweiflung. Tag für Tag rüsten sich die Kelten für eine mögliche Schlacht, während der römische Todesstreifen immer bedrohlichere Dimensionen annimmt.

Bisher warten sie vergeblich auf Hilfe von außen, ohne die der Kampf gegen die Belagerer hoffnungslos erscheint. Die Lage spitzt sich dramatisch zu, als die nur für 30 Tage angelegten Vorräte zur Neige gehen. Ist Vercingetorix am Ende? Wo bleibt die Entsatzarmee? Die Römer scheinen sich auf eine lange Belagerungszeit eingerichtet zu haben.

Grausame Entscheidung



Caesar berichtet, die verzweifelten und ausgehungerten Kelten hätten in ihrer Not erwogen, Menschenfleisch zu essen. Die Mehrheit jedoch habe dies entsetzt abgelehnt. Am Ende fiel die Entscheidung, alle kampfuntauglichen Esser - Greise, Frauen und Kinder - aus der Festung zu schicken. Wie groß muss die Verzweiflung gewesen sein, um solch eine grausame Entscheidung zu treffen und taub für das Flehen der Verstoßenen zu sein?



Den Vertriebenen bleibt nur die Hoffnung, dass der Feind sie aufnimmt. Caesar aber schweigt - die Not seiner eigenen Truppen vor Augen. Es gibt keine Rettung - Elend gehen die Hungernden zugrunde; Freund und Feind sehen tatenlos zu.

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