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Der Trick bei der Teilung

Ablenkungsmanöver mit Altarbild von Echnatons Familie

Dokumente aus dem Borchardts Nachlass geben Einblicke in die Tage nach der Entdeckung der "bunten Königin". Wie konnte Borchardt die auffällige Büste auf seine Seite bringen? Bis heute ist das Gerücht nicht auszumerzen, Borchardt habe mit der Nofretete einen Fake inszeniert.

Borchardt bei der Fundteilung (Spielszene)
Borchardt bei der Fundteilung (Spielszene) Quelle: ZDF/Alexander Hein

Fotos bezeugen, wie dieser Verdacht in die Welt kam: Prominente Gäste aus Deutschland besuchen die Grabung. Unterstellt man Borchardt deshalb ein ungewöhnlich "buntes Schaustück" gefälscht zu haben? Wollte er mit einem Jahrhundertfund glänzen? Durch Zufall begab sich, dass am selben Tag als die Büste der Nofretete zum Tageslicht kommt, eine sächsische Hofgesellschaft auf der Grabung anwesend war. Borchardt befürchtet, dass die Hofgesellschaft bei ihrer Rückkehr nach Kairo die Funde publik machen würde.

Geheimsache Nofretete

Ludwig Borchardt hätte die Nofretete am allerliebsten zur Geheimsache gemacht. Selbst Mimi, der er alles anvertraut, gibt er nur zögerlich Auskunft. Doch was ist sein Motiv? Nur ein einziges Foto zeigt den Entdecker mit seinem größten Fund. Von Anfang an versucht Borchardt, die Sache herunter zu spielen. Das belegen auch Briefe, die erst jetzt gefunden wurden. Echnaton und seine Familie "fangen an, mich zu langweilen", schreibt er an Mimi - und berichtet im nächsten Satz über die Anschaffung einer Wurstschneidemaschine.

Doch Borchardt weiß, was für einen Schatz er ausgegraben hat. "Meine bunte Königin" nennt er die rätselhafte Schöne und vergleicht sie mit den Meisterwerken der Renaissance. Doch die Stunde der Wahrheit rückt näher: Borchardt muss die Hälfte seiner Fundstücke an Ägypten abtreten. Wird man ihm die "bunte Königin" überlassen? Später wird man ihm unterstellen, er habe die Büste mit Lehm beschmiert, um die Ägypter zu täuschen und sie so nach Deutschland zu schmuggeln. Am Abend vor der Teilung nimmt Borchardt mit deutschen Kollegen Abschied von der Nofretete. Seine Strategie für den Tag der Entscheidung verrät er nicht.

Abschied von Nofretete (Spielszene)
Abschied von Nofretete (Spielszene) Quelle: ZDF

Vergleiche mit Olympia und Pergamon

Der Archäologe Olaf Matthes hat die Umstände der Fundaufteilung genau untersucht. In Briefen, die Borchardt an seinen Mäzen James Simon schrieb, vergleicht er seine Arbeit in Amarna mit den weltberühmten Grabungen in Olympia und Pergamon.

Was geschah bei der Teilung? "Er konnte ein Fuchs sein, wenn es nötig war", so ein Kollege über Borchardt. Bis heute kursieren Gerüchte, dass er der ägyptischen Seite die Nofretete vorenthalten hat. Beweise gibt es dafür nicht. Sicher ist, dass er die Skulpturen-Sammlung aus wissenschaftlichen Gründen nicht auseinander reißen will. Welches "Juwel" aber bleibt für die Ägypter? Borchardts "Köder" war ein Altarbild aus einem Tempel in Amarna: Ein Familienporträt von Echnaton und Nofretete mit ihren Kindern.

Altarbild aus einem Tempel in Amarna
Altarbild aus einem Tempel in Amarna Quelle: ZDF

Verhandlungsgeschick

"Dass dieses Ergebnis zustande kam", so Borchardt, "lag an der geringeren Fähigkeit Monsieur Lefebvres in der Beurteilung von Kunstwerken - und auch mein Geschick bei den Verhandlungen hat überwogen." "Heute verlässt I.M. mein Haus", schreibt Borchardt nach der Teilung an Simon - I.M. steht für "Ihre Majestät". Gleichzeitig bittet er, man möge die Sache in Berlin "nicht nur diskret, sondern sekret" behandeln: höchste Geheimstufe für die bunte Königin - sonst werde man zukünftig kein anständiges Stück mehr bekommen. Der Archäologe fürchtet um seine Grabungserlaubnis, wenn der Fall publik wird. Doch Berlin möchte Nofretete entgegen Borchardts Ratschlägen ausstellen.

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