Der Turmbau zu Babel

Ein Wolkenkratzer zu Ehren des falschen Gottes

Im Kampf um kulturelle und religiöse Identität grenzt sich die Bibel immer wieder ab gegen die fremde Kultur Babylons und ihre Bewohner. So berichtet sie von einem Turm, der bis in den Himmel wächst. Für diesen Frevel bestraft Gott die Babylonier, indem er ihre Sprache verwirrt und die Menschen in alle Länder zerstreut.

Bis heute ist der Turm von Babel ein Symbol für menschlichen Größenwahn, für das Streben über alle Grenzen hinaus, für die Verführung, die bei den Menschen immer darin besteht, dass sie glauben, alles zu können.

Ein Tempel für Marduk

Vor zweieinhalbtausend Jahren entsteht in Babylon ein gigantisches Bauwerk. Doch vom Turm zu Babel sind nur noch Reste zu erkennen. Angeblich zerstört die Armee Alexanders des Großen den riesigen Tempel, der dann Jahrhunderte lang nur als Steinbruch benutzt wird. Von dem einst mächtiger Turm ist heute nur noch ein sumpfiges Loch im Boden zu erkennen.


Doch selbst aus den spärlichen Resten gelingt es Forschern, einige Informationen über das gewaltige Gebäude zu erhalten. Sie rekonstruieren eine Stufenpyramide, gekrönt von einem Tempel des babylonischen Stadtgottes Marduk, einen 70 Meter hohen Wolkenkratzer zu Ehren Gottes.

Frevelhafter Turm

Die Bibel interpretiert das architektonische Meisterwerk anders. Sie verkündet, dass Menschen, die versuchen, einen Turm in den Himmel zu bauen, sich selbst zu Göttern machen wollen.





Hintergrund ist sicherlich die Angst der Israeliten, dass ihre Werte und Traditionen im Exil sich mit der Zeit denen der Babylonier nähern. Denn es ist nicht auszuschließen, dass die verschleppten Handwerker aus Jerusalem an dem Turm zu Ehren des babylonischen Gottes sogar mitgebaut haben. Daher deutet die Bibel diese Erfahrungen um. Aus einem frommen Werk wird ein gottloses.

Die Warnung der Propheten


Die mächtigen Babylonier und ihre prächtige Metropole sind der Inbegriff von allem Schlechten. Das ist auch die Überzeugung von Männern, die die Bibel Propheten nennt. Wortgewaltige Prediger wie Ezechiel, der die Israeliten vor der Verführungskraft Babylons warnt. Ein Kampf, der immer schwieriger wird, je länger das Exil dauert. Denn es wachsen neue Generationen heran, die Jerusalem nur noch vom Hörensagen her kennen.

Chance zur Rückkehr

Ezechiel beschwört in glühenden Worten die verlorene Heimat und malt Visionen von der Herrlichkeit der Rückkehr aus. Doch die Sehnsucht nach Jerusalem ist nicht bei allen Israeliten so groß. Einige grenzen sich völlig ab von den Babyloniern, halten streng an der eigenen Sprache und Kultur fest. Andere verhalten sich genau entgegengesetzt, passen sich an, lernen die Landessprache, heiraten Einheimische und sind bald nicht mehr als Ausländer zu erkennen.


539 vor Christus betritt eine neue Weltmacht die Bühne der biblischen Geschichte: die Perser und ihre mächtigen Großkönige. In wenigen Jahren überrollen sie den gesamten Orient und erobern Babylon. Ein Schlüsselereignis für das biblische Volk, denn der persische König Kyros erlaubt den Israeliten, in die Heimat zurück zu kehren.



Zu Tausenden, so erzählt die Bibel, packen Familien ihre Bündel und ziehen nach Westen. 48 Jahre sind seit der Verschleppung vergangen. Aber offensichtlich nicht alle Israeliten verlassen Babylon. Ein in Keilschrift verfasstes Archiv einer babylonischen Händlerfamilie enthält Verträge und Korrespondenzen aus einer Zeit weit über hundert Jahre nach dem Ende des Exils. Die Dokumente belegen, dass Dutzende ihrer Geschäftspartner jüdische Familiennamen tragen. Diese haben sich offenbar entschieden, in Babylon zu bleiben. Seit damals hat das Volk der Bibel mehr als eine Heimat.

Neuanfang

Die anderen aber, die nach Jerusalem zurückkehren, haben einen großen Traum. Sie wollen den legendären Tempel des Salomo wieder aufbauen. Nach Jahren ist es endlich so weit und die Israeliten können das neue Gotteshaus Jahwes feierlich einweihen.
Der Tempel hat seinen alten Glanz zurück. "Hier will ich für immer meinen Namen ruhen lassen", spricht Gott in der Bibel. Und eine Zeitlang sieht es so aus als sollte diese Prophezeiung in Erfüllung gehen.

Um unser Web-Angebot optimal zu präsentieren und zu verbessern, verwendet das ZDF Cookies. Durch die weitere Nutzung des Web-Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu erfahren Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Gemerkt! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Abonniert! Abo beendet