Der Überraschungsfund

Im Land der glitzernden Steine

Im 19. Jahrhundert gab der Orange River in Südafrika seinen kostbarsten Schatz preis: edle Steine von ungeahntem Wert. Der Alltag der weißen Bauern geriet dadurch aus den Fugen.

An den Ufern des Orange River ließen sich um 1850 die ersten weißen Siedler nieder: Die Buren, einfache Bauern niederländischer Herkunft. Der Fluss bescherte den Einwanderern Wasser, Nahrung und fruchtbares Weideland. An einem strahlenden Tag im Dezember 1866 besuchte der Farmer Schalk van Niekerk wie so oft seine Nachbarn, die Familie Jacobz. Der Sammler war wieder einmal unterwegs auf der Suche nach seltenen Mineralen. Seit Stunden spielten die Jacobz-Kinder "Klip-Klip" mit Kieselsteinen, die sie am Flussufer aufgelesen hatten.

"Heureka - ich hab's gefunden!"

Plötzlich entdeckte van Niekerk unter den Murmeln einen Stein, der im gleißenden Licht ungewöhnlich stark glitzerte. Monate später ließ er ihn von einem Experten begutachten. Der Spielstein der Kinder entpuppte sich als lupenreiner Diamant von fast 22 Karat. Der neue Besitzer taufte ihn: "Heureka - ich hab's gefunden". Doch erst ein zweiter, noch größerer Diamant, der prominente "Star of South Africa", sorgte für weltweite Schlagzeilen. Er ist heute Teil der englischen Kronjuwelen.

In Südafrika und im fernen Europa brach das Diamantenfieber aus. Wie Heuschrecken fielen Scharen von Abenteurern ins Land ein und durchwühlten den kargen Boden. Der Big Rush, der große Wettlauf zu den Ufern des Orange River, war nicht aufzuhalten. Der anfänglichen Euphorie folgte schnelle Ernüchterung. Die Arbeit war hart, und die spärliche Ausbeute reichte für die meisten gerade zum Überleben.

Enttäuschungen und Knochenarbeit

"Mit welch riesigen Erwartungen bin ich in dieses Land der unentdeckten Reichtümer gekommen - und musste lernen, mit Enttäuschungen und Knochenarbeit fertig zu werden", berichtete ein Betroffener einer Londoner Zeitung. Sie rissen das steinige Ufer des Orange River auf und zerkleinerten das Geröll in Mühlen. Tonnen von Sand rannen durch feinmaschige Siebe. Doch der große Glücksgriff blieb für die meisten aus.

Die abenteuerliche Suche nach Reichtum

Am Kap der Guten Hoffnung, dem südlichsten Punkt Afrikas, hatte 1642 die "Niederländische Ostindien-Kompanie" einen Stützpunkt errichtet. Ihre Handelsschiffe konnten sich dort mit Proviant versorgen. Später besetzten die Briten den strategisch wichtigen Ort. Im Schatten des Tafelbergs wuchs eine der schönsten Städte der Welt heran: Kapstadt. Ab 1870 war der berühmte Hafen Anlaufpunkt für Diamantenjäger aus aller Welt. Das malerische Kapstadt war für die Ankömmlinge damals nicht mehr als eine Durchgangsstation auf dem langen Weg zum ersehnten Reichtum. Nur wenige der Einwanderer konnten sich einen Ochsenkarren leisten. Hunger und Durst, mörderische Hitze und heimtückische Krankheiten waren gefürchtete Begleiter auf dem abenteuerlichen Treck. Bis zum Ziel dauerte es drei volle Monate. Viele waren den Strapazen nicht gewachsen.

Horrende Preise

Für die weißen Bauern spielten die in der Erde schlummernden Reichtümer keine Rolle. Beim Bau seiner Hütte mischte ein Besitzer von Dorstfontain die teuren Kiesel sogar achtlos unter den Mörtel. Eine Zeit lang beobachtete er das Treiben gieriger Schatzsucher auf seinem Grundstück. Schließlich verkaufte er es für damals unglaubliche 2.000 Pfund. Die Diamanten, die später dort gefunden wurden, hätten ihn allerdings zum Milliardär gemacht. Auch Johann De Beer bewirtschaftete zu jener Zeit nur dreißig Kilometer von Dorstfontain entfernt einen einfachen Hof. Und auch auf seinem Land buddelten Besessene die kostbaren Steine aus. Der Bauer verkaufte seine Farm einem britischen Handelsagenten. Rund 6.000 Pfund, heute eine halbe Millionen Euro, gab ihm der Makler. Nur fünf Jahre zuvor hatte der Bure für das karge Gelände nicht mehr als 60 Pfund bezahlt. Das weitere Schicksal von De Beer ist nahezu unbekannt, doch sein Name sollte Geschichte schreiben.

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