Der unberechenbare Unzen

Katastrophen im 20. und 18. Jahrhundert

Der Unzen ist einer der gefährlichsten, weil unberechenbarsten Vulkane der Welt. 1792 starben hier 15.000 Menschen. Beim letzten Ausbruch 1991 kamen 43 ums Leben. Ein ultramodernes Forschungszentrum soll künftige Katastrophen verhindern helfen.

Die Münchner Uli Küppers und Donald Dingwall treffen Professor Nakada, einen führenden Vulkanologen Japans. Nakada untersucht dazu die unterschiedlichen Ausbruchsphasen des Unzen.

Explosionsartige Entladung

Im 180-Grad-Surround-Kino verfolgen die Wissenschaftler eine digitale Rekonstruktion des verheerenden Ausbruchs von 1991. Der Gipfel spaltet sich, ein qualmender Abgrund tut sich auf. Zähflüssiges Magma tritt an einem Seitengipfel aus. Ein Teil der zähen Gesteinsschmelze bricht ab. Enorme Energien entladen sich explosionsartig. Ein pyroklastischer Strom, für die Fachleute besonders schwer vorherzusagen. Die Glutlawine rast zu Tal, alles vernichtend, was sich ihr in den Weg stellt. Die Geschwindigkeit ist das Gefährliche. "Normale Lava" fließt gemächlich, ein pyroklastischer Strom breitet sich mit bis zu 200 Kilomter pro Stunde aus.

Dem 1991 neu geborenen Gipfel gilt das Hauptinteresse der Vulkanforscher. In unmittelbarer Nähe starben die berühmten Vulkanforscher Katja und Maurice Krafft in der Glutwolke, sie hatten sich zu weit vor gewagt. Die Analyse von Gesteinsproben vor Ort liefert den Wissenschaftlern die Daten, die sie für Simulationsmodelle und Hochrechnungen im Labor benötigen, um die Frage zu beantworten, welcher Mechanismus der Eruption zugrunde liegt.

Wichtige geologische Informationen

Nachdem die Gesteinsbrocken an der Luft gewogen wurden, werden sie vakuumdicht in Plastiktüten verpackt, um sie dann in Wasser zu wiegen. Luft in der Tüte würde Auftrieb bedeuten und das Ergebnis verfälschen. Ebenso, wenn der Stein Wasser zieht, und dadurch schwerer würde. Die eng anliegende Kunststoffhülle verhindert das. Aus dem Unterschied "Gewicht an der Luft" und "Gewicht unter Wasser" kann man die Dichte des Steins berechnen: eine wichtige geologische Information.

Zur Oberflächenuntersuchung werden größere Felsbrocken zersägt. Die Schnittstelle offenbart die erstarrte Gesteinsstruktur des einst glühend-flüssigen Magma aus dem Erdinneren. Sie ist der Fingerabdruck der 800 Grad heißen Glutlawine, die 1991 mit ICE-Tempo zu Tal raste. Die experimentellen Vulkanologen versuchen, das Inferno berechenbar zu machen. Das zentrale Problem beim Frühwarnsystem lautet: Wann baut sich im Vulkan mit seinem zäh fließenden Magma soviel Druck auf, dass Evakuierungsmaßnahmen notwendig werden? Eine vertrackte Aufgabe: Ein Fehlalarm verursacht riesige wirtschaftliche Schäden, kein Alarm aber bedeutet tödliche Gefahr.

Millionen Tonnen Staub und Asche

Orginalaufnahmen von der Unzen-Katastrophe 1991 zeigen, wie die Glutlawine auf den Ort Shimabara zurast. In der Wolke fliegen Gesteinsblöcke von der Größe eines Einfamilienhauses, Millionen Tonnen Staub und Asche. Danach setzte Regen ein und spült den Ascheschlamm zusammen mit Geröll in gewaltigen Lawinen zu Tal. "Lahar" nennen die Spezialisten die gefürchtete Flut, die wie flüssiger Beton zu Tal stürzt. Die Verheerung trifft auch die von der Glutwolke verschonten Ortsteile. Nur noch die Dächer überschwemmter Häuser ragen aus dem steinhart gewordenen Schlamm.

Die Bewohner konnten damals gerade noch rechtzeitig evakuiert werden. Viele haben in der Laharkatastrophe ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Es ist regelrecht einbetoniert. Ein Kubikmeter Vulkanschlamm wiegt zwei Tonnen. Die hohe Dichte des Materials verleiht den Lahars ihre beispiellose Zerstörungskraft. Die Japaner lassen ihre Hochrisikovulkane, die explosiven Berge wie den Unzen, nicht aus den Augen. Tag und Nacht sind die Beobachtungsstationen besetzt.

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