Der Untergang der Jamaica Merchant

Mit Peilsendern auf der Spur des Piratenseglers

Klaus Keppler, der Bergungsexperte und sein Taucherteam fanden vor der L'ile à Vache ein Schiff ohne große Kanonen. Eine Spur des Seglers von Henry Morgan?

Schon seit Jahren suchte Klaus Keppler und seine Crew mit Peilsendern, Magnetometer und Sonartorpedos zwischen Haiti und Panama nach Überresten von Morgans Flotte. Bei seinen Recherchen in Archiven rund um den Globus machte Keppler eine erstaunliche Entdeckung: Bei einem Vergleich zwischen alten und neuen Seekarten fand er heraus, dass das gefährliche Riff vor der L'ile à Vache auf zeitgenössischen Dokumenten nur mit etwa zehn Kilometern Länge eingezeichnet ist. Tatsächlich ist das Riff aber zwölf Kilometer lang.

Der Untergang der Jamaica Merchant

1676 verließ Sir Henry Morgan London. Er war in den Adelstand erhoben und zum Vizegouverneur von Jamaika ernannt worden. Mit seinem neuen Flaggschiff, der "Jamaica Merchant", kehrte er in die Karibik zurück. Die Route führt ihn entlang der Riffs vor seiner alten Schatzinsel L'ile à Vache. Ein Navigationsfehler wurde Morgan zum Verhängnis. Die Jamaica Merchant zerschellte am Riff vor der Insel und sank.

Nach historischen Quellen war das Schiff ein hochwandiger Dreimaster aus edlem Holz, bestückt mit 20 bis 25 Geschützen unterschiedlichen Kalibers. In einem zeitgenössischen Bericht ist der Untergang der Jamaica Merchant vor der L'ile à Vache am 25. Februar 1676 verzeichnet. Dokumente aus dem 17. Jahrhundert belegen, dass ein vorbeifahrender Bukanier die Schiffbrüchigen aufsammelte und nach Port Royal brachte.

Belegt ist auch, dass Sir Henry Morgan in seiner Funktion als Vizegouverneur den Befehl erließ, sämtliche Waffen zu bergen. So wurden große Kanonen und Feuerwaffen geborgen, notiert und im Fort Charles in Port Royal eingelagert. Die kleinen und großen Kanonen ließ Morgan in den Befestigungsmauern aufstellen. Dort stehen sie noch heute, denn die Anlage blieb vom Erdbeben des Jahres 1692 verschont.

Klaus Keppler sucht nach Beweisen

Das Taucherteam entdeckte auf dem Meeresboden zahlreiche Unregelmäßigkeiten. Das Areal lag in nur drei Metern Tiefe, umfasste aber etwa 100 mal 150 Meter. Die Taucher fanden kleinere Kanonen, Scherben von Tonkrügen und viele runde Ballaststeine. Sie bargen einige Fundstücke zum Zweck der Analyse in Europa. Klaus Keppler folgerte daraus, dass es sich wahrscheinlich um ein Schiff englischer Herkunft handeln könnte.

Die Salzwasserrückstände an den Geschützen im Fort Charles sowie Form und Material stützen die Theorie von Klaus Keppler. Unter Wasser wurden acht kleinere Kanonen mit verschiedenen Kalibern entdeckt. Die vom Meeresgrund geborgenen Fundstücke untersuchte ein Experte in Sevilla. Gemeinsam mit Kollegen des Archivo General de Indias konnte die Herkunft der Rumpfgewichte des Schiffes eindeutig identifiziert werden. Die Bootsbauer benutzten damals Ballaststeine zum Beschweren der Schiffe aus englischen Flüssen.

Die Sensation auf dem Meeresboden

Auch die Tonscherben vom Meeresgrund bargen eine Überraschung. Der Experte bestimmte nicht nur die ungefähre Jahreszahl, sondern konnte auch die Werkstatt identifizieren. Ausschlaggebend waren die Ringe im Inneren des Kruges, typisch für Arbeiten aus dem walisischen Buckley. Die "Jamaica Merchant" sank 1676, und diese Töpferarbeiten wurden nur bis 1720 hergestellt. Sämtliche Ergebnisse weisen darauf hin, dass es sich wirklich um die "Jamaica Merchant" handelt. Die Taucher haben höchstwahrscheinlich das Schiff des Piratenchefs aufgespürt, eine Sensation.

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