Der Untergang der Maya-Kultur

Wassermangel und Ressourcenraubbau

Ein internationales Archäologenteam rekonstruiert die letzten Tage der Maya-Metropole Dos Pilas: Warum ist sie fast vollständig vom Erdboden verschwunden?

In Dos Pilas stellten die Bewohner Mitte des 9.Jahrhunderts das Bauen ein und verbarrikadierten sich.

Nur wenige Überlebende



Überall entstanden Befestigungsanlagen. Sogar Tempel wurden zerstört, um aus ihren Steinen Mauern zu errichten. Danach hausten die wenigen Überlebenden in primitiven Hütten. Mit der Entzifferung der Schriftzeichen wurde das Geheimnis um den Untergang von Dos Pilas gelüftet.

Malers fotografische Zeugnisse

Auf der Tempeltreppe der glanzvollen Metropole wurde eine grobe Mauer errichtet - offensichtlich ein Schutzwall. Die leeren Felder der Hieroglyphensteine zeugen vom bitteren Ende: Es gab nichts mehr zu berichten.


Teobert Maler will die Zeugnisse der untergegangen Maya-Welt in das Bewusstsein der Menschheit zurückholen - auch wenn der Aufwand für jede einzelne Fotografie enorm ist. Oft lässt Maler ein schwankendes Stangengerüst errichten, um für die schwere Stativkamera die richtige Höhe zu haben. Dann wird ein windstiller Augenblick abgepasst, damit die Aufnahme während der langen Belichtungszeit nicht verwackelt.



Die Ruinen müssen jedesmal zuerst von der alles überwuchernden Vegetation befreit und die schweren Steinblöcke in Position gebracht werden.

Unerklärlicher Irrtum

Als Maler das in Stein gemeißelte Portrait eines bärtigen Mannes fotografiert, erkennt der ehemalige Offizier sofort, dass es zweifellos einen Krieger darstellt - doch die Archäologen-Welt erklärt die Erschaffer solcher Kriegerdenkmäler noch für lange Zeit zu friedliebenden Schöngeistern: Eine unerklärlicher Irrtum, denn die Welt der Waffen und des Kampfes wird nun zum beherrschenden Thema für die Maya. Sie beginnen den totalen Krieg - jeder gegen jeden. Auf dem Schädelgerüst der Städte stellt man die abgeschlagenen und aufgespießten Köpfe von gefangenen Gegnern zur Schau.



Der Ehrgeiz der Herrscher gilt jetzt allein dem Wettrüsten: Der Alltag wird militarisiert. Töten, um nicht selbst getötet zu werden - die Organisation der ganzen Gesellschaft ist auf den Kampf ausgerichtet. Die Sterne werden beobachtet, um den günstigsten Zeitpunkt zum Angriff zu erfahren. Die Kriegerkaste erringt immer mehr Einfluss und schwächt die Macht der Könige - die Zivilisation gibt sich den Todesstoß.

Ein Teufelskreis

Hinzu kommt, dass die Monumentalbauten der Maya-Könige das Ackerland im Umkreis der Städte verschlingen; die Bauern werden an unfruchtbare Berghänge vertrieben. Die Grundlage für den Wohlstand eines Reiches - der Überschuss an Nahrung - geht verloren: ein Teufelskreis.

Zehn Meter über dem Bodenniveau des Jaguar-Bezirkes stehen drei Gebäude auf einer künstlichen Plattform - zum größten führt eine breite Freitreppe aus mächtigen Steinquadern. Sie sind mit einer dicken Schicht Kalkstuck überzogen. Darauf konnten die Könige und ihre Gefolgschaft zu den Dachkammern hinaufsteigen, um ihre Zeremonien abzuhalten. Beide Seiten der Treppe sind mit Jaguar-Masken aus dickem Stuck geschmückt. Das waren die Herrschaftssymbole des Adels. Sie verbrauchten große Mengen Kalk, um ihre Wappen und Titel abzubilden - um sich zu vergöttlichen. Eine enorme Materialverschwendung, um ihre Machtstellung öffentlich zu behaupten.

Auch Unterwasserarchäologen sind in den überfluteten Höhlen auf die Spuren der großen Katastrophe gestoßen: Der Grundwasserspiegel hatte sich dramatisch gesenkt.

Einsam und verbittert




Teobert Maler ist noch einmal an den Usumacinta zurückgekehrt, doch das Tropenklima, die vielen Krankheiten und das fortschreitende Alter fordern ihren Tribut. Die Strapazen von dreißig Jahren als Forscher in Busch und Dschungel haben sich am Ende gelohnt - ein für die Wissenschaft immenser Schatz von Fotografien, Zeichnungen und Plänen ist entstanden. Malers Name geht als Entdecker und Erforscher von 33 der wichtigsten Maya-Ruinen in die Geschichte ein. Er stirbt 1917 in seiner Wahlheimat Mexiko; einsam und verbittert, wie es heißt. Sein Grab auf dem städtischen Friedhof der Stadt Mérida ist heute verschollen.

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