"Der Vater der Töpfe"

Anmerkungen zu Howard Carter

Der glücklichste Tag im Leben von Howard Carter (1873 - 1939) war zweifellos der 4. November 1922, als er nach über 30-jähriger Tätigkeit in Ägypten im Tal der Könige auf ein Pharaonengrab stieß, das sich schon bald als die unversehrte Beerdigungsstätte des vergessenen Tutenchamun herausstellte.

Davor und danach gab es nur wenige Ereignisse, die ein Lächeln auf das ernste Gesicht des verbissenen Entdeckers zauberten. Auf seiner unermüdlichen Suche nach dem Kindkönig soll der Engländer über 150.000 Tonnen Sand, Fels und Gestein bewegt haben - unterstützt von nur einer Handvoll von einheimischen Arbeitern.

Ersehnte Anerkennung

Ein Jahrtausendfund, der Carter zwar über Nacht berühmt machte, ihm damals aber weder die ersehnte Anerkennung seiner Kollegen noch außergewöhnlichen Wohlstand bescherte. Und damit nicht genug: Seine anfängliche Popularität verflog genauso schnell wie sie gekommen war, zurück blieb ein einsamer, verbitterter und kranker Mann. Die Tantiemen aus den drei Büchern, die er über den Fortgang der Grabungsarbeiten veröffentlichte, waren in den letzten Jahren bis zu seinem Tod am 2. März 1939 die einzige Einnahmequelle.

Die Fachwelt belächelte das Werk, weil es unwissenschaftlich und für ein breites Publikum geschrieben war, die breite Masse wiederum zeigte sich enttäuscht, weil Carter es peinlich vermied, auf persönliche Details und die unzähligen Komplikationen des Unternehmens Tutenchamun einzugehen, von denen die ganze Welt sprach. Für die wichtigste Publikation aber - ein ausführlicher Bericht über die zahllosen Kostbarkeiten in der Grabanlage - konnte der Pionier der Ägyptologie weder die Kraft noch die finanziellen Mittel aufbieten. Sie steht noch immer aus und hinterlässt eine kaum zu unterschätzende Lücke in der einschlägigen Forschungsliteratur.

Außergewöhnliches Talent

Das Fazit einer beinahe tragischen Archäologenkarriere, die 1890 so hoffnungsvoll begann. Als Howard Carter mit siebzehn Jahren in Ägypten eintraf, kam auch er wie viele andere als Schatzjäger ins Land. Der begnadete Zeichner fasste rasch Fuß und erhielt auf Empfehlung des britischen Egypt Exploration Fund eine Stelle bei dem berühmten Ausgräber William Matthew Flinders Petrie, der das außergewöhnliche Talent seines Landsmannes blitzschnell erkannte und ihm alles beibrachte, was ein erfolgreicher Forscher wissen sollte.

Der "Vater der Töpfe", wie der namhafte Wissenschaftler noch heute liebevoll genannt wird, befasste sich als Erster mit dem vergessenen Pharao Tutenchamun, der wie ein Phantom durch die Archäologieszene geisterte. Irgendwann während der Zusammenarbeit mit Flinders Petrie reifte in Carter der Entschluss, das unentdeckte Grab des rätselumwitterten Herrschers zu finden. Eine Aufgabe, die ihn ein Leben lang nicht mehr los ließ.

Verstand, Phantasie, Ausdauer

Wie kein Zweiter erlernte der Neuling in Windeseile die Grundlagen der ägyptischen Altertumskunde. Ein scharfer Verstand, blühende Phantasie und grenzenlose Ausdauer machten Howard Carter zum rasanten Aufsteiger der Zunft. Den Feinschliff erhielt er durch das Genfer Multitalent Edouard Naville, der ihm die Aufgabe übertrug, sämtliche sichtbaren Szenen und Inschriften am Tempel der Hatschepsut zu kopieren.

Die exzellenten Zeichnungen wurden in sechs Bänden veröffentlicht und brachten dem Briten erste Erfolge ein. Die Weichen für die Zukunft waren gestellt: Der Schützling der beiden großen Lehrmeister entwickelte eine unstillbare Leidenschaft für die Forschung und verbannte die Aussicht auf schnellen Profit für immer aus seinem Denken.

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