Der verkannte Gegner

Konstantins Rivale in Rom erweist sich als harter Brocken

Über Maxentius äußerten sich die christlichen Chronisten oft wenig schmeichelhaft. Insider jedoch wussten schon lange, dass sich hinter diesem schwachen Bild von Konstantins Gegner ein starker Staatsmann verbarg.

Als Konstantin am 28. Oktober 312 vor Rom erschien, forderte er in Marcus Aurelius Valerius Maxentius keinen "Nobody" heraus. Maxentius war zu dem Zeitpunkt auf den Tag genau sechs Jahre im Amt und hatte sich gegen alle Anfeindungen und mehrere Feldzüge seiner Konkurrenten behauptet.

Hohe Herkunft

Maxentius war der um 280 nach Christus geborene Sohn von Kaiser Maximian. Seine Stiefschwester Theodora war die Frau von Konstantins Vater, seine Schwester Fausta die Frau Konstantins. Er selbst war mit Maximilla verheiratet, einer Tochter von Kaiser Galerius. Allerdings wurde er in seinem Amt außerhalb seines Herrschaftsbereiches, der im wesentlichen Italien, Sardinien, Sizilien und einen Teil Nordafrikas umfasste, nicht anerkannt - in den Augen von Maxentius grobes Unrecht.

Im Jahr 305 traten die beiden "Oberkaiser" (Augusti) Diocletian und Maximian von ihren Ämtern zurück. Die beiden "Unterkaiser" (Caesares) Galerius und Constantius rückten nach. Zwei leibliche Nachkommen der Tetrarchen erwarteten nun, zu Caesaren ernannt zu werden: Maxentius als Sohn Maximians und Konstantin als Sohn von Constantius. Doch beide wurden übergangen - zugunsten von Severus und Maximinus Daia.

Getrennte Wege

Soldaten rufen Konstantin zum Cäsar aus (Spielszene)

Während Konstantin nach dem Tod seines Vaters von dessen Truppen zum Kaiser ausgerufen und schließlich als Caesar anerkannt wurde, blieb Maxentius weiter außen vor. Als traditionsgemäß das Bildnis Konstantins als neuer "Unterkaiser" in Rom präsentiert wurde, platzte dem Zurückgesetzten der Kragen. Konstantin, dessen Mutter eine Frau zweifelhaften Rufes war, erhielt eine solche Position, die man ihm, einem Edlen in senatorischem Rang, verwehrte.

Am 28. Oktober 306 ließ er sich von seinen Truppen zum Gegenkaiser ausrufen. Anfangs war er bei den Römern sehr beliebt. Er stattete Rom mit prächtigen Bauwerken aus und ließ sogar die Christen unangetastet. Dennoch blieb ihm die Aufnahme in das tetrarchische System der vier Kaiser und damit die offizielle Anerkennung verwehrt. Auch mit Finanzen steht es nicht zum Besten. Maxentius musste sogar den Senatoren Steuern abverlangen - bislang ein Tabu. Sein Rückhalt in der Stadt bröckelte.

Tod im Tiber

Milvische Brücke Quelle: ZDF

Nun sah sich Maxentius, genau zehn Jahre nach seiner "Machtergreifung", seinem gefährlichsten Rivalen gegenüber: Konstantin rückte auf Rom vor. Maxentius hatte jedoch vorgesorgt. Er hatte die Milvische Brücke, die zu dieser Zeit nahe der Stadt über den Tiber führte, unbenutzbar gemacht und als Ersatz in einiger Entfernung eine Behelfsbrücke auf Ponton-Basis errichten lassen. Sein Plan: Konstantin über die Brücke zu locken, diese dann abzubrechen, dem Gegner so den Rückzug abzuschneiden und ihn einzukesseln.

Doch der Plan misslang. Konstantin und seine 40.000 kampferprobten Elite-Legionäre aus Gallien, Germanien und Britannien gingen nicht in die Falle. Stattdessen löste ein Soldat die Brückensicherung zu früh, die Pontons trieben ab und kenterten. Dabei ertrank Maxentius im Tiber. Konstantin hatte über einen zahlenmäßig überlegenen Gegner - vermutlich eine Heer von 100.000 Soldaten - gesiegt, und zwar mit dem christlichen Symbol auf den Schilden.

Wendepunkt der Weltgeschichte

Konstantins Einzug in Rom (Spielszene) Quelle: ZDF

Für die christlichen Chronisten wie Laktanz und Eusebius war dieser 28. Oktober 312 ein Wendepunkt der Weltgeschichte, für Konstantin der Beginn eines beispiellosen Aufstiegs. Die Westhälfte des Imperium kontrollierte er nun allein. Er konnte nun den Blick auf den reichen Osten des Imperiums richten. Dort herrschten Licinius als "Oberkaiser" und Maximinus Daia als "Unterkaiser".

Bei seinem triumphalen Einzug in die Hauptstadt führte Konstantin vor Volk und Senat das Christogramm als neues Feldzeichen mit. Bislang war der mit Jupiter verbundene Adler heiligster Begleiter der römischen Legionen gewesen. Der Wechsel der Embleme fand bei den konservativen Senatoren wenig Zustimmung. Noch ahnte kaum jemand, welche Dimensionen die weiteren Reformen des frischgebackenen Alleinherrschers im Westreich annehmen würde.

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