Der Vorstoß der Lapita-Kultur

Wie die Polynesier die Südsee entdeckten

Vor rund 2000 Jahren soll er begonnen haben, der Vorstoß der Lapita-Kultur, aus der die Polynesier hervorgingen. Ihre Verbreitung war eingebettet in einen Prozess, der zu den beeindruckendsten Völkerwanderungen menschlicher Zivilisation gehört: die Pazifikbesiedlung.

Fahrt auf Katamaran der Lapita-Kultur (Spielszene)
Fahrt auf Katamaran der Lapita-Kultur (Spielszene)

Aber woher kamen die Polynesier, deren Name aus dem Griechischen abgeleitet ist und übersetzt "viele Inseln" bedeutet? Lag ihr Ursprung in Südamerika oder besiedelten sie die Südsee tatsächlich vom asiatischen Festland aus? Des Rätsels Lösung liefern Fundstücke aus Ton.

Lange Zeit kaum Anhaltspunkte

Karte mit Vorstoß-Richtungen der Lapita Kultur
Karte mit Vorstoß-Richtungen der Lapita-Kultur

Winde und Strömungen des Pazifischen Ozeans weisen in tropischen Breiten einen Verlauf von Ost nach West auf - Grund zur Annahme, dass auch die Vorfahren der Polynesier die entsprechende Richtung einschlugen. Warum erinnern zahlreiche polynesische Wörter dann aber vielmehr an südostasiatische Sprachen? Angesichts der vorherrschenden Winde und Strömungen scheint eine Besiedlung der Südseeinseln von Asien aus schier unmöglich, und so gab es lange Zeit kaum Anhaltspunkte für den Ursprung der polynesischen Bevölkerung.

Mit dem Vorstoß des norwegischen Ethnologen Thor Heyerdahl wurde 1947 erneut der Versuch unternommen, die Wurzeln der Pazifikpioniere zu ergründen. Er wollte beweisen, dass Fahrten von Peru nach Polynesien in der Vozeit möglich waren und stach auf dem Balsaholzfloß "Kon-Tiki" in See. Mit dem Floß, das alten Vorbildern der Inka nachempfunden war, legte er 7400 Kilometer zurück und bewies damit zumindest die Realisierbarkeit seines Unterfangens. Dabei sollte es allerdings auch bleiben - denn: Heyerdahls Theorie sollte schon bald widerlegt werden.

Wanderungsbewegung

Thor Heyerdahl-Expedition
Thor Heyerdahl-Expedition

Die Entdeckung einer fast allen Sprachen Ozeaniens zugrunde liegenden Ur-Sprache deutete darauf hin, dass die Vorfahren der Polynesier doch von Asien aus den Pazifikraum besiedelt hatten. Um 3000 v. Chr. - so nahmen die Linguisten an - hatte in Südostasien eine Wanderungsbewegung begonnen, die die Phillipinen und Indonesien erfasste und bis in den Pazifikraum hineinreichte. Genau diese Route könnten durchaus auch die Vorfahren der Polynesier genommen haben.

Den endgültigen Beweis dafür, dass die Polynesier tatsächlich aus dem südostasiatischen Raum stammten, lieferten alte Tonscherben mit merkwürdig anmutenden Verzierungen. Diese wurden sowohl im Bismarck-Archipel als auch auf den Fidschi-Inseln und in Neukaledonien aufgefunden. Das Alter der Fundstücke war mit 200 bis 2800 Jahren bemerkenswert. Keramikstücke, die von einer unbekannten Kultur zeugten, die sich von Westen nach Osten verbreitet hatte: die Lapita-Kultur.

Entstehung der Lapita-Kultur

Keramikscherben der Lapita-Kultur
Keramikscherben der Lapita-Kultur

Als um 2000 v. Chr. neue Völker von den Philippinen nach Neuguinea gelangten und die Salomonen besiedelten, verschmolzen sie mit den ursprünglichen papuanischen Siedlern und entwickelten die Lapita-Kultur. Nach der Erfindung ihrer innovativen Zweirumpfboote hatten die Träger der Lapita-Kultur die Santa-Cruz-Inseln, Vanuatu, Neukaledonien, Tonga, die Fidschis und Samoa entdeckt und besiedelt. Aus den Trägern der Lapita-Kultur wurden die Polynesier, die bis zum entlegensten Ort der Welt vordrangen, bis zur Osterinsel.

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