Der weise Sohn Davids

Tempelgründer und Diplomat

Mit Klugheit und Weitsicht verwaltet Davids Sohn Salomo das Reich der Israeliten. Doch seine Abkehr von dem einzig wahren Gott leitet das Ende des ersten israelischen Staats ein.

Zwei Frauen streiten um ein Kind, jede behauptet die Mutter zu sein. König Salomo befiehlt, das Kind in zwei Hälften zu schneiden. Eine der Frauen wirft sich schützend vor das Kind und verzichtet auf all ihre Ansprüche. Genau dadurch weiß Salomo: sie ist die wahre Mutter. Das Salomonische Urteil ist sprichwörtlich geworden - als kluge, besonders intelligente Entscheidung.

Ein gold-schimmernder Traum

Nicht einen einzigen Krieg führt Salomo, er zerstört nicht, er baut auf. Sein berühmtestes Werk ist der Tempel von Jerusalem. Eines der legendärsten Gebäude der Menschheit. In seinem Innern schimmern Skulpturen aus reinem Gold, "Cherubim", phantastische Wesen, halb Mensch, halb Tier. Als gold-schimmernden Traum, so schildert die Bibel den Jerusalemer Tempel. Wissenschaftler haben rekonstruiert, was als Salomos größte Tat in die Geschichte eingegangen ist.


In seinem Allerheiligsten steht - flankiert von zwei großen Wächterfiguren - die Bundeslade, die heilige Truhe, in der die Zehn Gebote aufbewahrt werden. Davor erstreckt sich die dreißig Meter lange Haupthalle des Tempels mit der "Menora", dem legendären siebenarmigen Leuchter, einem Symbol des Lebensbaums. Neben dem Portal beeindruckt ein bronzenes Wasserbecken zum Waschen des Opferfleisches. Mit dem Tempel an der höchsten Stelle Jerusalems schafft Salomo das zentrale Heiligtum der Jahwe-Religion, einen Ort, der bis heute für gläubige Juden den Nabel der Welt bedeutet.






Hochzeitsdiplomatie

Staatsbesuch vom Golf

Salomo der Prächtige, ein orientalischer Herrscher, eine Gestalt, die an die Geschichten aus Tausend und einer Nacht erinnert. In seinem Harem sollen nicht weniger als 700 Ehefrauen auf ihn warten, und als sei das nicht genug, schenkt er seine Gunst noch 300 Gespielinnen - so behauptet die Bibel. Wie so oft, steckt auch in dieser Geschichte ein Körnchen Wahrheit. Salomo hat mit Frauen Politik gemacht.



Denn der große König ist eher ein kluger Realpolitiker als ein Schwerenöter. Er schließt Verträge mit Nachbarkönigen und bekräftigt sie durch die Heirat mit ihren Töchtern. Die Damen seines Harems sind somit diplomatische Vertreterinnen ihrer Herkunftsländer und Orte.


Erotik und Diplomatie spielen auch in der berühmtesten Begegnung Salomos mit einer Frau eine Rolle. Der Besuch der Königin von Saba in Jerusalem mutet schon sehr märchenhaft an. Schön, klug und reich soll sie gewesen sein. Die Bibel schreibt, die Monarchin aus dem heutigen Jemen sei angereist, um Salomo mit Rätselfragen zu prüfen. Denn der Ruf seiner unendlichen Weisheit habe sie angelockt.

Mit dieser Geschichte will die Bibel das Charisma Salomos unterstreichen, das internationale Flair seines Jerusalemer Hofs. Doch die Erzählung hat noch eine ganz andere Absicht.






Zerstörung und Verschleppung

Tatsächlich beweisen archäologische Funde von heidnischen Kultstätten eine zunehmende Verbreitung von Götzendiensten unter Salomo. Die heidnischen Fruchtbarkeitskulte sind der Grund für die Katastrophen, die nach Salomos Tod das Reich erschütterten. Die Bibel deutet die gesamte Geschichte des Volkes Israel als Folge seines Verhaltens zu Gott.


Im Verständnis der Bibel sind die mächtigen Feinde der Israeliten die Geißel in der Hand Gottes, mit der er sein Volk züchtigt. Im achten Jahrhundert vor Christus machen sich die Könige Assyriens daran, den gesamten Nahen Osten zu erobern. Von ihren Hauptstädten Assur und Ninive aus überrollen sie Mesopotamien, Syrien, Israel und dringen sogar in Ägypten ein. 722 v. Chr. belagern sie die Stadt Lachisch südlich von Jerusalem.

Der Wucht der gut organisieren Armee ist Lachisch nicht gewachsen. Nach Monaten der Belagerung dringen die Feinde in die Stadt ein. Assyrische Reliefs erzählen auch, was dann geschah. Die Eroberer nehmen grausame Rache: Sie pfählen ihre Gefangenen. Die Überlebenden aber deportieren die Sieger nach Mesopotamien. Tausende von Familien müssen den Marsch in die Fremde antreten. Nur die Könige von Jerusalem kommen gerade noch einmal davon. Mit Geld erkaufen sie sich Schonung.


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