Der Weltraum - endliche Weite

Radarstrahlen orten Weltraumschrott

Von den unendlichen Weiten, die für Fernsehraumfahrer alltäglich sind, können echte Astronauten und Wissenschaftler nur träumen. In der Atmosphäre unseres Planeten wird es eng. Mehrere tausend große und kleine Schrottteile rasen mit immensen Geschwindigkeiten um die Erde. Eine ernste Gefahr für Mensch und Material im All. Damit es keine Kollisionen gibt, wird der Weltraumschrott mit Radar geortet und registriert.

Gelber Sack, Biotonne oder Restmüll, die Überbleibsel unserer Konsum- und Industriegesellschaften landen gewöhnlich in der Tonne oder auf der Deponie. Nur wohin mit all dem Müll, wenn es so etwas nicht gibt, wie beispielsweise im Weltraum. Einfach fliegen lassen?

Rasende Geschosse

Einst gingen die Wissenschaftler davon aus, dass im All zurückgelassene Teile schon bald in der Erdatmosphäre verglühten - ein Trugschluss. Mehr als 10.000 Objekte menschlicher Herkunft mit einer Größe zwischen zehn und 20 Zentimeter kreisen laut offizieller Statistiken im Orbit um unseren Planeten. "Space Debris" heißen die rasenden Raumfahrtrümmer in der Fachsprache. Darunter ausgediente Satelliten, abgestoßene Raketenoberstufen, Schraubenzieher, Bolzen und sogar alte Raumhandschuhe. Mit mehr als zehn Kilometern pro Sekunde jagen diese Überreste menschlichen Forscherdrangs rund um unseren Planeten.

Die Gefahr einschätzen

Durch die hohen Geschwindigkeiten werden selbst kleinste Teilchen zu rasenden Geschossen. Mit der wachsenden Anzahl dieser Trümmer steigt die Kollisionswahrscheinlichkeit. Zwar verglüht ein Teil der Space Debris nach einer gewissen Zeit in der Erdatmosphäre, doch ein großer Anteil dieser Objekte fliegt so hoch, dass er in absehbarer Zeit nicht verglühen wird.


Radargeräte und riesige Teleskope orten die Position der einzelnen Trümmerteile von der Erde aus. In einem umfangreichen und regelmäßig aktualisierten Katalog erfassen Wissenschaftler weltweit systematisch jedes Teil. Für Satelliten, Raketen oder auch die internationale Raumstation ISS stellen gerade diese Teile eine große Gefahr dar. Eine Kollision mit ihnen könnte die teuren und sensiblen Geräte beschädigen oder gar ganz zerstören. Lediglich durch die Messdaten der Radarstationen können die Wissenschaftler die Gefahr einschätzen und gegebenenfalls ein Ausweichmanöver einleiten.

Nur die USA und Russland verfügen über ein umfassendes System zur Weltraumüberwachung: das US Space Surveillance Network und das russische Space Surveillance System. Früher ausschließlich zu militärischen Zwecken genutzt, überwachen die etwa 30 Anlagen weltweit vor allem Teile, die größer als zehn Zentimeter sind. In einem umfassendem Katalog des US Space Detection Network sammeln die Wissenschaftler alle Daten über diese großen Trümmerteile.

Das TIRA System

Doch auch die kleineren Teilchen sind gefährlich, zerschießen Sonnensegel von Satelliten oder die Außenscheiben von Raumfähren. Zwar entwickeln Forscher weltweit Schutzschilde, doch die wehren bisher nur Teilchen bis zu einer Größe von einem Zentimeter ab. In Europa haben sich die Forscher fast ausschließlich auf die Ortung der kleineren Space Debris, bis zu einer Größe von zehn Zentimetern, spezialisiert. Diese sind bisher gar nicht oder nur unzureichend registriert.

Bahnparameter und Lebensdauer

Eine der wenigen Radaranlagen in Europa ist die Großradaranlage des Forschungsinstituts für Hochfrequenzphysik und Radartechnik in Wachtberg. Die Großradaranlage, das TIRA System (Tracking und Imaging Radar), gleicht einem überdimensionalen Ei, dessen Inneres aus modernster Technik besteht. In der riesigen Kuppel der Anlage sind neben dem Parabolreflektor mit einem Durchmesser von 34 Metern, ein Zielverfolgungs- und ein Zielabbildungsradar untergebracht.


Selbst in einer Entfernung von 1000 Kilometern detektiert die Anlage bei Bonn Space Debris von einer Größe von zwei Zentimetern. Im Auftrag der ESA katalogisieren die Forscher in Wachtberg seit 15 Jahren die Bahnen des Weltraumschrotts nach charakteristischen Merkmale, wie Bahnparameter, Eigenbewegung, orbitale Lebensdauer, Größe, Gestalt und Masse. Die so ermittelten Daten gleicht das Institut dann mit der europäischen Raumfahrtbehörde ab.

Keine orbitale Müllabfuhr

Auch in Zukunft gibt es wohl nicht mehr Raum im Orbit. Zwar ist die Müllentsorgung technisch möglich, der finanzielle Aufwand jedoch wäre wohl zu hoch. So müssten alle Space Debris einzeln eingesammelt werden, ein immenser Arbeitsaufwand. Deshalb bleibt die Müllvermeidung im All auch weiterhin die einzige Möglichkeit, die Gefahr für die bemannte und unbemannte Raumfahrt möglichst gering zu halten.


Seit 1994 verhandelt auch der Weltraumausschuss der UN über eine international verbindliche Reglung. Eine Einigung, beispielsweise ein verbindlicher Verhaltenskodex, ist aber noch nicht absehbar. "Wenn der Orbit auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte in diesem Maße weiter verschmutzt wird, dann bauen wir uns unseren eignen Space Debris Käfig", befürchtet Leushacker.

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