Der Wettlauf

Western Union gegen Cyrus Field

Alaska war damals noch in russischem Besitz, als die konkurriernde Western Union Verhandlungen aufnahm, um ihre Telegrafenlinie durch die Wildnis zu bauen.

Allein für die Genehmigung, die Strecke durch das Territorium der Hudson Bay Company legen zu dürfen, zahlte die Firma sechs Millionen Dollar. Als die Russen von den immensen Zahlungen hörten, schüttelten sie ungläubig den Kopf: Für so eine Summe würden sie ganz Alaska verkaufen. Einige Jahre später ging Alaska für 7,2 Millionen Dollar in amerikanischen Besitz über. In Sibirien begann noch im selben Jahr die Vorbereitungen für den Bau der Telegrafenstrecke, die Europa mit Amerika verbinden sollte.

Die Western Union befand sich im Wettlauf mit Cyrus Field. Er hatte neue Investoren gefunden und wieder eine Firma gegründet. Glass & Eliott arbeitete rund um die Uhr sieben Tage die Woche, um die 4300 Kilometer Kabel rechtzeitig zu liefern. Field überließ diesmal nichts dem Zufall: Ein gewisser Thomson, der später als Lord Kelvin bekannt werden sollte, konstruierte das neue Kabel. 120 Telegrafentechniker hatte Field engagiert, um an Bord der Great Eastern die Verlegung zu überwachen.

Zuversichtlich und bester Stimmung

Der Umbau der Great Estern war abgeschlossen. 500 Mann waren an Bord, als das Schiff am 23. Juli 1865 auslief. Mit fünf Meilen pro Stunde dampfte die Great Eastern nach Westen Richtung Neufundland. Doch nach 130 ausgelegten Kilometern geschah ein Zwischenfall. Ein Drahtstift hatte das Tiefseekabel durchbohrt. Einige Tage später dasselbe. Field glaubte an Sabotage, stellte Wachen auf, tauschte Arbeiter aus. Als man die Ursache, einen technischen Defekt, fand, atmete die Mannschaft auf.

Erneutes Scheitern

Man war zuversichtlich und bester Stimmung an Bord. Ständig hielt man Funkkontakt mit Irland. 2250 Kilometer Kabel waren bereits verlegt. Nur noch 600 Meilen bis zur Küste, da bemerkte der Telegrafist eine Unterbrechung. Man wollte das defekte Kabel bergen, doch dabei riss es und versank in der Tiefe. Als man Field von dem Unglück benachrichtigte, konnte er es nicht fassen. Sieben Jahre hatte er auf diese zweite Chance gewartet, fünf Millionen Dollar hatte die Gesellschaft investiert.


Tagelang kreuzten sie über der Unglücksstelle, versuchten mit dem Greifgeschirr das Kabel aus der Tiefsee zu bergen. Wie durch ein Wunder bekamen sie es dreimal zu fassen, doch immer wenn sie es fast an die Oberfläche gehievt hatten, brachen die Trossen oder das Kabel entglitt wieder. Nach neun Tagen gaben sie auf und fuhren zurück nach Irland.

Die Western Union musste die Nachricht vom erneuten Scheitern der Atlantik Telegraph Company mit Genugtuung aufgenommen haben. Ihr Projekt, Amerika mit Europa über Alaska und Sibirien zu verbinden, lief auf Hochtouren. 300 Meilen durch Alaska und 350 Meilen durch Sibirien hatten sich die Arbeiter der Telegrafenlinie bereits vorgekämpft. Jetzt lag an der Beringstraße das Unterwasserkabel bereit und wartete auf die Verlegung.

Endlich am Ziel

Im Sommer 1866 blickte auch die Atlantik Telegraph Company endlich in eine vielversprechende Zukunft. Am 27. Juli um 9 Uhr früh erreichte die Great Eastern Neufundland und landete das Kabel an. Field hatte nicht aufgegeben - und gesiegt. Keine Stürme, kein Kabelbruch, keine Schwierigkeiten.

Als Field die kleine Funkstation in Hearts Kontent betrat, ging seine erste Nachricht an den Chef seiner Kabelfirma in London: "Wir sind hier um 9 Uhr angekommen. Gott sei Dank sind alle wohlauf. Das Kabel ist gelegt und in perfektem Zustand." Zwölf Jahre seines Lebens war Field seinem Traum nachgejagt: Europa und Amerika mit einer Telegrafenlinie zu verbinden. Als schließlich die Glückwünsche aus London eintrafen, wusste Field: Er hatte es geschafft hat. Er war am Ziel.

Neues Zeitalter

Die Western Union hatte ihr Projekt aufgegeben, als sie von Fields großem Erfolg erfahren hatte. Ihre Arbeiter wurden aus den Wäldern Alaskas abgezogen und hatten alles Material zurückgelassen. Doch die Bautrupps im entlegenen Sibirien arbeiteten weiter. Keiner konnte sie erreichen.


Erst im folgenden Jahr erhielten sie die Nachricht und kehrten heim. Für Geschäftwelt, Regierungen und Presseagenturen diesseits und jenseits des Atlantiks wurde Fields Telegrafenkabel zur unverzichtbaren Lebensader. Ein neues Zeitalter war angebrochen. Das Zeitalter grenzenloser Information.

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